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Wie funktioniert eigentlich der Emscherumbau?

Castrop-Rauxel Feuerwehralarm, die Tafel, die Kanalreinigung: Vieles funktioniert, ohne dass wir es bemerken. Doch wie sehen die Abläufe dahinter aus? Unsere Serie "Wie funktioniert eigentlich...?" soll diese Frage klären. Für den fünften Teil der Serie haben wir uns den Emscher-Umbau erklären lassen. Was steckt hinter dem Milliarden-Projekt?

Wie funktioniert der Emscher-Umbau?

Die Emscherbaustelle befindet sich seit zwei Jahren auch auf Castrop-Rauxeler Stadtgebiet. Zurzeit rückt sie von der Borghagener Straße, wo dieses Bild entstanden ist, Richtung Autobahn fort.
Silke Wienforth, Projektleiteruin für den Bauabschnitt Dortmund/Herne, und Ilias Abawi von der Emschergenossenschaft erklären, wie der Emscherumbau funktioniert.
Vor 150 Jahren, als der Bergbau im Ruhrgebiet seine Hochzeit hatte, war die Emscher weniger Fluss als vielmehr Abwasserkanal. Einen Abwasserkanal unter Tage zu bauen, wäre damals unmöglich gewesen. Die einfache Lösung war, das ganze Abwasser in die Emscher und die Nebenflüsse laufen zu lassen.
Da die Emscher aber ständig überlief und durch das schmutzige Wasser Krankheiten und Seuchen verbreitete, wurde 1899 die Emschergenossenschaft gegründet - mit dem Ziel, die Probleme in den Griff zu kriegen. Dafür wurde die Emscher begradigt - die vielen Windungen wurden einer Ideallinie angepasst. Das Bild zeigt Bauarbeiten am Herdicksbach in Castrop-Rauxel, einer der Nebenarme der Emscher.
Abwasser in einem offenen Flusssystem mitlaufen zu lassen, ist heute nicht mehr zeitgemäß. Deswegen wurde 1991 der Emscher-Umbau beschlossen. 1992 wurde mit den Arbeiten auf insgesamt 51 Kilometern Länge zwischen Dortmund und Dinslaken begonnen. Das Ziel: Parallel zur Emscher soll der Abwasserkanal Emscher entstehen. Darin soll künftig das Abwasser Richtung Kläranlagen fließen, während das Flusswasser ganz sauber ist.
Bis 2018 soll der Abwasserkanal fertig sein, bis 2020 erfolgt außerdem eine "naturnahe Umgestaltung". Das heißt: Die Betonbecken kommen weg, stattdessen soll die Emscherregion wieder grün und idyllisch werden. Bis es so weit ist, investiert die Emschergenossenschaft 4,5 Milliarden Euro. 82 Prozent trägt der Bund, der Rest kommt vom Land NRW und der EU.
Aber bis es so weit ist, dauert es noch. Denn im Moment sieht es an vielen Stellen der Emscher noch so aus wie hier an der Borghagener Straße. Die Container dienen allein dem Lärmschutz. Denn wenn die Arbeiter mithilfe des Bohrpfahlgeräts Schächte ausheben und den Kanal bauen, wird es richtig laut für die Anwohner.
Auf Castrop-Rauxeler Stadtgebiet entstehen während des Emscher-Umbaus elf Schächte. In diesen Schächten wird mit einer Vortriebsmaschine gearbeitet, um den Kanalbau voranzutreiben. Die Maschine wird im Schacht installiert. Ihr Bohrkopf frisst sich durch die Erde und macht Platz für die Kanalrohre, die sie gleichzeitig vorantreibt. An der Zielbaustelle im nächsten Schacht wird das Gerät dann geborgen.
Neben dem Abwasserkanal Emscher entstehen außerdem mehrere Stauraumkanäle für Regenwasser. Hier sieht man den Verbau eines Schachts, der zu einem solchen Stauraumkanal führt. Da es an der Emscher alle 200 bis 400 Meter Einläufe von Nebenarmen gibt, die in den Abwasserkanal übernommen werden müssen, ist der Bau dieses Extra-Kanals nötig.
Das Wasser in den Emscher-Einläufen ist Mischwasser - der überwiegende Teil ist sauberes Regenwasser, ein anderer Teil ist aber Schmutzwasser. Und nur dieser Teil soll geklärt werden. »Dafür bauen wir die Stauraumkanäle. Wenn es regnet, staut sich das Wasser darin zurück. Das schmutzhaltige Wasser setzt sich unten ab. Mithilfe eines Drosselsystems wird dann das obere, saubere Regenwasser in die Emscher abgeschlagen, während das schmutzige Wasser unten in den Abwasserkanal Emscher fließt«, sagt Projektleiterin Silke Wienforth.
Die Schächte für den Stauraumkanal sind bis zu 20 Meter tief und etwa zehn Meter breit. Später wird man davon nicht mehr viel sehen: Ist der Kanal an dieser Stelle fertigt, kommt auf das Loch in der Erde ein unscheinbarer Betondeckel.
Die Emscherbaustelle an der Borghagener Straße. Hier auf Castrop-Rauxeler Stadtgebiet ist die Emscher nicht tief und führt weniger Abwasser mit sich. Deswegen müssen auch die Schachtgruben nicht so tief sein. Das neue System nach dem Emscher-Umbau soll übrigens auch die vier Großkläranlagen, die das Flusswasser klären, entlasten. Denn im Moment wird mehr Wasser geklärt, als müsste, weil auch das eigentlich saubere Regenwasser mit gereinigt wird.
Am Ende des Emscher-Umbaus, in den Jahren 2018 bis 2020, steht die naturnahe Umgestaltung des Flussgebiets an. Dafür gibt es noch kaum konkrete Pläne. Initialpflanzungen, also fertige Flussbetten, sind laut Ilias Abawi, Sprecher der Emschergenossenschaft, nicht gewünscht. "Vieles erobert sich die Natur von selbst zurück."

In unserer Serie "Wie funktioniert eigentlich...?" blicken wir hinter die Kulissen von Unternehmen, sozialen oder kulturellen Einrichtungen, lassen uns alltägliche Abläufe und spannende Besonderheiten in Castrop-Rauxel erklären. Haben Sie sich die Frage "Wie funktioniert eigentlich...?“ – auch schon mal gestellt? Dann stellen Sie sie uns! Gerne gehen wir Ihren Anregungen nach. Schreiben Sie uns eine Mail an lokalredaktion.castrop@mdhl.de oder nutzen Sie unser Kontaktformular:

CASTROP-RAUXEL Haben Sie sich schon immer gefragt, wie dieses oder jenes funktioniert? Dann schreiben Sie uns! Wir werden versuchen, den Dingen für Sie auf den Grund zu gehen.mehr...

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