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Ein bissiger und böser Pispers

CASTROP-RAUXEL Bei ihm geht's um Politik. Bissig und böse nimmt Volker Pispers die Merkels und Schröders, die Schäubles und Schilys auf's Korn. So genüsslich und unterhaltsam erklärt er das Berliner Machtzentrum zu einer eigenwilligen Anhäufung von "Dumpfbacken" - ja, das ist durchaus sein Vokabular - dass er damit derzeit deutsche Säle und wohl auch die deutsche Seele im Sturm erorbert.

Ein bissiger und böser Pispers

Volker Pispers

Nur wenige Tage nach Bekanntwerden seines Gastspiels in Castrop-Rauxel war die Stadthalle dafür schon im Sommer dieses Jahres ausverkauft. Am Samstagabend war er endlich da, der scharfzüngige Vollbartträger aus Rheydt bei Mönchengladbach. 550 Besucher amüsierten sich köstlich über Pispers politisches Kabarett.

Westerwelle mit Verstand

Mit Sprüchen wie "Ein Grüner ist ein Westerwelle mit Verstand und Gewissen" hatte er die Lacher ebenso auf seiner Seite wie bei seinen ziemlich ausgewogenen verbalen Feldzügen gegen CDU und SPD. Unverblümt geißelte er, dass die SPD eine Politik gegen ihre eigenen Wähler mache. Mit Hartz IV oder der Unternehemenssteuerreform hätten Eichel, Clement und Schröder nur deutlich gemacht, dass sie "Opfer ihrer eigenen Bildungspolitik" geworden seien. Diebisch freute sich Pispers, dass in Nordrhein-Westalen inzwischen 40 Prozent der Parteimitglieder aus der SPD ausgetreten seien: "Soviel Intelligenz hätte ich in der Partei gar nicht mehr vermutet."

"Merkel sagt nichts"

Pispers beeilte sich, auch die Kanzlerin ins Visier zu nehmen. Dass sie in Umfragen so beliebt ist, machte ihm schwer zu schaffen: "Die Merkel sagt nichts, aber deshalb widerspricht sie sich eben auch nicht. Das finden die Deutschen sympathisch." Am Anfang ihrer Kanzlerschaft habe es ja immer geheißen, sie mache den Job "besser als erwartet." Was, fragte Pispers, soll man davon bitteschön halten? "Wenn die Kategorie bei der Tour de France eingeführt wird, fahr ich da auch mit."

Als reines Geschäft mit der Angst brandmarkte Pispers die immer neuen Ideen des Innenminister Schäuble (CDU) zur Terrorbekämpfung. Elektronischer Fingerabdruck hin und Online-Durchsuchungen her - ist die Bedrohung durch den islamistischen Terror wirklich so schlimm? "Nein!", erklärte Pispers: "Haben Sie auch Angst vor Reisebusfahrern? Da sind Schläfer unterwegs!" Oder: "44 Tote am Tag gibt es allein durch Ärztepfusch. Da muss ein Al-Kaida-Terrorist lange dran stricken."

Bissige Verrisse

Seinen intelligenten und bissigen Verrissen hätte man noch stundenlang zuhören können. Die Stimme machte dem Polit-Plauderer aber spürbar zu schaffen. Zugaben gab es daher nicht. "Ich komme gerne zurück, dann holen wir das nach", so Volker Pispers.

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