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Wildtiere in Städten

Kommen mehr Wildschweine nach Castrop-Rauxel?

Castrop-Rauxel. Deutschlandweit wagen sich immer mehr Wildtiere aus dem Wald und nähern sich den Städten – darunter Rehe, Waschbären und Wildschweine. Verwüstete Gärten und die Angst vor Krankheiten sind jedoch nicht die einzigen Sorgen. Wir erklären die Situation in Castrop-Rauxel.

Kommen mehr Wildschweine nach Castrop-Rauxel?

Wer Wildschweinen über den Weg läuft, sollte Ruhe bewahren. Foto: picture alliance / Gregor Fische

Waschbären, die sich kulinarisch am Inhalt von Mülltonnen bedienen, Marder, die genüsslich an Autokabeln herumknabbern und Wildschweine, die inzwischen schon längst nicht mehr nur im Wald, sondern auch in Gärten von Bürgern auf Nahrungssuche gehen – immer mehr Wildtiere verlassen immer häufiger ihren eigentlichen Lebensraum und nähern sich auf ihrer Futtersuche den Städten. Vor allem das Verhalten von Wildschweinen und ihre steigende Population sorgte zuletzt unter anderem angesichts einer drohenden Ausbreitung der Schweinepest für Schlagzeilen. Doch wie steht es eigentlich um das Wildverhalten in Castrop-Rauxel?

Auch Müll steht auf der Speisekarte



Bei Füchsen und Waschbären gibt es laut Lambertus Kramer, Vorsitzender des Hegerings Castrop-Rauxel, eine steigende Tendenz, was die Annäherung an die Städte betrifft. Der Grund: Die Tiere haben die Scheu vorm Menschen verloren – und sie wissen inzwischen, dass es auch außerhalb ihres eigentlichen Lebensraums Futter gibt. „Müll ist ja genug da. Vor allem auf die Biotonnen haben es die Tiere abgesehen“, sagt Kramer.

Regina Haumann-Jörgens, Ortsvereinsvorsitzende des Westfälisch-Lippeschen Landwirtschaftsverbands, sieht das ähnlich: „Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Es landen heute viel mehr Essensreste als früher in der Mülltonne.“ Aber lockt das inzwischen sogar Wildschweine in die Stadt? „Bislang noch nicht. Es muss sich jedenfalls niemand Sorgen machen, dass ihm ein Wildschwein auf dem Marktplatz entgegenkommt“, sagt Kramer.

Hohe Straßendichte macht es den Tieren schwer

Die hohe Straßendichte im Ruhrgebiet erschwere den Tieren den Weg in die Stadt. Aber eines sei völlig klar: „Sie kommen näher. Vor fünf Jahren hat sich noch kein Wildschwein nach Castrop-Rauxel verirrt – noch nicht mal in die Wälder. Inzwischen sichten wir dort und auf den Feldern durchaus welche.“ Erst vor ein paar Tagen habe er im Ickerner Busch frische Spuren entdeckt. „Und die stammten nicht nur von einer einzigen Sau“, so Kramer.

Vor allem Maisfelder seien beliebt bei den Tieren. Schließlich handele es sich dabei um echtes Kraftfutter. Und das habe die Tiere auch überhaupt erst nach Castrop-Rauxel gelockt. Ihr ausgeprägter Geruchssinn sei ihnen dabei zugute gekommen. Das Futterangebot sei hier verlockend, die Bereitschaft der Tiere, nachts auch schon mal mehr als 20 Kilometer zurückzulegen, ebenfalls vorhanden. Das in Verbindung mit Revierkämpfen aufgrund steigender Population in benachbarten Gebieten wie Olfen oder dem Cappenberger Wald habe dazu geführt, dass es die Tiere inzwischen auch nach Castrop-Rauxel verschlägt.

Autofahrer sollten jetzt besonders achtsam sein

Doch wie viele Tiere sind das genau? Das lässt sich laut Kramer nur schwer schätzen. Auf 100 Hektar Waldfläche kämen schon mal 30 bis 50 Tiere vor. „So viele sind es hier bei uns aber bestimmt noch nicht. Dennoch könnte es in einigen Jahren zum Problem werden. Denn die Schweinepest zieht immer mehr nach Westen“, so Kramer. Die übertragbare Krankheit könne dann auch zu Problemen für die Tierbestände der Bauern werden. Bislang gibt es die hier aber noch nicht. Und auch der Schaden, den die Tiere auf den Feldern hinterlassen, hält sich laut Haumann-Jörgens in Grenzen. Noch freuten sich Bauern und Jäger sogar darüber, dass sie mehr Wildtiere als früher sehen.

