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Wie wird man Fan?

Der Double-Sieg in Castrop

CASTROP-RAUXEL Es ist das Stadtmeister-Finale der E-Jugend. Thomas Martin ist Co-Trainer des SG Castrop. Und Spieler-Papa. Konzentriert folgt er jeder Bewegung. Sein Gesicht ist angespannt, vielleicht auch wegen des Regens. Er ruft und jubelt und hält keine Sekunde still.

Der Double-Sieg in Castrop

Im Endspiel der E1-Jugend des SG Castrop fiebert Thomas Martin nicht nur als Co-Trainer, sondern auch als Vater vom Spielfeldrand mit. Sein Sohn Benedikt spielt in der Abwehr.

"Wir sind der Favorit", sagt Thomas Martin vor Anpfiff am Sonntagmittag. Der 45-Jährige Co-Trainer der E-Jugend der SG Castrop ist für dieses Spiel mein Favorit. Zu erleben, wie Eltern beim Fußball-Spiel ihres Kindes mitfiebern, ist ein Muss, wenn ich wissen will, wie man Fußball-Fan wird. Thomas Martins Sohn Benedikt spielt in der Abwehr. 12.15 Uhr soll der Anpfiff sein, der Schiedsrichter ist um 12.18 Uhr noch nicht auf dem Platz, die Pässe der Spieler wurden noch nicht kontrolliert, der Himmel zieht sich zu, Thomas Martin geht auf und ab. Er verzieht das Gesicht, zieht Luft durch die Zähne. "Allmählich kribbelt’s", sagt er und ringt sich ein Lächeln ab. Allmählich nieselt’s.  

 Der Schiri kommt noch einige Minuten später, kontrolliert fix die Pässe, pfeift zum Anstoß, das Spiel läuft. Als Co-Trainer hat Thomas Martin den Blick auf alle Spieler, nicht nur auf Benedikt. "Mitte mit zumachen, Benne", steckt Thomas seinem Sohn von der Außenlinie. "Luke, eng an der Vier", ruft er Lukas zu. Eine Reaktion folgt nicht so wirklich, aber Thomas Martin weiß: "Die hören das nicht so. Für die Jungs steht auch der Spaß im Vordergrund." Ich verstehe: Zurufe vom Spielfeldrand bei der E-Jugend haben einen ähnlichen Effekt auf die Spieler wie Zurufe aus der Menge eines Public Viewings in Richtung Leinwand: Sie sind mehr Ventil der Fans. Eine Viertelstunde jagen die Jungs auf dem Platz dem Ball nach. Noch ist kein Tor gefallen. Thomas Martin geht vor und zurück, vor und zurück, verzieht das Gesicht. "Wir sind ein bisschen gehemmt", sagt er. "Wir wollten nie so viele Chancen zulassen."

Dann, in der 20. Minute, stößt Thomas Martin den ersten Jubelschrei aus, ballt die Faust dabei, und drückt schnell auf den Auslöser seiner Kamera, noch während ein Spieler einen anderen im Jubel Huckepack trägt. Die Nummer 8 hat den Ball ins Netz bugsiert. Nur drei Minuten später folgt das nächste Tor, das nächste brüllende "Jaaa!" und das Klicken der Kamera.Thomas Martin bleibt angespannt. "Wenn die jetzt ein Tor schießen, kann sich das Blatt schnell wenden." Jungs aus der E-Jugend lassen sich eben noch schneller aus der Ruhe bringen als Profis.  Auch in der zweiten Halbzeit bleibt Thomas Martin keine Sekunde still stehen. Immer wieder macht er mit dem Fuß eine Schieß-Bewegung, immer wieder spricht seine Mimik Anfeuerungs-Gedanken wie "Komm schon!" oder vielleicht "Bleib dran!" Immer wieder ruft er Sätze aufs Feld, die zwischen den dicken Regentropfen untergehen.

Mit dem 3:0 in der 40. Minute werden die Zurufe weniger. Während der Regen auf Thomas Martins Vereinsjacke klatscht, scheint sein Herz langsamer zu schlagen, ruhiger. Mit dem Abpfiff schließlich ist die E1-Jugend Stadtmeister. Einen Tag zuvor holten sie den Kreismeister-Titel. Noch während des Spiels hat Ehefrau Judith Martin auf die T-Shirts unter "Kreismeister" auch "Stadtmeister" gebügelt. So erlebe ich, was doppelte Freude ist: Mit Pokal, T-Shirts, lauter Musik und Trainerdusche in der Umkleidekabine feiern alle den wahren "Double-Sieg". 

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