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Der Mann ist tot, die Frau ist frei

Dorsten Mit einem Freispruch endete vor dem Landgericht Essen der zweite Prozess gegen eine 51-jährige Gladbeckerin, die Pfingsten 2005 auf dem Campingplatz am Tillessensee ihren Ehemann durch drei Messerstiche getötet hat.

Vor etwas mehr als einem Jahr hatte sie das Schwurgericht noch wegen Totschlags zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Nun kam das Gericht zu dem Ergebnis, dass Notwehr nicht zu widerlegen sei.

Während der Plädoyers zeigte die Angeklagte zum ersten Mal während des dreitägigen Verfahrens Emotionen. Waren es Tränen der Erleichterung, weil auch Anklagevertreterin Elke Hinterberg auf Freispruch plädierte?

Der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil aufgehoben, weil seiner Ansicht nach das Schwurgericht die Notwehrlage der Angeklagten nicht ausreichend geprüft hatte. Eine neue Beweisaufnahme war erforderlich. Neue Erkenntnisse brachte sie nicht. Die Rätsel, die im ersten Prozess ungelöst blieben, haben nach wie vor Bestand. In der Nacht vom 15. auf den 16. Mai 2005 geriet das Ehepaar in Streit, nachdem während des ganzen Tages reichlich Alkohol geflossen war. 3,11 Promille hatte die Gladbeckerin wohl im Blut, als sie nach Mitternacht dreimal auf ihren Mann einstach und ihm dabei die tödliche Verletzung des Herzens beibrachte. Er habe sie zuvor angegriffen, ihr an die Kehle gefasst und zugedrückt, so dass sie keine Luft mehr bekommen habe, hatte die 51-Jährige ausgesagt. Sie habe in Angst um ihr Leben nach dem Gegenstand gegriffen, der sich als ein Messer entpuppte, und ihren Mann damit von sich weggeschubst, so berichtete die Frau.

Haben nicht viel

"Es spricht objektiv wenig dafür, dass es Notwehr war", resümierte Richterin Jutta Wendrich-Rosch in der äußerst knappen Urteilsbegründung. "Aber wir können die Einlassung der Angeklagten nicht widerlegen. Wir wissen nicht, wie es gewesen ist."

Ähnlich hatte auch Staatsanwältin Elke Hinterberg das Ergebnis der Beweisaufnahme gesehen. "Wir haben nicht viel. Wir müssen unterstellen, was die Angeklagten in dürren Worten gesagt hat", fasste die Anklagevertreterin zusammen. Sie fügte hinzu: "Das Opfer kann nichts mehr sagen." Martina Ricken

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