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Olympische Dinge

Klinsmann, Riedle - und Wolfram Wuttke

CASTROP-RAUXEL Die Mannschaftskasse ist noch prall gefüllt, doch die Fete ist nie gestiegen. Dieses Jahr in Peking wäre ein guter Anlass gewesen. "10 000 Mark müssten noch vorhanden sein", sagt Wolfram Wuttke. Vor 20 Jahren nämlich hatte der frühere Fußballprofi aus Castrop-Rauxel mit der deutschen Mannschaft in Seoul die Bronzemedaille gewonnen.

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Wolfram Wuttke (Mitte) damals: beim Training zu Schalker Zeit mit den auch aus Castrop-Rauxel stammenden "Knappen" Thomas Siewert (links) und Klaus Fichtel.

"Das war damals schon außergewöhnlich", betont der gebürtige Europastädter. Eigentlich ein schöner Grund, noch einmal eine Party mit den ehemaligen Mitspielern zu feiern, sagt er und lacht: "Aber man weiß ja nicht, was der DFB mit dem Geld gemacht hat."

Jürgen Klinsmann, Frank Mill, Andreas Brehme, der ebenfalls aus Castrop-Rauxel stammende Christian Schreier und Co.: "Das war schon ein sensationelles Team mit unseren Trainer Hennes Löhr", erinnert sich Wuttke, "die war damals mehr als gleichwertig mit der richtigen Nationalmannschaft." Selbst jemand wie Karl-Heinz Riedle hätte es während des olympischen Turniers nicht über die Ersatzbank hinaus gebracht. Und viele aus der 88er-Equipe wurden zwei Jahre später in Italien Weltmeister.

Mit 4:5 nach Elfmeterschießen unterlag Deutschland damals im Halbfinale gegen Brasilien, gewann dann aber das "kleine Finale" mit 3:0 (2:0) gegen Italien. "Wenn wir gegen Brasilien gewonnen hätten", ist sich Wuttke noch heute sicher, "hätten wir auch die Goldmedaille geholt."

Weit weg in Pusan

Allerdings, räumt er ein: "Das olympische Fußball-Turnier stand damals noch nicht so im Fokus der Öffentlichkeit wie heute. Das hat sich inzwischen geändert." Wie gerade jetzt der Wettbewerb in China mit Weltstars wie Messi und Ronaldinho zeigt. Wuttke: "Erst nach dem Medaillengewinn ist unsere Mannschaft populärer geworden."

Die Olympischen Spiele hätten für die Fußballer jedoch erst mit dem Halbfinale so richtig begonnen, erinnert sich Wuttke: "Vorher waren wir weit weg in Pusan, dann kamen wir nach Seoul." Und in die unmittelbare Nähe bekannter Vertreter anderer Sportler: Carl-Uwe Steeb vom Tennis, Carlo Tränhardt vom Hochsprung oder Steffi Graf, die damals den Golden Slam vollendete.100m-Finale mit Ben-Johnson

"Die Handballer hatten wir ja schon in der Vorbereitung in der Sportschule Kaiserau kennen gelernt", weiß Wuttke noch. Gesehen hat er auch das 100-m-Finale mit Ben Johnson und Carl Lewis. Und gespeist mit den deutschen Gewichthebern in der Mensa des Olympischen Dorfes: "Wir haben natürlich ganz was anderes gegessen als die."

Auch wenn es 20 Jahre nach dem Bronze-Erfolg keine Wiedersehensfeier mit der damaligen Olympia-Mannschaft geben wird. Wuttke könnte bei einem Besuch in seiner Heimat schnell wieder in die alten Zeiten abtauchen. Bei seinen Eltern in Herne sind die Trophäen aus Seoul fein säuberlich in einer Vitrine aufbewahrt: die Bronze-Medaille, die Ehrennadel und das Silberne Lorbeerblatt des Bundespräsidenten.Das ist Wolfram Wuttke:Wolfram Wuttke, 50 Jahre alt, stammt aus der Jugendabteilung der SG Castrop. Schon mit 14 Jahren wechselte er ins Fußball-Internat des FC Schalke 04. Als Profi spielte er von 1979 bis 1993 für die Bundesligisten FC Schalke 04, Borussia Mönchengladbach, Hamburger SV, 1. FC Kaiserslautern und 1. FC Saarbrücken sowie zwischenzeitig bei Espanyol Barcelona in der spanischen Primera Division. Dabei erzielte er in 299 Spielen 66 Tore. Wuttke stand viermal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Platz, unter anderem bei der Europameisterschaft 1988 gegen Spanien. Ein Tor gelang ihm im Nationaldress, in einem Spiel gegen England. 1990 gehörte er zum Nationalkader, verletzte sich aber vor der Weltmeisterschaft, konnte deshalb nicht mit nach Italien. So stuft Wuttke die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1988 als seinen größten sportlichen Erfolg ein. Zudem ist er in jungen Jahren U21-Europameister geworden.

Wuttke galt als großes Talent, aber auch als das Enfant Terrible des deutschen Fußballs. So wurde er 1990 noch vor dem Pokalendspiel beim 1. FC Kaiserslautern suspendiert. Sein bekanntester Spruch war ein Ausruf gegenüber einem Linienrichter: "Du machst Dir doch vor Dir selbst in die Hose!" Zudem wird ihm der Spitzname "Osram" für Jupp Heynkes, seinen damaligen Trainer in Mönchengladbach, zugeschrieben.

Nach seiner aktiven Karriere arbeitete Wuttke zunächst als Trainer beim TuS Haltern in der Landesliga. 2008 war Sportdirektor und Trainer beim TSV Crailsheim (Oberliga Baden-Württemberg). Doch aufgrund von Streitigkeiten mit dem Sponsor war nach knapp einem Jahr Schluss. 

Wuttke wohnt heute in noch in Selm.

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