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Nur original und getragen

Dieser Mann besitzt 456 Trikots des VfL Bochum

BOCHUM Bernd Kreienbaum hat spät angefangen. Zwar ging er schon als Kind regelmäßig zu den Spielen des VfL Bochum, doch so richtig intensiv gesammelt hat er Fanutensilien nie. Das änderte sich vor einigen Jahren – heute besitzt der 57-Jährige die wohl größte Sammlung an VfL-Trikots überhaupt. 456 Stück nennt er sein Eigen. Allesamt original und von Spielern getragen.

Dieser Mann besitzt 456 Trikots des VfL Bochum

Sammler Bernd Kreienbaum in seinem Element - und im Lieblingstrikot vom VfL Bochum aus der Zeit um 1960.

Einmal ist Bernd Kreienbaum aus der Reihe getanzt, zumindest ein bisschen. Irgendwann in den 90er-Jahren hat er sich ein Trikot aus dem Fanshop des VfL Bochum gekauft. "Um darin selbst Fußball zu spielen", sagt er. Heute käme das mit dem Trikot von der Stange nicht mehr in Frage, zumindest nicht, wenn es um die Sammlung des 57-Jährigen geht. Bernd Kreienbaum sammelt nämlich nur Trikots der Kategorie "matchworn" – sehr frei übersetzt: vom Spieler in der Partie getragen. "Das ist der Unterschied, auf den es ankommt", sagt der 57-Jährige.

"Verrückt nach Sport"

Im Mai 1968 war er zum ersten Mal im Stadion an der Castroper Straße. Ausgerechnet an diesem Tag war es hoffnungslos überfüllt. Es stand das Halbfinale im DFB-Pokal an, der Gegner hieß Bayern München und das Ergebnis lautete 2:1. Für Bochum wohlgemerkt. "Mein Vater war verrückt nach Sport, er hat mich zu allem mitgenommen", sagt Kreienbaum. Nicht nur zum VfL, auch zu den kleineren Vereinen, auch zum Feldhandball. Samstags ging es im Wechsel zum Stadion an der Castroper Straße oder auf Schalke. Schließlich hatte der Vater eine Gelsenkirchener Vergangenheit.

Lange Jahre hatte Bernd Kreienbaum, Geschäftsführer einer Bio-Bäckerei, eigentlich nichts mit Fan-Utensilien und Vereinsdevotionalien zu tun. Heute kann er fast schon ein VfL-Museum eröffnen. In seinem Besitz befinden sich unter anderem Spielplakate, Wimpel, Eintrittskarten, Autogrammkarten, Verträge, Mitgliedsausweise, Broschüren zum Stadionbau, Stadionzeitungen, Spielerpässe, Satzungen und Scans von Vereinsdokumenten ab dem frühen 20. Jahrhundert. Den Kern des Ganzen bilden aber die Trikots, 456 an der Zahl.

15 Mark pro Stück

"Im Jahr 2000 war ich in der Fußball-Ausstellung im Gasometer Oberhausen", sagt Kreienbaum. An diesem Tag hat ihn das Sammelfieber gepackt, richtig erwischt hat es ihn dann ein paar Wochen später. Im Herbst des selben Jahres gab es einen VfL-Flohmarkt. Er war mit einigen Freunden dort, gemeinsam kauften sie sich echte, von Bochumer Spielern getragene Trikots. "Wir haben uns sieben Stück für 100 Mark geholt, also knapp 15 Mark pro Stück", sagt Kreienbaum. Das war der Startschuss für seine Sammlung.

Mit einem VfL-Trikot aus der Saison 1989/90 fuhr er heim. Dann ging es schnell: nicht nur Ebay hat dem 57-Jährigen dabei geholfen, neue Stücke zu finden. Auch der Kontakt zu anderen Fans und Sammlern half ihm und hilft immer noch. Nach fast einem halben Jahrhundert mit Stadionbesuchen hat sich schließlich ein kleines Netzwerk entwickelt. Auch zu vielen ehemaligen Profis des VfL hat Kreienbaum den Kontakt gesucht, mit einigen pflegt er mittlerweile sogar so etwas wie eine gute Freundschaft. Irgendwie muss er schließlich an die begehrten Trikots kommen, wenn es weder im Internet noch bei anderen Sammlern was im Angebot gibt. "Das Schönste ist, dass man andere Leute kennenlernt", sagt Kreienbaum. Mit den alten Spielern komme er zudem fast jedes Mal ins Gespräch, wenn es denn zum persönlichen Kontakt kommt. "Es ist interessant, wenn sie von früher erzählen."

Glück oder Hartnäckigkeit

Manchmal braucht Bernd Kreienbaum Hartnäckigkeit bei der Suche nach neuen Trikots, manchmal braucht er Glück. So hat er mal einen ehemaligen VfL-Spieler kontaktiert. Zwei Jahre lang hat der Ex-Fußballer den Sammler vertröstet, immer und immer wieder. Dann aber war es so weit. Er bekam das Trikot. Ein anderes Mal hatte Kreienbaum einfach Glück – und vor allem ein gutes Auge. "Im Stadion habe ich mal einen Mann angesprochen, der ein originales Trikot anhatte." Kreienbaum erkennt mittlerweile auf den ersten Blick anhand von Kleinigkeiten, ob ein Shirt original ist und ob es einem Spieler gehörte oder aus dem Fanshop kommt. "Es hat sich herausgestellt, dass er der Sohn eines Spielers ist". Der Vater hatte in den 70ern einige Spiele für den VfL bestritten und besaß selbst eine kleine Sammlung. Der direkte Kontakt kam zustande, Kreienbaum konnte gleich 20 Trikots kaufen.

Klar, sein Hauptaugenmerk liegt auf dem VfL, aber auch knapp 100 Trikots anderer Vereine befinden sich in Kreienbaums Sammlung. Warum aber muss es immer ein Original sein? "Weil damit immer eine Geschichte oder oft ein besonderes Spiel verbunden ist, fast jedes Trikot ist ein Unikat. Ich fand es von Anfang an faszinierend", sagt er.

Die Suche nach dem "V"

Vom VfL fehlt ihm aus den vergangenen 20 Jahren so gut wie kein Trikot – obwohl er sämtliche Varianten sammelt. Heim, Auswärts, Ausweich, Torwart, Langarm, Kurzarm. Dennoch gibt es eine winzige Lücke, sie liegt im Jahr 2004. Damals spielte der VfL in den Playoffs des Uefa-Cups bei Standard Lüttich. Das passende Trikot fehlt in seiner Sammlung. Hier hat er zumindest noch realistische Chancen, die Lücke zu schließen. Schwieriger dürfte es bei seinem ganz großen Wunsch werden: Ein Trikot mit einem großen weißen "V", getragen in der ersten Spielzeit des VfL in der Oberliga West 1953/54.

Nicht viel jünger ist das in Kreienbaums Augen wohl wertvollste VfL-Stück in seiner Sammlung. Es stammt vermutlich aus der Zeit um 1960 und wurde unter anderem getragen von Gerd Hohmann. "Es ist knapp so alt wie ich", sagt Kreienbaum. "Vielleicht ist es das letzte Trikot, das noch aus der Oberliga-Zeit übrig ist."

Aber wer weiß. Vielleicht klappt es ja doch noch mit dem "V"-Trikot. 456 Mal war er schließlich schon erfolgreich, ist auch schon mal über drei oder vier Ecken ans Trikot gekommen. Ganz gleich, ob von Ata Lameck, Uwe Leifeld, Stefan Kuntz, Dariusz Wosz oder Felix Bastians. Bernd Kreienbaum hat sie alle. 

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