Auch aus der Verkehrsunfallstatistik der Polizei lässt sich laut Pressesprecherin Ramona Hörst noch kein Wildschwein-Problem ableiten. 23 Wildunfälle habe es in diesem Jahr gegeben. „Damit liegen wir absolut im Schnitt der vergangenen Jahre“, so Hörst. Die Zahl der Unfälle mit schwerwiegenden Folgen, bei denen auch Menschen verletzt würden, sei gering, liege bei gut fünf Fällen im Jahr. Hörst rät aber gerade Autofahrern, die in der Dämmerung unterwegs sind, besonders aufmerksam zu sein. „Vor allem dort, wo Schilder auf Wildwechsel hinweisen.“ Und was sollte man als Fußgänger tun, wenn man plötzlich einem Wildschwein gegenübersteht? „Bloß nicht darauf zugehen oder es sogar füttern, sondern zusehen, dass man langsam wegkommt. Normalerweise riechen die Tiere den Menschen aber schon vorher und hauen ab“, erklärt Castrop-Rauxels Hegering-Vorsitzender.

„Man kommt als Jäger kaum mehr nach“

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Wie hat sich der Wildbestand im Kreis Recklinghausen verändert?

Er ist bei den meisten Tierarten stabil geblieben. Die Wildschweine sind allerdings zum Problem geworden. Der Bestand hat sich in den vergangenen drei bis vier Jahren um 300 bis 400 Prozent erhöht. Die Zahl der geschossenen Tiere lag damals bei 200 bis 300, zuletzt waren es 800 bis 1000. Das hängt mit einer Vielzahl günstiger Bedingungen zusammen. Auf den Feldern wird beispielsweise mehr angebaut als früher, vor allem Mais – das ist ein echter Leckerbissen für die Wildschweine. Entscheidend ist auch, dass die Winter in den letzten Jahren ziemlich mild waren.

Die Tiere finden dementsprechend mehr Nahrung. Im Frühjahr sind das vor allem Würmer und Käfer im Boden – Eiweißquellen also. Im Sommer suchen sie sich Mais, Weizen und Gerste auf den Feldern. Und im Winter ziehen sie sich wieder in den Wald zurück, fressen vor allem Bucheckern und Eicheln. Haben die Tiere früher erst im Alter von zwei bis drei Jahren gefrischt (Junge bekommen, Anm. d. Red.), sind es nun schon Jungtiere von unter einem Jahr. Und die gebären im Schnitt acht Frischlinge pro Jahr. Da kann man schon erahnen, welches Ausmaß das mal annehmen könnte.

Bei den Problemen, die damit einhergehen, denkt man zunächst vor allem an eine drohende Ausbreitung der Schweinepest. Warum ist die steigende Population noch problematisch?

Natürlich ist das auch nicht gut für die Ernte. Aber noch wichtiger ist, dass Wildschweine Allesfresser sind. Auf deren Speisekarte stehen eben nicht nur Getreide, Käfer und Eicheln, sondern unter anderem auch Fasane, Enten und Junghasen. Die steigende Wildschwein-Population ist also eine Bedrohung für den Bestand anderer Tierarten, insbesondere den des Niederwilds.

Wie geht man mit diesem Problem um? Nehmen Jäger die Tiere jetzt stärker ins Visier?

Man kommt da als Jäger eigentlich kaum mehr hinterher. Das Umweltministerium ist inzwischen allerdings tätig geworden, hat die Jagdzeit von August bis Januar bei Überläufern – also Tieren, die älter als ein Jahr sind – zuletzt auf Ende März verlängert. Muttertiere sind hingegen weiterhin zu schonen.

Das Ministerium hat außerdem mehr Anreize für die Wildschweinjagd geschaffen – etwa dadurch, dass die gesetzlich vorgeschriebene Untersuchung der Tiere, die sogenannte Trichinenuntersuchung, jetzt vom Land bezahlt wird. Wildschweine sollen nun 70 bis 80 Prozent der Jagdstrecke ausmachen. Man kann das schaffen, indem man gut organisierte Drückjagden veranstaltet. So kann man den Bestand der Tiere ganz gezielt wieder reduzieren.

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