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Interview

Begleitung für Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt

Schermbeck Ehrenamtliche „Job Coaches“ sollen Flüchtlingen in Schermbeck helfen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen (wir berichteten). Paul Drewes-Magdanz arbeitet am Projekt Integrai.de der Universität Würzburg mit. Berthold Fehmer sprach mit ihm über Hintergründe und Chancen.

Warum beschäftigen Sie sich mit der Frage, wie Flüchtlinge in Arbeit kommen? Was mich hat aufhorchen lassen, war, dass wir Asyl- und Einwanderungspolitik in Deutschland nicht trennen. Wir freuen uns, dass Menschen hierhin kommen, auch junge Menschen mit Familien, die bereit sind, sich in diese Gesellschaft zu integrieren. Aber wofür setzen wir sie ein? Fakt ist: Die Menschen sind da. Und wir müssen schauen, wie wir das Beste daraus machen. Ohne über-emotional oder kalt zu sein.

Wie würden Sie die Situation in Schermbeck beschreiben? Rund 250 Flüchtlinge leben mitten in Schermbeck. Da ist jetzt eine Aktion notwendig. Damit der ersten Hilfe, der emotionalen Aufnahme in unsere Gemeinschaft, ein rationaler Schritt folgt. Es sind schon Schritte gemacht worden: Verpflegung, Unterbringung, Sprachkurse. Hauptthema aus meiner Sicht ist der Arbeitsplatz: die Chance, einen Betrag zu leisten, Dinge zu erarbeiten, Steuern zu bezahlen und die Akzeptanz der Bevölkerung zu bekommen.

Wie wurden Sie auf Integrai.de aufmerksam? Ich kenne Professor Richard Pibernik, bei ihm habe ich studiert. Er erzählte mir von „Integrai.de“. Er hat mich gebeten, bei der Entwicklung des Projektes zur Seite zu stehen aus der Sicht eines Marketing- und Vertriebsmannes. Das habe ich gerne gemacht.

Was ist Ihre Aufgabe dort? Zu zeigen, wie man so ein Thema zu Entscheidungsträgern tragen kann. Zum Job Coach, der Flüchtlingen hilft, die richtigen Unterlagen, vielleicht auch die richtige Einstellung für den deutschen Arbeitsmarkt zu haben. Und dann die Brücke baut zu Kontakten, die er aus seiner Historie, aus dem Freundes- oder Kollegenkreis heraus hat.

Wer wäre Ihrer Meinung nach ein idealer Job Coach? Es ist schwer im Berufsleben, sich Zeit für so etwas frei zu schaufeln. Idealerweise sind es Leute, die gerade noch im Berufsleben stehen oder gerade ausgeschieden sind. Die noch über ein Spektrum an Kontakten verfügen oder gut in der Gemeinde Schermbeck vernetzt sind.

Was kommt denn auf die Job Coaches an Arbeit zu? Erst mal eine zweitägige Schulung. Da wird gezeigt, welche rechtlichen Möglichkeiten für einen Flüchtling bestehen. Integrai.de hat es geschafft, mit relativ einfachen Eingaben herauszufinden, was ein Flüchtling darf. Wir wollen unbedingt sicherstellen, dass der Coach kompetent gegenüber dem Flüchtling und − noch wichtiger − dem potenziellen Arbeitgeber auftritt. Der Coach hat stets die Möglichkeit, bei Integrai.de Rückfragen zu stellen.

Wie geht es weiter? Mit der Verbindung zum Flüchtling. Um zu sehen: Was bringt der mit? Viele haben keine Zeugnisse und Nachweise, sondern können nur glaubhaft berichten, was sie gemacht haben.

Können sich die Job Coaches Flüchtlinge aussuchen? Genau. Es macht viel mehr Spaß, für jemanden etwas zu tun, für den man Empathie hat oder wo man ein persönliches Schicksal sieht, das man gerne beeinflussen möchte. Der Coach überlegt mit dem Flüchtling, was er machen kann und was hier angeboten wird. Als Beispiel: Es gibt in Schermbeck viele Gastronomie- oder Handwerksbetriebe. Man spricht Verantwortliche an und versucht, beide Personen zusammen zu bringen. Vom syrischen auf den deutschen Arbeitsmarkt zu treten, ist ein großer Schritt. Damit keine Frustration entsteht, ist die Idee, dass der Job Coach den Flüchtling eine Zeit lang begleitet.

Wie lange? Ich würde sagen drei Monate bis zu einem halben Jahr. Manchmal sind es profane Dinge. Etwa zu verstehen: Wenn man in Deutschland 8 Uhr sagt, ist man 8 Uhr da. Und nicht 8.15 Uhr. Für uns selbstverständlich. Und nur ein Beispiel von vielen.

Wie viele Flüchtlinge wollen Sie mit Job Coaches in Schermbeck vermitteln? Ich will keine Zahl nennen. Ich persönlich werde mich dafür einsetzen, dass ein Flüchtling vermittelt wird. Die anderen Job Coaches werden das sicherlich auch. Wenn es gelingt, junge Flüchtlinge ins nächste Lehrjahr zu vermitteln, wäre es für mich persönlich das Größte. Stellen Sie sich vor, wie das das Leben dieser Person für immer beeinflussen würde!

Das komplette Interview lesen Sie in der Print-Ausgabe der Dorstener Zeitung vom 20. Oktober. Interessenten, die Job Coaches werden wollen, können sich melden unter Tel. (02853) 4 48 07 31 oder per Mail unter fluechtlingshilfe@caritas-schermbeck.de .

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