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Olympische Dinge

Friedhelm Wentzke - Gold fürs Geschichtsbuch

CASTROP-RAUXEL Es war ein schöner Tag, gerade so, wie man sich einen italienischen Sommertag im Hinterland von Rom vorstellt. "Es ging kein Lüftchen", erinnert sich Friedhelm Wentzke. Geradezu ideale Bedingungen also. Und die wussten der Kanute aus Castrop-Rauxel und seine drei Mitstreiter auf dem Albaner See in der 4x500-m-Kajakstaffel zu nutzen.

Friedhelm Wentzke - Gold fürs Geschichtsbuch

Friedhelm Wentzke mit olympischem Edelmetall. Noch heute ist er stolz auf seine Erfolge.

Nach der besten Qualifikationszeit hatten sie leise mit dem Sieg geliebäugelt. Und lagen auch vom Start weg in Führung. Die hielt Wentzke an der dritten Position, der sich selbst die Taktik mit auf den Weg gegeben hatte: "Sieh´ zu, dass du vorne bleibst." Das tat er, und schickte Schlussmann Dieter Krause aus Magdeburg mit Vorsprung auf den Weg zum Olympiasieg.

Gegner geschockt

Ein Rennen fürs Geschichtsbuch: Wentzke war plötzlich nicht nur der erste Olympia-Teilnehmer aus seiner Heimatstadt. Er war mit einem Schlag auch der für lange 28 Jahre einzige Goldmedaillen-Gewinner aus Castrop-Rauxel.

Dabei war Wentzke erst nach dem "sehr schlechten Jahr" 1959 auf die 500-m-Strecke gewechselt. Vorher fühlte er sich über 1000 Meter und 10000 Meter daheim. Doch an den Konkurrenten, wie dem Weltmeister und Olympia-Zweiten Fritz Briel (Düsseldorf), war kein Vorbeikommen. Im Winter stieg Wentzke der besseren Chancen wegen auf die Kurzstrecke um. "Es wurde für Rom ja nur ein 1000-m-Fahrer gesucht", betont Wentzke, "aber gleich vier wurden für die Staffel gebraucht."

Wie schon in den Jahren zuvor ohne Trainer, baute Wentzke in Eigenregie sein Übungsprogramm um, trainierte nun "knochenhart auf der Kurzdistanz". Mit Erfolg. Beim ersten Sichtungsrennen, im Mai 1960 in Herdecke, gewann er, "schockierte die 500-m-Fahrer" gar, wie Wentzke berichtet. Und kurz darauf setzte er sich auch bei der Olympia-Ausscheidung in Prien am Chiemsee und in Madgeburg durch, sicherte sich seinen Platz in der gesamtdeutschen Staffel des nach dem Zweiten Weltkrieg geteilten Deutschlands.

"Die im Osten..." Eine Staffel mit je zwei Fahrer aus beiden deutschen Staaten. "Wir hatten das Gefühl, das die im Osten die besseren Trainingsmöglichkeiten hatten", sagt Wentzke. Und Aufpasser im Nacken. Selbst getrennte Bootshäuser für Ost- und Westsportler gab es am Albaner See. Kontakte zu den Staffel-Kameraden seien fast ausschließlich zu den Mahlzeiten möglich gewesen. "Wenn wir Günther Perleberg und Dieter Krause aus dem Bootshaus kommen sahen", weiß Wentzke noch, "haben Paul Lange und ich gesagt, dann gehen wir auch mal los."

Mit ihrem Erfolg wurde die Erfolgs-Staffel von Rom zum Politikum: Sie blieb die einzige Mannschaft in der Zeit der gesamtdeutschen Olympia-Aufgebote, die je eine Goldmedaille gewann. Was die DDR-Führung weitgehend verschwieg. Lange und Wentzke wurden bei ihrer Rückkehr gefeiert. Derweil hockte Krause an einem Katzentisch, wie Wentzke in einem alten Schwarz-Weiß-Film entdeckt hat, "während andere, wie der Radfahrer Thäve Schur und die Wasserspringerin Ingrid Krämer, im Mittelpunkt standen." Die politische Tragweite jenes Olympia-Sieges von 1960 sei erst nach und nach in die Öffentlichkeit gedrungen, sagt Wentzke.

"Einfach schön"

1964, die nur einmal ausgetragene Staffel war im Kajak-Vierer aufgegangen, musste sich Wentzkes neues Quartett bei den Olympischen Spielen in Tokio übrigens mit Silber hinter der Sowjetunion begnügen. "Perleberg und ich hatten damit Gold verloren", sagt Wentzke heute, "unsere beiden Mitfahrer Silber gewonnen." Als Sportler wolle man eben, wenn man einmal vorne dabei war, den Erfolg immer wiederholen.

Trotz der (immerhin versilberten) Enttäuschung von Japan, in der Erinnerung "ist Olympia einfach schön", erklärt Wentzke. Ein Gefühl, "das kann man nicht in Worte fassen" könne. Wentzke: "Man gehört zu seiner Zeit zu Olympia - und heute immer noch."Das ist Friedhelm Wentzke:Friedhelm Wentzke, 76 Jahre alt, begann den Kanusport 1954 bei der Paddlergilde Castrop-Rauxel. 1956 wechselte er zu den FS Dortmund 98 und 1962 zu Eintracht 48 Duisburg. 1958 startete er erstmals bei einer Weltmeisterschaft, in Prag. 1960 gewann er Gold in der 4x500-m-Kajakstaffel bei den Olympischen Spielen in Rom, 1964 in Tokio Silber im Vierer-Kajak. Wentzke war Europameister und zehnmal Deutscher Meister. Der gelernte Elektroschlosser und -schweißer wechselte 1962 als Schwimmmeister ins Stadionbad in Duisburg, war dann 37 Jahre lang für zahlreiche Frei- und Hallenbäder in Duisburg sowie für das Gästehaus im Sportpark Wedau verantwortlich. Wentzke lebt seit seiner Pensionierung wieder in Habinghorst.

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