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Olympische Dinge

Peter Jost - Sauber am Finale vorbei

CASTROP-RAUXEL Anja Schäfer lacht, als sie den Zweier am Bootssteg des RV Rauxel an der Wartburginsel entdeckt. "Erin" ist auf die Seitenwand des Ruder-Gefährts gepinselt. "Ja, genau, das ist das Boot", sagt der heute 52 Jahre alte Peter Jost zu seinem früheren Schützling, "in dem bist Du in Deiner Jugendzeit gerudert."

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Rückkehr nach einer erfolgreichen Regatta-Tournee in Kanada: Peter Jost (rechts) und seine Ruderinnen.

Wiedersehen auf der Wartburginsel: Trainer Peter Jost und sein Gold-Schützling Anja Schäfer.

Was mit "Erin" in jungen Jahren auf dem Rhein-Herne-Kanal begann, endete bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul (Südkorea) mit dem siebten Platz im Frauen-Achter. Regie führt in all den Jahren Peter Jost, in Seoul dann als Bundestrainer.

Die Platzierung sei allerdings "eine Riesenenttäuschung für uns" gewesen, sind sich der ehemalige Übungsleiter und die ehemalige Olympia-Ruderin einig, ein Platz fehlte im Hoffnungslauf: "Unser Ziel war das Finale." Gerade nach dem fünften Platz ein Jahr zuvor, bei den Weltmeisterschaften in Kopenhagen (Dänemark). Auch wenn dieser Erfolg eher "überraschend gekommen ist", wie beide nun einräumen.

Sieg bei der U23-EM 1986 Peter Jost hatte Anja Schäfer, gemeinsam mit ihrer Rauxeler Partnerin Susanne Brune, schon mit 15 Jahren in einen Zweier gesetzt. Später wurde daraus ein Vierer, dritte Plätze bei Junioren-Weltmeisterschaften folgten. Und schließlich Sieg bei der U23-Europameisterschaft 1986. Dieses Boot sei der Grundstock für den späteren Achter gewesen, erinnert sich Peter Jost: "Da hat es bei mir 'pling' gemacht." Die Idee für den Frauen-Achter in Seoul war geboren. Jost überlegte hin und überlegt her, und am Ende der Überlegungen stand der Vorschlag an den Deutschen Ruder-Verband, das Projekt "Frauen-Achter" gleich am Rhein-Herne-Kanal beim RV Rauxel zu platzieren.

Doch es wurde eine Aufgabe gegen Konkurrenten, die sich unter völlig anderen Voraussetzungen auf die Olympischen Spiele vorbereiteten. "Wir waren einmal bei einer Prüfungsregatta", sagt Peter Jost, "da hatte ich Schwierigkeiten, überhaupt acht Ruderinnen für das Boot zu haben." Und die frühzeitige Rückreise der Deutschen ohne Abschlussparty sorgte vollends für Verwunderung bei den anderen Nationen. "Wir mussten doch alle arbeiten oder studieren", beton Peter Jost, schon damals Beamter bei der Stadtverwaltung .

Nie an Doping gedacht

Die ungleichen Verhältnisse begleiteten den Frauen-Achter von der Wartburginsel bis nach Seoul. "Die anderen haben das Doppelte wie wir trainiert", weiß Peter Jost noch, "wir waren fast die einzigen Amateure im Feld." Die meisten anderen Boote, zumal aus den seinerzeitige Ostblock-Ländern, "sind Profis gewesen".

Gab es Gedanken, den Nachteil durch lautere Mittel auszugleichen? "Nein", betont der damalige Bundestrainer, "wir haben nie auch nur daran gedacht, Doping zu nehmen." Sauberer Sport, aber nicht im Endlauf. Trotz der Enttäuschung, am Finale vorbei geschrammt zu sein, erklärt Anja Schäfer, für den deutschen Frauen-Achter von Seoul sei Fairness das oberste Gebot gewesen: "Ich bin heilfroh, dass wir nie die Möglichkeit gehabt haben zu dopen."DAS IST PETER JOST:Peter Jost, 56 Jahre alt, saß in seiner Jugend beim RV Rauxel selbst im Ruderboot. Weil dann aber mit Mitruderer auf der Wartburginsel fehlten, wechselte er zum RV Waltrop und RV Datteln. Anschließend kehrte Peter Jost wieder zum RVR zurück, machte Übungsleiter- und Trainer-Ausbildungen bis hin zum Trainer-A-Schein des Deutschen Ruderverbandes (DRV), und begann, das Jugendrudern in Rauxel wiederzubeleben.

Mit Erfolg: Unter seiner Regie heimste der Club 1979 die erste Medaille beim Bundesentscheid der Junioren B ein. 1981 lenkte er den RVR-Achter (in dem auch der spätere Olympiasieger Eckhard Schultz saß/Ruhr Nachrichten vom 22. August) zur Deutschen Jugend-Meisterschaft; bis heute das letzte Boot, das diesen Titel als reiner Vereins-Achter gewann. 1982 berief ihn der DRV zum Nachwuchs-Trainer in der Junioren-Nationalmannschaft.

Weil dann aber der damalige Bundestrainer vom Verband abberufen wurde, war Peter Jost plötzlich in verantwortlicher Position beim Junioren-Achter, der auch prompt in Italien Weltmeister wurde. Mit den Talenten Anja Schäfer und Susanne Brune vom RV Rauxel wechselte Peter Jost später in den Frauenbereich. Der Sieg des von Jost betreuten Vierers mit Schäfer und Brune bei der U23-WM 1986 gilt als Grundstein des Projekt "Frauen-Achter", das 1988 mit dem siebten Platz bei den Olympischen Spielen in Seoul seinen Höhepunkt erlebte. Danach beendete Peter Jost, gerade 32 Jahre alt, seine Tätigkeit als Frauen-Bundestrainer.

Peter Jost ist Beamter in der Stadtverwaltung Castrop-Rauxel. Er ist seit Jahren Vorsitzender des Personalrates. Er lebt nach wie vor in Castrop-Rauxel.

 

 

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