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Clements Rückzug: Bochumer SPD-Ortsverein hoffte auf Einigung

BOCHUM Der überraschende Parteiaustritt von Wolfgang Clement gibt Rudolf Malzahn, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Hamme, „keinen Anlass zum Feiern“, er verspüre auch „keinen Triumph“. Dabei hatte Malzahn zwischenzeitlich sogar den Parteiausschluss Clements gefordert.

Clements Rückzug: Bochumer SPD-Ortsverein hoffte auf Einigung

SPD-Ortsvereinschef Rudolf Malzahn hatte einst das Verfahren gegen Wolfgang Clement angeleiert. Als Clement gestern aus der Partei austrat, konnte sich Malzahn vor Presse-Anfragen kaum retten. Seine Frau unterstützte ihn beim Telefonieren.

Auf dem Wohnzimmertisch stehen Blumen, daneben Schokolinsen in einer Schale. Nur kein Sekt. „Den hat es nicht gegeben“, winkt Rudolf Malzahn ab. Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Hamme hatte zwar den Parteiausschluss von Wolfgang Clement gefordert. Dessen Austritt aus der SPD sei aber „kein Grund zum Feiern“. Spät in der Nacht zu Dienstag war Malzahn aus Berlin zurückgekehrt, in das gepflegte Mehrfamilienhaus im Bochumer Stadtteil Hamme. Todmüde sei er sofort eingeschlafen. Zufrieden, wie er sagt. "Ich dachte, Clement würde die gestern erteilte Rüge der Schiedskommission akzeptieren und die Sache sei damit vom Tisch."

Im Schlafanzug überrascht  Nach dem Aufstehen dann die Überraschung. Im Schlafanzug erfährt Malzahn: Der Ex-Bundeswirtschaftsminister und frühere NRW-Ministerpräsident kehrt der Partei den Rücken zu. Nach 38 Jahren. Als Konsequenz aus den Monate langen Querelen um seine kritischen Äußerungen im hessischen Landtagswahlkampf über die damalige SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti. Querelen, die der beschauliche SPD-Ortsverein Hamme mit seinen 150 Mitgliedern und Malzahn an der Spitze ausgelöst hatte. Sie hatten das Parteiordnungsverfahren gegen Clement angeleiert, sie forderten seinen Parteiausschluss.

Jetzt ist Clement tatsächlich von der SPD-Bühne verschwunden, freiwillig. Ein Triumph für Malzahn? "Nein", sagt er. Der 65-Jährige richtet sich im Wohnzimmersessel auf, spannt die Zehen in den Pantoffeln an und verleiht seiner Antwort mit dem Zeigefinger Nachdruck: "Natürlich wäre uns eine Einigung lieber gewesen", betont er. "Wir hätten mit der Rüge leben können, wenn Clement sich einsichtig gezeigt hätte. Dann hätte er ruhig auch in der Partei bleiben können." Rückzug ist Malzahn recht Dennoch sei ihm der unerwartete Rückzug recht, Malzahn empfindet ihn als "Befreiung". Der Ortsvereinschef lehnt sich wieder zurück. "Dank seiner Entscheidung muss jetzt keiner mehr Angst haben, dass er sich erneut parteischädigend äußert." Fast gleichgültig zuckt Malzahn dann mit den Schultern, sagt deutlich leiser: "Soll er doch austreten. Wir haben dann Ruhe und können wieder vernünftig arbeiten."

Malzahn überlegt nicht lange, als er diese Sätze über die Lippen bringt. Schließlich beantwortet er seit Stunden ähnliche Fragen. Journalisten und Fernsehteams geben sich am Dienstagvormittag an seiner Wohnungstür die Klinke in die Hand, interviewen und filmen ihn im Akkord in seinem blauen Sessel.

Presse-Anfragen ohne Ende Der Rentner steht nur kurz auf, um den Fernseher lauter zu drehen. Der läuft permanent im Hintergrund. Auf der Mattscheibe nimmt gerade SPD-Generalsekretär Hubertus Heil Stellung zum Fall Clement. Malzahn starrt für einen Moment gebannt auf das Gerät, atmet durch. Telefonklingeln lässt ihn aufhorchen. Der Festnetzapparat und sein Handy schrillen unnachgiebig. Malzahns Frau Ulla nimmt diesmal die Anrufe entgegen. Weitere Interview-Anfragen. "Das hört gar nicht auf", sagt sie kopfschüttelnd, notiert die Rückrufbitten auf kleinen Zetteln. Und legt sie vor ihrem Mann auf den Tisch, auf das Häufchen mit den anderen.

Bevor er zurückruft, holt Malzahn noch einmal aus: "Wir haben alles richtig gemacht", sagt er, "haben gezeigt, dass man von der Parteibasis aus etwas bewegen kann. Das kam gut an: Wir haben schon 15 neue Mitglieder in unserem Ortsverein."

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