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Die Nacht hat viele Gesichter

MERKLINDE „In die Nacht gehen…, damit die Nacht Dir Frieden bringt“. So hatte das Chor-Ensemble des Kirchenchores St. Marien sein diesjähriges vorweihnachtliches Konzert betitelt. Unter der Leitung von Marie-Luise Nieder nahmen die Sängerinnen und Sänger das Publikum mit in die Dunkelheit.

Die Nacht hat viele Gesichter

Der Kirchenchor St Marien erhielt für das Konzert stehende Ovationen.

Die St. Marien-Kirche - Schauplatz des stimmungsvollen, facettenreichen Konzertes - wurde in warmes Licht getaucht. Die Nacht hat viele Seiten: Mal ist sie friedlich und ruhig, man lässt den Tag Revue passieren, denkt an die vor sich liegenden Pläne - mal ist die Nacht bedrohlich, man erlebt etwas, macht die Nacht zum Tage, ist schlaflos, nachdenklich und unruhig. Der St. Marien-Chor zeigte die verschiedenen Gesichter der Nacht auf äußerst sensible Art und Weise - nicht nur musikalisch, sondern auch durch verschiedene Aktionen, die vordergründig nur eine Nebenrolle spielten, hintergründig aber zum Gesamtkonzept des Abends gehörten. Immer wieder im Laufe des Abends veränderte der Chor seinen Standpunkt und seine Aufstellung: Mal erklangen ihre Stimmen aus dem hinteren Bereich der Kirche, mal von der Orgelbühne, mal aus dem Altarraum. Beeindruckender Kontrast Die Gesänge - wie beispielsweise „Te lucis ante terminum“ von dem zeitgenössischen Komponisten Thomas Gabriel oder das Volkslied „Kein schöner Land“ - verströmten aufgrund ihrer besonderen Arrangements und der zarten, teilweise gehauchten und nie scharfen Klänge eher Ruhe. Das ständige Wechseln der Position hingegen bildete einen beeindruckenden Kontrast: Die Nacht ist nicht nur harmonisch und ruhig. Das gleiche vermittelte auch Miroslaw Tybora bei seinen Solobeiträgen: Mit der Sonata d-moll von Domenico Scarlatti durchbrach er bedrohlich die Stille und beeindruckte besonders dadurch, dass er die Musik mit seinem gesamten Körper zu leben schien: Laut atmend sog er die Melodien in sich auf, um sie anschließend wieder über seine Finger heraus zu lassen. Die wundervollen, ruhig-fließenden Beiträge der Harfenistin schufen hingegen wieder eine friedliche Atmosphäre.Stehende Ovationen Auch Andreas Leymann bereicherte das Konzert auf seine Weise: Bei einem Motiv aus dem berühmten Film „Der Herr der Ringe“ bewies er Improvisationsgeschick: Der ständige Wechsel zwischen unterschiedlicher Tempi und sich teilweise scheinbar widersprechenden Taktarten und die Entwicklung der Tonfolge hin zum Vorspiel von „Der Mond ist aufgegangen“ überraschte die Zuschauer, die sich anschließend bei allen Mitwirkenden mit stehenden Ovationen und einem nicht enden wollenden Applaus bedankten.

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