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China im Blickpunkt: Hühnerfüße sind eine Delikatesse

WITTEN Zwischen Hühnerfüßen und Ente süß-sauer: Restaurant-Besitzer Phuc-Thanh Vuong lebt seit fast dreißig Jahren in Deutschland. Er wirft einen Blick auf die verschiedenen Essgewohnheiten von Chinesen und Deutschen.

China im Blickpunkt: Hühnerfüße sind eine Delikatesse

Phuc-Thanh Vuong (43) und Sohn Kinfong (10) vor dem Familienbetrieb Entenhaus an der Ardeystr.

Chinesisches Essen: So scharf, dass man danach Feuer spucken könnte? Offenbar nicht nur für Deutsche Mägen. „In China gibt es große Unterschiede was die Schärfe betrifft. Auch ich vertrage das Essen in einigen Regionen nicht“, gesteht Phuc-Thanh Vuong, Besitzer des Restaurants „Entenhaus“ an der Ardeystraße 224.

Im Alter von 15 Jahren kam er 1979 mit seinen Eltern nach Deutschland, ging in Hagen zur Schule. „Ich habe mich ganz fremd gefühlt, so anders war alles. Am schwersten war die Sprache.“ Auf der Berufsfachhochschule ließ er sich zum Werkzeugmacher ausbilden. Acht Jahre arbeitete er danach in einer Firma, bevor er die Branche wechselte und in den 90ern auf Koch umschulte. „Man will sich ja auch irgendwann selbstständig machen“, erklärt Vuong.

Seit Eröffnung des Entenhauses 1994 hat er viel gelernt, was westliche Gaumenfreuden betrifft: „Die Europäer akzeptieren nicht alles. Innereien und Hühnerfüße, die bei uns eine Delikatesse sind, rührt hier niemand an.“ Dafür verlangen seine Gäste mit Vorliebe nach Gerichten süß-sauer und pikanten Schwarzbohnen. Fisch werde weniger gewünscht, zumal es den hier auch nicht frisch gebe. Ähnlich wie zwischen Bayern und Pfälzern seien auch die Geschmäcker der Chinesen verschieden. So bevorzugen die Peking-Bewohner süß-saure, gerne auch kalte und rohe Gerichte, wo hingegen die südlichen Bewohner sich lieber aus dampfenden Schalen bedienen, weiß der Entenhaus-Inhaber.

Was das Essverhalten betrifft sind Chinesen und Deutsche sehr verschieden. „Hier die Schüssel auf der Hand dicht vor dem Mund platzieren und die Nahrung mit den Stäbchen in den Mund schaufeln gilt unter den Deutschen als unhöflich“, hat der 43-Jährige beobachtet. Ebenso das Schmatzen. „In China heißt das nur, dass das Essen wirklich gut schmeckt.“ Dort bestellt auch jeder Gast sein Gericht und stellt es auf dem Tisch in die Mitte. Alle anderen dürfen sich aus den verschiedenen Schüsseln bedienen. „In Deutschland will jeder seinen eigenen Teller.“

Doch was wäre die Lotusblumensuppe, die mit Fleisch gefüllten Teigtaschen (Sieuw-Mai) oder Frühlingsrollen ohne einen entsprechenden „Verteiler“? Was den Alkohol betrifft, schwören die Chinesen auf 53-prozentigen Moutai, ein Getreideschnaps aus Weizen und Hirse. Schnaps und Tee vertragen die Chinesen laut Restaurantbesitzer jede Menge. „Doch mischt man Moutai und Bier, kippt man um“, lacht Vuong. Ohnehin seien westliche Getränke wie Wein und Bier noch „eher unbekannt, dafür aber vor allem bei den jungen Leuten sehr beliebt“, sagt Phuc-Thanh Vuong. Tee könne genau wie guter Wein zu einem echten Geheimtipp mutieren. Jede Stadt hat eine eigene Sorte, die auch schon mal bis zu 100 Euro und mehr kosten könne. Herb bis bitter schmecke der Tee. Zucker? „Um Gottes Willen, das verdirbt den reinen Geschmack“, schlägt der Feinschmecker die Hände über dem Kopf zusammen.

Bis auf weiteres wird es für Vuongs Familie wohl ein Spagat zwischen den Kulturen bleiben. „Aber in den letzten zehn Jahren hat sich schon viel getan. Immer mehr Deutsche reisen nach China und sind dem Essen und der Kultur gegenüber danach viel toleranter“, freut sich der Entenhaus-Besitzer. Seine drei Kinder wachsen zweisprachig auf, sprechen Deutsch und Kantonesisch (einer der vielen chinesischen Dialekte). „Im Grunde sind sie Deutsche“, sagt er etwas wehmütig, „aber man muss sich auch anpassen“.

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