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Interview mit Heinz Opalka

Wie der Korfball nach Castrop-Rauxel kam

Castrop-Rauxel In dieser Hinsicht ist Castrop-Rauxel einzigartig: Nur noch in Bergisch Gladbach gibt es so viele Vereine, in denen Korfball gespielt wird. 2017 wurden der Schweriner KC und Grün-Weiß aus Ickern 50 Jahre alt. Wir unterhielten uns mit einem der Urväter dieser Sportart in Deutschland. Das Gespräch gibt es zum Nachlesen und Anhören.

Wie der Korfball nach Castrop-Rauxel kam

Heinrich Opalka aus Obercastrop: Heute ist er 86 Jahre alt und hat das Kapitel Korfball - ein großer Bestandteil in seinem Leben - weitgehend abgeschlossen. Foto: Tobias Weckenbrock

Heinz Opalka, Sie sind einer derjenigen, die dafür gesorgt haben, das die Castrop-Rauxeler eine Sportart betreiben, die sonst in Deutschland nur vereinzelt gespielt wird. Wie kommt man dazu, Korfball nach Deutschland zu holen?

Eine alte Geschichte. Ich war in einer Lehrer-Sportgemeinschaft aktiv. Wir waren mit einer Volleyballmannschaft in der damaligen Partnerstadt Delft und haben damals dort ein hochklassiges Korfballspiel gesehen. Als wir sahen, dass Frauen und Männer in einer Mannschaft spielten, waren wir hochbegeistert. Das ist ja in anderen Sportarten undenkbar. Dann kamen holländische Korfballer auf Einladung nach Castrop-Rauxel, um den Sport hier zu demonstrieren. Wir hatten das mit den anderen Sportlehrern so abgesprochen. Sie spielten vor tausenden Zuschauern – Kinder und Jugendliche aus allen Schulen der Stadt. Die waren sofort begeistert. Daraus bildeten sich Schulmannschaften und wir spielten im Unterricht nur diese eine Mannschaftssportart. Daraus entstanden die Vereine: 1966 Ickerner KC, 1967 SKC und Grün-Weiß, 1968 Adler.

Wie kam es zu den Gründungen? Da muss ja jemand gewesen sein, der gesagt hat: Wir tragen das aus den Schulen heraus. Das können ja nicht die Schüler gewesen sein.

Das war unterschiedlich, je nachdem, welche Verbindungen die engagierten Lehrer mit bestehenden Vereinen oder anderen im Sport Engagierten hatten. Bei uns, bei Adler, war das so: Ich wohnte in Rauxel, war im Pfarrgemeinderat und fand, der Korfball könnte ein Bindeglied sein. Ich hatte gute Kontakte zu den Eltern der Schüler – so hatten wir sieben Leute für einen neuen Vorstand und eine Vereinsgründung.

Wie können denn Sportlehrer, die den Sport nicht kennen, diesen gleich trainieren?

Wir hatten einen Ausbilder aus den Niederlanden.

Kam das direkt bei den Schülern gut an?

Ja, sie waren begeistert. Jungen und Mädchen zusammen – das war bis dahin gar nicht vorstellbar.

Aber Korfball ähnelt doch dem viel verbreiteteren Basketball. Warum Korfball?

Die Lehrer damals, so wie ich, waren begeistert und haben ihre Begeisterung auf die Schüler übertragen. Das Traurige ist, dass das allein eine Castrop-Rauxeler Veranstaltung blieb, so gut wie.

Hätten Sie sich gewünscht, dass sich das weiter verbreitet?

Klar. Wir haben es ja auch versucht. In Selm hat es funktioniert, weil Kurt Wittler, der den Schweriner KC mitgründete, nach Selm umzog. Der Ableger Werne, die Versuche in Olfen – das hat alles nicht funktioniert. Der Fußball hat eine zu starke Sogwirkung.

Finden Sie dieses Monopol schade?

In meinen Augen wäre es besser, Korfball hätte in der Breite Platz gefunden – aber es hat nicht funktioniert.

