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Vor dem Revierderby

In Ickern treffen 1000 Jahre Fan-Erfahrung aufeinander

ICKERN Wenn am Samstag das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 ausgetragen wird, stehen sich auch im Seniorenzentrum Ickern zwei Fanlager gegenüber. Zusammen kommen sie auf 1000 Jahre Fan-Erfahrung. Zwei Ordner sichern das Rudelgucken, bei dem auch ein ehemaliger Fußballprofi zu Gast ist.

In Ickern treffen 1000 Jahre Fan-Erfahrung aufeinander

Karl-Heinz Sabra (v.l.), Norbert Witczak, Peter Hetheier, Klaus-Jürgen März, Karl-Heinz Ittermann, Hans Joachim Drelmann, Bernd Blümel und Heinz-Josef Kneyder schauen am Samstag gemeinsam das Derby. Sicherheitshalber werden dann auch Ordner anwesend sein. Foto: Felix Püschner

Donnerstag, 10.30 Uhr im AWO-Seniorenzentrum am Ickerner Knoten. Karl-Heinz Sabra, langjähriger Vorsitzender von Armina Ickern, hat zur Pressekonferenz eingeladen. Und es ist keine gewöhnliche PK. Es geht nicht um Wechselgerüchte, nicht um Finanzen, noch nicht einmal um seinen früheren Verein. Es geht ums Revierderby am Samstag im Signal-Iduna-Park: Borussia Dortmund gegen den FC Schalke 04. Schwarz-Gelb gegen Blau-Weiß. Und genau diese Farben dominieren auch schon am Donnerstag im improvisierten „Presseraum“ des Seniorenzentrums.

Sabra hat mehrere Mitbewohner zusammengetrommelt – in Fanmontur. Ein kleines Vorspiel auf das, was Samstag hier los sein wird. Dann steht Derby-Rudel-Gucken auf dem Programm. Das Motto der Veranstaltung: „1000 Jahre Fußball-Fanerfahrung“. „Ich habe einfach mal grob überschlagen, auf wie viele Jahre wir hier am Samstag zusammengerechnet kommen“, sagt Sabra und lacht.

Eine angespannte Lage

Seit Saisonbeginn schaut die Gruppe aus rund 15 Zuschauern gemeinsam jeden Samstag Bundesliga – Schalker und Borussen gemeinsam in einem Raum. Bislang lief das laut Jasmin Körner reibungslos. „Bis jetzt war alles friedlich. Aber dieses Wochenende gibt’s eben die Premiere. Wir schauen zum ersten Mal gemeinsam das Derby. Und wir setzen zwei Betreuungskräfte als Ordner ein“, sagt die Heimleiterin augenzwinkernd. Sind diese Sicherheitsvorkehrungen berechtigt?

„Vor so einem Spiel ist man schon etwas angespannter als sonst. Aber wir werden uns schon vertragen“, sagt Bernd Blümel (69). Der Schalke-Fan geht trotz der guten Ausgangslage seines Teams mit einer gehörigen Portion Respekt ins Spiel am Samstag: „Wenn das kein Derby wäre, wäre das wohl eine klare Sache. Aber in so einem Spiel gehen die Spieler an ihre Grenzen. Da kann alles passieren.“ Er habe schließlich genug Erfahrung, um das zu wissen.

Zwei alte Weggefährten

Das gilt auch für Hans Joachim Drelmann (59), bei dem ein Derby aus der jüngeren Vergangenheit ganz oben auf der Liste der schönsten Erinnerungen steht: Der 12. Mai 2007, als der BVB den Reviernachbarn am vorletzten Spieltag mit 2:0 nach Hause schickte und die königsblauen Hoffnungen auf den lang ersehnten Meistertitel zerschlug. „Ich gebe zu: Da war schon ein bisschen Schadenfreude dabei“, sagt Drelmann. BVB-Fan Peter Hetheier ist da schon pessimistischer. Eine 0:5-Klatsche sagt er für seinen Herzensklub voraus – man müsse schließlich realistisch bleiben.

Bei Norbert Witczak hält sich die Anspannung vor dem Duell in Grenzen. Er schaut dem Samstag völlig entspannt entgegen. Der 75-Jährige hat dann ohnehin einen „Sonderstatus“. Er wohnt nämlich gar nicht im Seniorenzentrum, sondern folgt nur der Einladung seines langjährigen Weggefährten Sabra. Beide waren für Arminia Ickern aktiv. Allerdings hat Witczak – und das ist der zweite Aspekt des Sonderstatus‘ – selbst als Profi gekickt. Bei Viktoria Köln, in den 1960er Jahren.

Er sei schon BVB-Sympathisant, sagt Witczak: „Aber im Moment schaue ich mir lieber Bayern oder Leipzig an. Die spielen schöneren Fußball.“ Blöd, dass beide Vereine weder beim königsblauen noch beim schwarz-gelben Anhang besonders hoch im Kurs stehen. Witczak darf am Samstag trotzdem mitgucken. Und zur Not sind da ja auch noch die beiden Ordner.

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