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Freispruch im Exhibitionisten-Prozess

Die Chili-Schote und der nackte Castrop-Rauxeler

CASTROP-RAUXEL Trotz eines bizarren Nacktauftritts vor Frauen und Kindern ist ein Mann aus Castrop-Rauxel nicht als Exhibitionist verurteilt worden. Das Amtsgericht in Recklinghausen entschied: Der 43-Jährige ist kein Triebtäter, sondern Chili-Opfer. Das Urteil: ein Freispruch "extra scharf". Lesen Sie hier die Geschichte eines kurioses Vorfalls.

Die Chili-Schote und der nackte Castrop-Rauxeler

Habaneros sind höllisch scharfe Chili-Schoten. Ihre Wirkung hat ein Castrop-Rauxeler am eigenen Leib erfahren müssen.

Es müssen unfassbar schräge Szenen gewesen sein, die sich am 9. März 2014 an einem Radweg unweit vom Hebewerk am Dattelner Kanal abgespielt haben. Ein schweißgebadeter Mann mit runter gezogener Hose wälzte sich wie ein wild gewordenes Tier über eine Wiese, wimmerte und fasste sich dabei immer wieder an sein bestes Stück. „Uns ist richtig übel geworden“, erinnerte sich eine Spaziergängerin. Die Zeugin war damals mit ihren kleinen Kindern unterwegs. „Ich als Mama hatte richtig Angst“, sagte sie mit tränenerstickter Stimme.

Sie hatte damals sofort die Polizei alarmiert. Doch selbst als zwei Beamte eintrafen, ließ sich der nackte Wiesenwälzer nicht beruhigen, war nicht in der Lage zu reden. Die Polizei nahm die Personalien auf. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen sexueller Handlungen vor Kindern.

Verblüffende Geschichte

Am Amtsgericht Recklinghausen ging den Vorwürfen aber schnell die Luft aus. Der Mann auf der Anklagebank verblüffte mit einer Story, die ihm anfangs auch sein Anwalt Jens Tuschhoff („Ich habe ihm gesagt: Na dann, versuchen sie ihr Glück!“) nicht abnehmen wollte. Einer Geschichte, der sich aber in öffentlicher Verhandlung wohl kein Mensch freiwillig ausliefern würde – wenn sie denn nicht stimmt. „Ich hatte unglaubliche Schmerzen, wollte nur, dass das endlich aufhört“, so der Mann. Für einen Pizzaback-Abend hatte der Mann Zutaten besorgt. Auch eine Tüte mit extra scharfen Chilis (Habaneros).

Auch Bier half nicht

Weil seine Dattelner Freundin sich verspätete, setzte er sich an den Kanal, trank dabei ein, zwei Bier, naschte eine Chilischote. Nach einer Pinkelpause an einem nahen Zaun überfielen ihn dann schlagartig „fürchterliche Schmerzen“. Alles, wirklich alles, was er mit seinen Chili-Händen berührt hatte, brannte wie Feuer. Nichts half. Der 43-Jährige: „Ich habe Taschentücher genommen, gerieben und gerubbelt, sogar Bier drüber geschüttet. Am Ende habe ich aber auch gar nichts mehr gesehen“. Erst „vier Stunden später“ habe das Brennen und Schwitzen so langsam aufgehört.

Amtsrichterin Christine Lenz glaubte ihm die "Unfallversion" und sprach ihn frei. Ihr Rat: „Sie sollten nicht mehr so scharfe Chilis essen.“ 

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