Volleyball ist doch auch ein toller Sport – und es begann als eine Volleyballfahrt...

Naja, Männer und Frauen kooperieren beim Korfball – darum hat uns das einfach mehr interessiert. Im Tennis gibt es Mixed, aber das sind auch nur zweimal zwei Spieler, keine echte Mannschaft.

Das hat den Grund, dass die Damen den Herren körperlich unterlegen sind. Ist das beim Korfball kein Problem?

Nein, denn es ist ja verboten, dass die Männer und Frauen gegeneinander spielen. Weil Männer und Frauen zusammen auf dem Platz stehen, ist Korfball eine sehr faire Sportart. Von der Natur her ist sie nicht auf Konfrontation ausgerichtet.

Ist es trotzdem eine Erfolgsgeschichte, dass sich anfangs mehrere Vereine gründeten?

Im Anfang schon, klar. Aber auf Dauer nicht.

Wie der Korfball nach Castrop-Rauxel kam

Helmut Schmidt bekommt im Jahr 1978 einen Wimpel überreicht. Der Schweriner KC spielt erstmals im Eurocup, also auf internationalem Parkett.

Es gibt immer noch reichlich Korfball in Castrop-Rauxel.

Ja, aber nur hier. Der Schweriner KC hat jahrelang eine ausgezeichnete Jugendarbeit betrieben. Andere haben das versäumt, bis auf Adler und Albatros teilweise. Da haben wir schon die drei Vereine, die heute noch aktiv sind. Der Ickerner KC hat sich aufgelöst, der KC Grün-Weiß kann an seine besten Zeiten nicht mehr anknüpfen.

Woran liegt das?

Dinge, die in die Breite gehen sollen, hängen immer von einzelnen Protagonisten ab. Wenn die nicht da sind, funktioniert es nicht. Wenn eine breite Basis da ist, dann kommt auch Spitze heraus.

Der Schweriner KC wird jetzt 50 Jahre alt. Was zeichnet denn den Club selbst aus – frage ich Sie als Adleraner...

Adler war nur ein Vehikel für mich. Ich hatte immer ein ausgezeichnetes Verhältnis zum SKC. Wir haben die internationale Turnierreihe zusammen mit Otto Halberstadt angefangen. Ich war immer bestrebt, die Vereine zur Zusammenarbeit zu bewegen, um Korfball voranzutreiben. Aber das geht nicht, weil viele zu sehr auf ihren Verein bezogen sind.

Sie sind heute noch stiller Beobachter der Szene. Sehen Sie heute eher ein Gegeneinander oder ein Miteinander in Castrop-Rauxel?

Es ist ein Nebeneinander her, würde ich sagen.

Was würden Sie empfehlen?

Man muss mehr zusammenarbeiten. Da muss mindestens einer sein, der das in die Hand nimmt. Aber wie ich die Sache sehe, sind die Akteure hochgradig auf ihren eigenen Verein fixiert. Ich habe immer versucht, die besten Leute für die Verbandsarbeit zu gewinnen.

Glauben Sie, dass man in weiteren 50 Jahren noch Korfball in Castrop-Rauxel spielt?

Ein Freund von mir, der Jochen Brückner (Gründungsvater des KC Grün-Weiß 1967, gestorben 2013, Anm. d. Red.), hat mal gesagt: Wenn wir beiden sterben, dann stirbt der Korfball auch. (lacht) Ob das so ist, weiß ich nicht. Wir werden aber immer eine Randsportart bleiben, alles andere ist Fantasiegebilde.

Jetzt können Sie noch ein Grußwort loswerden an den Schweriner KC, der am Wochenende feiert...

Ich bin innerlich mit dem Verein verbunden: Zwei meiner Enkelinnen und meine Schwiegertochter sind dort aktiv. Ich freue mich, dass der Verein mit so viel Engagement Nachwuchsarbeit betrieben hat. Was herausgekommen ist, sieht man im Vergleich zu den einstmals führenden Grün-Weiß und IKC. Investitionen in die Jugend zahlen sich immer aus.

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