Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Bewährung für überforderte Mutter

Säugling mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen / Landgericht: Keine Notsituation

Dorsten Es flossen Tränen im Saal, als Richterin Brigitte Anhut noch einmal die Geschehnisse des Tages zusammenfasste, an dem eine 31-jährige Dorstenerin ihren dreieinhalb Monate alten Sohn mit dem Kopf gegen die Wand schlug. Der Säugling starb an Schädelbruch, Hirnverletzung und eingeatmeten Erbrochenem. Die juristische Bewertung: Körperverletzung mit Todesfolge. Das Urteil: zwei Jahre Freiheitsstrafe mit Bewährung. «Zwei Jahre mussten verhängt werden, um dieser schlimmen Tat, diesem Unrecht, diesem Verbrechen an dem kleinen Jungen gerecht zu werden», sagte Richterin Brigitte Anhut. Es gebe für die angeklagte Mutter noch eine andere Strafe: «Sie lebt fortan mit dem schrecklichen Bewusstsein, dass sie mit dieser Aktion für seinen Tod verantwortlich ist.» Verteidiger Siegmund Benecken hatte darauf plädiert, dass es die unglückliche Verzweiflungstat einer überforderten Mutter in einer Notsituation gewesen sei. Doch eine Notsituation erkannte das Gericht nicht. «Die objektive Situation war zur Tatzeit alles andere als belastet. Das Ehepaar führte mit beiden Kindern ein bürgerliches Leben, eingebunden in die Großfamilie, finanziell gesichert.» Die Richterin hatte dabei die Aussage der Angeklagten im Blick, die sich allein gelassen fühlte. Das sei ihr subjektives Empfinden gewesen. Die Dorstenerin hatte das zweite Kind nicht gewollt, mit dem Gedanken der Abtreibung gespielt. Während der Schwangerschaft schränkte sie ihren Zigarettenkonsum nicht ein und rauchte auch weiterhin ihre Joints. Deswegen plagten sie Schuldgefühle. Ihr Mann hatte sie während seiner Arbeitslosigkeit bei der Betreuung des Kleinen unterstützt. Am 2. Januar 2006, dem Tattag, musste er sie allein lassen, um seine neue Arbeitsstelle anzutreten. «Es war in ihrem Kopf, dass dieses Datum ihre Strafe bringen würde. Dass sie das alles nicht bewältigen würde», so die Richterin. An jenem Tag schlug sie im Zustand erheblich verminderter Steuerungsfähigkeit den Säugling gegen die Wand. Martina Ricken

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Freispruch trotz bestehender Schuld

Stieftochter konnte Missbrauch nicht lückenlos nachweisen

Dorsten Freispruch trotz bestehender Schuld: Auch solche Möglichkeiten eröffnet das Gesetz. In diesem Fall kam ein 46-Jähriger ungeschoren davon, der sich wegen sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter am Landgericht Essen verantworten musste.mehr...

Dorstener Outdoor-Sportpark Fürst Leopold

Erste Pläne für Sportgelände auf Zechenareal liegen vor

Dorsten Die Verwirklichung des Outdoor-Sportparks in der Nähe des Leos auf dem Zechengelände rückt näher. Berufskollegschüler hatten mit ihrer Idee einen Wettbewerb gewonnen.mehr...

Neubaugebiete in Dorsten

So lenkt die Stadt den Bau neuer Siedlungen

Einen Kinderboom gibt es in Dorsten nicht. Trotzdem muss die Stadt wegen Neubaugebieten so planen, dass es genügend Kindergarten- und Schulplätze gibt. Wir erklären, wie die Stadt das macht.mehr...

Events beim Stadtstrand 2018

Public Viewing, Open-Air-Kino, Yoga und noch mehr

Dorsten Viele Dorstener Unternehmer haben sich zusammengetan, um den Stadtstrand 2018 zur Weltmeisterschaft neu aufzulegen. Die Besucher erwartet mehr als nur Sand unter den Füßen.mehr...

Prozess gegen Dorstener gestartet

Hat 46-Jähriger die Stieftochter missbraucht?

Dorsten/Essen Ein Koch aus Hervest steht bereits zum zweiten Mal unter Missbrauchsverdacht. Zum Prozessauftakt vor dem Essener Landgericht hat der 46-jährige Angeklagte auch diesmal seine Unschuld beteuert.mehr...

Ten Sing Gahlen hat Premiere

Schauspieler, Sänger und Akrobaten entführen in die USA

Hardt/Gahlen Das Licht geht an. Der Scheinwerfer scheint auf den Solosänger. Das Schlagzeug gibt den Takt vor, das Licht geht an. Diesmal besucht „Ten Sing Gahlen“ Amerika.mehr...