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Syrische Familie findet neues Zuhause

Die lebensgefährliche Flucht nach Castrop-Rauxel

CASTROP-RAUXEL Die Erinnerungen an Syrien sind immer noch lebendig. An die Bomben, die Trümmer, die Toten in den Straßen von Aleppo. Vor all dem sind die Brüder Sawas und ihre Familie nach Deutschland geflohen und haben in Castrop-Rauxel ein neues Zuhause gefunden. Doch die Vergangenheit lässt sie einfach nicht los.

Die lebensgefährliche Flucht nach Castrop-Rauxel

Vor fast drei Jahren verließen sie ihre Heimat Syrien und haben nun in Castrop-Rauxel ein neues Zuhause gefunden: Die Brüder (v.l.) Mohamad, Yahya und Bilal Sawas.

Seit dem Frühling 2011 ist im Leben von Mohamad (22), Yahya (20) und Bilal (18) nichts mehr so wie vorher. Damals wurde aus dem Protest gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad ein Bürgerkrieg. „Die Proteste gegen Assad waren friedlich“, erinnert sich Yahya, der damals sein Abitur gemacht hat. „Wir haben vor dem Krieg gut zusammen gelebt: Schiiten, Sunniten, Christen. Doch dann hat Assad angefangen, sein eigenes Volk zu töten.“ Die Wut auf den Staatspräsidenten ist den Brüdern anzumerken. Er sei ein Diktator.

Drei Bomben

Die Familie hatte bereits unter dem Vater des jetzigen Präsidenten zu leiden. Einen Onkel von ihnen habe Hafiz al-Assad erschießen lassen. Und die beiden Söhne des Getöteten kamen bei einem Bombenangriff ums Leben, den Baschar al-Assad befohlen hatte. Drei Bomben trafen auch ihr eigenes Haus.

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„Es geht ihm nicht darum, strategische Ziele zu bombardieren“, sagt Yahya. „Er will gezielt Menschen töten. Das sieht man schon daran, dass er Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung einsetzt.“ Die Brüder erzählen von ihrer kleinen Schwester, die als Kleinkind die Bombenangriffe miterlebte. Und jedes Mal schrie und heute noch traumatisiert sei.

Flucht nach Libyen

Es ist eine schwierige politische und religiöse Gemengelage in Syrien. Und zu der kommt nun auch noch die Bedrohung durch den Islamischen Staat (IS), der jeden tötet, der nicht ihrer radikalen Ideologie folgt. „Die kämpfen angeblich im Namen des Islam. Aber alles, was sie tun, ist unislamisch. Wir als Muslime hassen und verachten den IS“, sagt Yahya. Die Brüder sagen aber auch, den Nährboden für den IS in Syrien habe Assad bereitet.

Dass sie in Syrien nicht bleiben können, haben sie 2012 beschlossen. Dann nämlich sollten Mohamad und Yahya zu Assads Armee einrücken. Die beiden flogen im August nach Libyen, die Eltern, Bruder Bilal und die drei Schwestern folgten im Dezember.

Gefährlicher Weg übers Mittelmeer

In Bengasi, einst Zentrum des Aufstands gegen das Gaddafi-Regime, baute sich die Familie eine Existenz auf. Die Brüder fanden Arbeit, kauften sich sogar ein Auto. „Doch dann wurde Libyen so wie Syrien“, erinnert sich Yahya. Das Land rückte in den Fokus islamistischer Terroristen. Die ganze Bevölkerung sei dort bewaffnet, selbst die Kinder. Und Syrer seien nicht willkommen. Die Libyer seien rassistisch gegen Syrer. Man habe sie überfallen, ihnen Geld abgenommen.

Im Juni 2014 beschloss die Familie: Wir müssen hier weg. Die Flughäfen waren geschlossen. Es blieb nur der gefährliche Weg übers Mittelmeer. Mit einem Schlauchboot, in dem sie mit 50 anderen Menschen saßen, begann die ungewisse Reise nach Europa.

Von Sizilien nach München

Sie hatten Glück: Ein italienisches Schiff stieß auf das Flüchtlingsboot und nahm die Menschen an Bord. Sonst hätte es der Familie Sawas ergehen können wie den vielen tausend Flüchtlingen, die auf ihrer verzweifelten Flucht übers Meer ertrunken sind. Das war ihnen bewusst. „Aber wir hatten so große Angst, wir mussten fliehen“, sagt Mohamad. Nach drei Tagen auf dem Meer erreichten sie Sizilien. Doch die Familie hatte sich entschlossen, nach Deutschland zu gehen.

Mit dem Zug ging es nach Mailand und von dort nach München. „Ich habe schon als Kind immer von Deutschland geträumt“, erinnert sich Mohamad. Er habe gehört, dass es dort viel Industrie gebe, das habe ihn fasziniert.

Von München fuhren sie mit dem Zug nach Dortmund, wo sie zunächst in ein Auffanglager kamen. Über diverse Einrichtungen in Bad Berleburg, Bielefeld und Schöppingen kam die Sawas-Familie dann am 7. August 2014 in Castrop-Rauxel an. Sie mögen die Stadt gern, sagen die Brüder. Freundlich habe man sie aufgenommen, die Hilfsbereitschaft sei sehr groß.„Wir möchten uns bei den Deutschen bedanken. Sie sind so nett zu uns. Und wir möchten dem deutschen Staat nicht auf der Tasche liegen“, sagt Yahya. „Wir wollen eine Ausbildung machen, arbeiten und der deutschen Gesellschaft etwas zurückgeben.“

Aufenthaltsgenehmigungen

Bis auf zwei haben mittlerweile alle Mitglieder des achtköpfigen Familie Aufenthaltsgenehmigungen, ein Deutschkurs soll folgen. Ein paar Brocken Deutsch haben sich die Brüder auch schon selbst beigebracht. Dennoch ist die Sprache noch eine Hürde. Aber sie wollen sich durchbeißen, sich ein Leben hier aufbauen. Denn eine Rückkehr nach Syrien können sie sich nicht vorstellen, sagt Yahya. „Bis das Land wieder aufgebaut ist, wird es noch 50 Jahre dauern.“

 

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