Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Geschichts-Unterricht

NS-Zeitzeuge fasziniert Hillebrand-Hauptschüler

CASTROP-RAUXEL Den Aufstieg der Nationalsozialisten, Krieg, Gefangenschaft, Flucht: Horst Schmechel hat viel erlebt. Den Schülern der 9. Klasse der Hillebrand Hauptschule gab der 88-Jährige einen Einblick in diese Zeit und fesselte sie mit seinen Erzählungen.

NS-Zeitzeuge fasziniert Hillebrand-Hauptschüler

Horst Schmechel gab als Zeitzeuge plastischen Einblick in die Zeit des Nationalsozialismus. Die Klasse von Klassenlehrerin Rafaela Vaghidas (r.) hörte fasziniert zu.

NS-Aufstieg, Machtergreifung, Pogromnacht, Krieg, Gefangenschaft, Flucht, Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944, die Eroberung Berlins durch die Rote Armee, Luftbrücke, Mauerbau, Wiedervereinigung: Horst Schmechel hat die gesamte Zeitreise eines Deutschen durch die beiden letzten Drittel des 20. Jahrhunderts bis heute mitgemacht. Und als Halbjude – die Mutter stammte aus einer jüdischen Familie – mit viel Glück, Geschick und Willenskraft überlebt, wie man zwingend hinzufügen muss. In der Franz-Hillebrand-Hauptschule gab der Mengeder mit fast 89 Jahren gestern zum ersten Male in seinem Leben Geschichtsunterricht – und das, wie er spannender nicht sein kann.

Eine Stunde lang herrschte konzentrierte, fast andächtige Stille in der 9 a von Klassenlehrerin Rafaela Vaghidas, die eher zufällig auf den rüstigen Senioren aus der Nachbarstadt gestoßen war. Es war die große Krise der Weimarer Republik, die die Schmechels 1929 von Ostpommern nach Berlin trieb, wo der Vater, ein entlassener Weltkrieg-I-Offizier, durch Gesang in den Hinterhöfen zunächst sein Geld verdienen musste. Nach 1933 musste der damals neunjährige Horst bitter erfahren, wie er als Halbjude immer stärkerer Diskriminierung ausgesetzt war, bis er 1944 in Lille als „Prisonnier“ (Strafgefangener) zusammen mit 18 000 Zwangsarbeitern einen Bunker zur Abwehr der Invasion bauen musste.

Als die Alliierten nahten, habe er sich mit einer kleinen Gruppe absetzen und Ende 1944 in seine Heimatstadt durchschlagen können, berichtete er. Zwar hat Schmechel den typischen Berliner Humor bis heute nicht verloren, doch wenn er über die Ermordung des mütterlichen Teils seiner Familie spricht, macht er keinen Hehl daraus, dass ihn diese schreckliche Vergangenheit auch heute noch im Schlaf verfolgt.

Als Schmechel schließlich nach dem Einmarsch der Sowjets in Berlin fast gerettet erscheint, droht ihm nach einem Diebstahl sibirische Lagerhaft, der er sich nur durch eine riskante Flucht aus dem Gefängnis Plötzensee entziehen kann. „Ich mach det nich mit“, habe er sich selbst gesagt. Dass er es gepackt habe, schreibt er seinem Lebensmotto zugute: „Erfolg setzt sich zusammen aus der Summe aller Bemühungen“, gab der agile Senior den Jugendlichen mit auf den Weg.  

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Minusgrade erwartet

Castrop friert - Blumen und Marktbeschicker ziehen sich zurück

Castrop-Rauxel Bis zu minus acht Grad meldet der Deutsche Wetterdienst für Castrop-Rauxel in den kommenden Nächten. Das sind schlechte Nachrichten für alle, die schon Blumen gepflanzt haben oder welche kaufen wollen. Wir klären die wichtigsten Fragen.mehr...

Radarfallen heute

Aktuelle Blitzer in und um Castrop-Rauxel

Castrop-Rauxel Achtung, Autofahrer. Hier erfahren Sie, wo die Ordnungsämter von Castrop-Rauxel und Dortmund sowie der Kreis Recklinghausen heute mit ihren Radarkontrollen stehen.mehr...

Hubschrauber-Einsatz in Rauxel

Polizei stoppt Einbrecher auf der Flucht – und meldet es nicht

Castrop-Rauxel Die Tat, um die es geht, ereignete sich bereits am 12. Februar. Dabei fahndete die Polizei sogar mit einem Hubschrauber und stoppte so einen Einbrecher. Die Meldung erging aber erst jetzt – auf Nachfrage. Woran liegt das?mehr...

Geständnis im „Voodoo-Prozess“

Abtreibungspillen an schwangere Prostituierte verteilt

Dorsten/Selm/Castrop-Rauxel Im „Voodoo-Prozess“ um Menschenhandel und Ausbeutung in Bordellen in Castrop-Rauxel und Umgebung geht es jetzt auch um illegale Schwangerschaftsabbrüche. Einer der Hauptangeklagten hat zugegeben, Abtreibungspillen an schwangere Prostituierte verteilt zu haben.mehr...

CAS-Sounds - Folge 17

The Boc‘s: Die Band, die nie eine Band werden sollte

CASTROP-RAUXEL The Boc’s gibt es seit 2001. Eine lange Zeit für eine Band, die eigentlich keine sein wollte. Wie sie es doch wurde, erklären wir in Teil 17 unserer Serie. Und lauschen in ihrem Probenraum an der Oskarstraße dem Song „P stands for Paddy“.mehr...

Elf Jugendschöffen gesucht

Bewerbungen sind noch bis zum 20. März möglich

Castrop-Rauxel Insgesamt elf Männer und Frauen sollen ab 2019 neu als Jugendschöffen anfangen. Bewerbungen sind bis 20. März möglich. Doch die Wahl hat am Ende der Schöffenwahlaussschuss.mehr...