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„Willkür der Obrigkeit“

CASTROP-RAUXEL Seit 30 Jahren kommt Bernd Michalak jeden Samstag zum Wochenmarkt nach Castrop. Jedes Mal parkt der 59-Jährige gegenüber dem alten Viehmarkt. Am vorletzten Samstag bekam er erstmals ein Knöllchen.

„Willkür der Obrigkeit“

Der Parkstreifen gegenüber des Viehmarkt-Parkplatzes.

Fünf Euro soll er bezahlen. Das ist nicht viel. Nach 30 Jahren könnte man meinen, Bernd Michalak solle den Fünfer überweisen und die Sache zu den Akten legen. Doch der gebürtige Castrop-Rauxeler, der inzwischen in Schwerte wohnt, will nicht zahlen. Aus Prinzip nicht. Er sei sich keiner Schuld bewusst, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Die nötige Parkscheibe habe er –  wie sonst auch –  ordnungsgemäß an die Scheibe der Fahrertür geheftet. „Deutlich sichtbar“, wie er betont. „Meine Frau kann das bezeugen.“

„Ich geb nicht auf“ Zahlreiche Briefe hat er seit dem Vorfall an das Ordnungsamt geschrieben, mehrmals zum Telefonhörer gegriffen. Selbst den Bürgermeister hat er versucht zu erreichen – zwecklos. „Dabei habe ich längst mehr als fünf Euro ausgegeben“, sagt Michalak. Er will weiter kämpfen. „Ich habe genug von dieser Willkür der Obrigkeit“, so der 59-Jährige. „Ich gehe auch vor Gericht.“ Dort wird dieser Fall aller Wahrscheinlichkeit auch ohne Michalaks Zutun landen. Dieter Gerth vom Ordnungsamt äußert sich zwar nicht zu dem Verfahren gegen den Schwerter, gibt aber „ganz allgemein“ zu Protokoll: „Kann im Verwarn- und Bußgeldverfahren keine Einigung erzielt werden, landet der Fall beim Amtsgericht.“ Jedes Jahr muss ein Richter über etwa 25 der knapp 21 000 Knöllchen der Stadt Castrop-Rauxel entscheiden. Doch Dieter Gerth bleibt aufgrund der Statistik gelassen: „Ich will ja nicht überheblich klingen, aber die meisten Fälle gewinnen wir.“Verfahrenskosten Fast 20 Prozent der ausgesprochenen Verwarngelder enden letztlich als Bußgeldverfahren, weil die Beschuldigten nicht rechtzeitig zahlen oder erneut Widerspruch einlegen. „Dann wird es aber auch teurer“, erklärt Dieter Gerth. Denn die Verfahrenskosten muss der Verkehrssünder tragen. Aus einem Zehn-Euro-Knöllchen werden so leicht 33,45 Euro Strafe. Bernd Michalak zuckt nur mit den Schultern. „Ich bin gern bereit, ein Vielfaches der fünf Euro für einen caritativen Zweck zu spenden“, sagt er. Der Stadt wolle er jedoch kein Geld hinterherwerfen. Letztlich wird wohl ein Richter entscheiden müssen, und vielleicht gehört Bernd Michalak zu den ein bis zwei Fällen im Jahr, bei dem sich die Ordnungshüter wirklich getäuscht haben. 

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