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Dem Amtsdeutsch wird der Kampf angesagt

BOCHUM Die „Restmüllbehältervolumenminderung“ steht auf der Hitliste der Bochumer Sprachforscherin Michaela Blaha ganz oben. Unverständliches Amtsdeutsch nehmen die Bochumer Germanisten seit dem Jahr 2005 unter die Lupe, nun wollen die Wissenschaftler bei einer internationalen Tagung am 14. August in Bochum erstmals den Auswüchsen der Behördensprache auch außerhalb der Landesgrenzen auf den Grund gehen.

„Das Phänomen gibt es in nahezu allen Sprachen - selbst im Chinesischen und Indischen“, sagte Blaha. Bei der Tagung unter dem Titel „Amtsdeutsch a.D“ will man sich jedoch zunächst auf die europäischen Nachbarn beschränken.

„Viele Nachbarländer sind bei dem Thema schon viel weiter als die Deutschen“, sagt Blaha. In den Niederlanden werde eine verständliche Amtssprache amtlich vorgeschrieben. In Deutschland zählt die Bochumer Initiative unter dem Titel IDEMA (Internet-Dienst für eine moderne Amtssprache) zu den Vorreitern der Bewegung. Seit dem 1. Juni dieses Jahres muss die ehemals als Pilotprojekt an der Universität angesiedelte Initiative nach Auslaufen der öffentlichen Fördergelder erstmals finanziell auf eigenen Füßen stehen.21 Kommunen haben sich der Initiative angeschlossen

Von den 700 für das Projekt angeschriebenen großen Kommunen in Deutschland haben sich bislang 21 der Initiative angeschlossen. „Viele Kommunen haben einen Nothaushalt und dürfen die Kosten für die Nutzung unseres Projekts nicht aufbringen“, sagt Blaha. Je nach Anzahl der Mitarbeiter kostet das im Jahr zwischen 1400 Euro bei 100 Mitarbeitern und rund 3000 Euro bei rund 1000 Beschäftigten. Geboten wird dafür die Nutzung einer Datenbank mit ausgewählten Muster- Schreiben und eine persönliche Beratung in schwierigen Fällen. Eine Zusammenarbeit gibt es aber auch mit dem Bundesinnenministerium, in dessen Auftrag die Bochumer Juristendeutsch und Nominalstil unter die Lupe nehmen.Man spart Arbeitszeit und Nerven

Wichtigstes Plus für die beteiligen Verwaltungen ist nach den Recherchen der Germanisten der Wegfall zahlreicher Rückfragen von Bürgern, die ihre Post nicht verstanden haben. „Man spart Arbeitszeit und Nerven. Es ist schon anstrengend, wenn immer die gleichen Fragen gestellt werden“, sagt Blaha. Manchmal wisse der Verfasser eines Schreibens selbst jedoch gar nicht genau, was er eigentlich von dem Bürger will. Da seien dann mehrere Abteilungen mit dem Vorgang befasst, ohne dass jemand auf die Idee gekommen sei, einen klaren Anforderungskatalog etwa für die Genehmigung einer neuen Dachgaube zu schreiben.Klare Sprache = Weniger Rückfragen

Die Ruhrgebietskommune Bochum zählte zu den ersten Städten, die sich dem Projekt angeschlossen haben. „Die Rückfragen werden weniger, wenn die Schreiben verständlicher sind“, bestätigte die Koordinatorin des Projekts in Bochum Claudia Grahner die Beobachtung der Wissenschaftler. Etwa 40 bis 50 Musterschreiben hat die Stadt Bochum bereits in die gemeinsame Datenbank der teilnehmenden Kommunen eingestellt. „Wir können aber auch von Ergebnissen aus Wuppertal profitieren“, sagt Grahner. Mitgearbeitet an der Aktion hätten etwa das Ausländer-, das Umwelt- und das Grünflächenamt.

Aus der „Vorlage einer amtlich beglaubigten Ablichtung“ wird so die „amtlich beglaubigte Kopie“ und aus der „Inanspruchnahme unserer Hilfen“ die „Nutzung unserer Angebote“. Die „fernmündliche Abklärung noch offenstehender Fragen“ wird zum simplen Anruf.Oft gibt es eine einfache Sprachlösung

Der Fall mit dem „Restmüllbehältervolumen“ ließ sich ganz einfach lösen. „Die Abfallberatung der XY GmbH hat Sie mit Schreiben vom (Datum) auf den Missstand aufmerksam gemacht und hat Sie gebeten, das Restmüllbehältervolumen entsprechend der Menge des tatsächlich regelmäßig anfallenden Abfalls von bisher X1 auf X2 Gesamtvolumen zu erhöhen“, hieß es in einem den Germanisten vorgelegten Schreiben. Ihr Verbesserungsvorschlag: „Die Abfallberatung der XY GmbH hat Sie deshalb gebeten, größere/zusätzliche Restmüllbehälter zu bestellen“.

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