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62-Jähriger hatte keinen Führerschein

Spritztour mit „getuntem“ Krankenfahrstuhl endet vor Gericht

Castrop-Rauxel Weil ein 62-Jähriger mit seinem Krankenfahrstuhl mit 45 Kilometern pro Stunde unterwegs war, stand er jetzt vor dem Amtsrichter. Eigentlich zu gering für einen Prozess, aber der Angeklagte hatte keinen Führerschein, dafür aber etliche Vorstrafen im Gepäck.

Spritztour mit „getuntem“ Krankenfahrstuhl endet vor Gericht

Ein vergleichsweise geringes Vergehen beschäftigte jetzt das Amtsgericht. Doch der Angeklagte hatte etliche Vorstrafen vorzuweisen. Foto: Foto: Tobias Weckenbrock

Sie heißen offiziell Krankenfahrstuhl, sehen aber aus wie ein kleines Auto. Mit einem großen Unterschied: Deutlich sichtbar prangt ein Schild mit „25 kmh“ am Gefährt. Häufig werden für diesen Zweck die kleinen Fahrzeuge des Herstellers Fiat benutzt. Im Gebrauchtwagenhandel wird gern von Opa-Auto oder Mopedauto gesprochen.

Ein solches Gefährt besaß auch der 62-Jährige, der am Dienstag die Anklagebank im Amtsgericht drückte. Doch seit dem 7. Februar ist er zu Fuß unterwegs, seit jenem Wintertag, als ihn die Polizei am frühen Nachmittag auf der Wartburgstraße stoppte.

Ohne Führerschein

Die Beamten staunten an jenem Tag, als ein Krankenfahrstuhl mit 45 Kilometern pro Stunde an ihnen vorbeidüste. Am Steuer der Angeklagte, der keinen Führerschein vorweisen konnte, und sich somit des Fahrens ohne Fahrerlaubnis schuldig gemacht hatte. Denn laut Straßenverkehrsordnung dürfen derartige Fahrzeuge nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 kmh ohne Führerschein geführt werden. Ansonsten muss zumindest ein Mofa-Führerschein her.

Der Angeklagte gab sein flottes Tempo zu, hatte auch eine Erklärung parat. „Ich hatte am Morgen neue Kerzen eingesetzt und die Kontakte gereinigt“, schilderte er seine Wartungsarbeit, die sich wie ein Tuning ausgewirkt hatte. „Sonst brachte der Wagen höchstens 30 bis 35“, sagte er. Gestartet in Rauxel, war seine flotte Fahrt bald jedoch beendet. Für immer. Denn den Krankenfahrstuhl hat der 62-Jährige nach dem Vorfall verschenkt.

Etliche Vorstrafen

Eigentlich kein großes Ding, das normalerweise auch nicht vor Gericht hätte verhandelt werden müssen. Wären da nicht die Vorstrafen. Das Register weist etliche auf, darunter, neben Diebstahl und Betrug mehrere einschlägige Strafen. Der Mann war schon mehrfach ohne Führerschein am Steuer eines Wagens erwischt worden, hatte Geld- und auch Bewährungsstrafen kassiert.

Nun ist wieder ein Urteil gefällt worden: 900 Euro Geldstrafe muss der Mann zahlen. Geld, um endlich einen Führerschein zu erwerben, bleibt ihm, der bei geringen Bezügen auf seine Rente wartet, da nicht. Eine rasante Tour im Krankenfahrstuhl wie im Film „Ziemlich beste Freunde“ bleibt da allenfalls ein Traum.

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