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Seine Werkstatt, sein Glück

Daniel Schippers baut E-Gitarren

WATTENSCHEID Es riecht nach Holzpolitur und Farbe. Aus dem Radio tönen rockige Gitarrenriffs. Daniel Schippers hat gerade eine E-Gitarre auf seine Werkbank gelegt und löst vorsichtig die Seiten ab. Der Gitarrenbauer hat sich in einer alten Wattenscheider Tischlerei eine neue Existenz aufgebaut.

Daniel Schippers baut E-Gitarren

Daniel Schippers baut E-Gitarren - und spielt sie auch immer noch gern selbst.

Das Tagesgeschäft, die Reparaturen, bestimmt den Alltag des 38-Jährigen – zu 90 Prozent. Die „aufgebockte“ Gitarre auf seiner Werkbank ist ein Sammlerstück, eine Jazz-Gitarre. Die einzige E-Gitarre, die einen Hohlkörper hat. „Ein Kunde von mir sammelt Gitarren und ich bringe sie ihm auf Vordermann“, sagt Schippers. Und poliert die Gitarre, die jetzt, ohne Saiten, ziemlich nackt wirkt. Die Elektronik wird die eigentliche Herausforderung, da können auch die meisten Kosten entstehen: „Wenn ich bei einer Jazz-Gitarre die Elektronik ausbauen muss, dann muss ich sie durch die Löcher ziehen – eine wahnsinnige Fummelei.“ Seinen persönlichen Glücks-Moment hat Schippers aber bei einem anderen Projekt: Er soll eine Doppelhals-Gitarre bauen. „Sowas hat man nur ganz selten und sie ist nur per Hand herstellbar“, sagt Schippers und grinst stolz. Einen Holzklotz bekommt er geliefert, schneidet per Schablone das Holz zu. Löcher für Elektronik, Hals und Saiten stanzt er ein, mit Schmiergelpapier wird die Oberfläche angeraut, dann lackiert. Erst wenn sie fertig lackiert, getrocknet und beschlagen ist, werden Hals und Körper zusammen gesetzt.

Für Reparaturen gibt es eine mehrwöchige Wartezeit, für eine eigens gebaute Gitarre mehrere Monate. Weil er das Holz bestellen muss: Mahagoni, Ahorn, geflammt oder nicht geflammt – es gibt unendliche Möglichkeiten. Während er spricht, werkelt Schippers weiter an der Jazz-Gitarre. Ruhige Bewegungen, leise Stimme, jeder Handgriff sitzt. Er bezeichnet sich selbst als Bastler- und Handwerkertyp. Tätowierer hätte sich Schippers auch vorstellen können – „das ist mein Plan B“, von dem er aber auch hofft, dass er ihn nicht brauchen wird.

Eindrücke aus der Gitarren-Werkstatt

Wer die Werkstatt in Bochum-Wattenscheid betritt, sieht es gleich: Hier geht es um Gitarren, um E-Gitarren. Gitarren-Bauer Daniel Schippers hat sich diesen Instrumenten verschrieben.
Von Reparaturen über das Durchchecken ersteigerter Gitarren bis hin zum Aufziehen neuer Saiten - "wenn ich werkeln kann, bin ich glücklich", sagt Daniel Schippers.
Die Bünde werden ordentlich poliert - da setzt sich der meiste Schmutz ab, weiß der Meister.
Diese Dracula-Gitarre hat Daniel Schippers für die Gothic-Band Eisheilig entworfen. Zum Durchchecken bekommt er sie immer wieder vorbei gebracht.
Das Holz vom Gitarrenhals wird mit Schmiergelpapier angerauht, danach wird schon lackiert.
Nur ganz selten kommt es vor, dass Gitarrenbauer Daniel Schippers eine Doppelhals-Gitarre bauen darf. "Die sind nur per Hand und nicht maschinell herzustellen", erklärt der Bochumer.
Eigene Entwürfe, die zum Verkauf stehen. Eine Gitarre von Daniel Schippers kostet zwischen 1500 und 3000 Euro, je nachdem, was man möchte.
Der Gitarrenbauer greift auch schon mal selbst zum Instrument und spielt ein wenig vor sich hin. Als Teenager spielte er in einer Country-Band, fand sich selbst aber nicht gut genug.
Schablonen zum Aussägen des Gitarren-Körpers. Schippers bekommt den Holzklotz geliefert, den er dann selbst in Form sägt.

Mit 17 lernte er Gitarre spielen und war mit einer Band erfolgreich. Die „Tele Tunes“ hatten sogar einen Plattenvertrag. Er fand sich aber nicht gut genug: „Ich habe mich mit den Besten gemessen und das konnte ich musikalisch nicht erreichen.“ Trotzdem denkt er an seine Laufbahn gern zurück: „Die Musik ist mir immer näher gewesen“, sagt der 38-Jährige.

Nach der Schule wollte Daniel Schippers etwas Bodenständiges lernen. Einer konservativen Ausbildung zum Zupfinstrumenten-Bauer zog er ein Gitarrenbau-Studium im Ausland vor. Raus wollte er, in die große weite Welt. Vor fünf Jahren kehrte der gebürtige Bochumer zurück in seine Heimat und mietete die alte Tischlerei. Hier hat er sich etabliert: „Man weiß, dass ich hier bin.“ Und reich wird man mit diesem Beruf sowieso nicht, räumt er ein. Gelernt hat er, Akustik-Gitarren zu bauen, aber damit „könne man den Markt nicht knacken“, sagt er. Mit gebogenem zwei-Millimeter-Holz zu arbeiten, braucht viel Zeit, die man nicht bezahlt bekommt. Also baut er E-Gitarren. Einige davon hängen zum Verkauf an den Wänden. Die Dracula-Gitarre, die Schippers für die Gothic-Band Eisheilig baute, ist gerade zum Durchchecken da.

Bekommt er eine Gitarre in die Hand, beginnt er automatisch, darauf zu spielen. Der Blick wird ein wenig entrückt und verträumt. „Abends auf der Couch spiele ich schon mal, aber ich schreibe nichts mehr selbst, so wie früher“, sagt er und streicht über die Saiten. „Die Deutschen legen nicht mehr so viel Wert auf Individualität, es muss alles weiter verkäuflich sein.“ Da ist es schwer, etwas Besonderes unterzubringen – wie eine individuell entworfene Gitarre. Aber das ist Daniel Schippers egal. „Solange ich hier für mich werkeln kann, bin ich glücklich.“


 








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