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Die einen dürfen gucken, die anderen nicht

Fußball-WM

Wenn am Mittwoch um 16 Uhr das letzte Gruppenspiel mit deutscher Beteiligung angepfiffen wird, müssen viele Schermbecker arbeiten. Wir haben nachgefragt, wie Betriebe damit umgehen.

Schermbeck

25.06.2018
Die einen dürfen gucken, die anderen nicht

Marco Cudia vom Elektrotechnik-Geschäft "MC Technology" ist Fußball-Fan und hat einen 55-Zoll-Bildschirm im Laden stehen. Doch darauf darf kein Fußball-Spiel laufen. © Foto: Berthold Fehmer

Marco Cudia ist etwas traurig, dass sein Heimatland Italien nicht bei der WM vertreten ist. Trotzdem hat der Inhaber des Elektrotechnik-Geschäfts „MC Technology“ an der Mittelstraße richtig Spaß an der Weltmeisterschaft. „Die Mannschaften sind alle stark“, freut er sich. Wer in sein Geschäft kommt, sieht fast als erstes den 55-Zoll-Bildschirm, der allerdings bei Fußball-Spielen aus bleibt. Auch am Mittwoch. Da da hat Cudia normalerweise Außentermine, aber an diesem Mittwoch frei. Wenn während der Arbeitszeit spannende Partien laufen, guckt er die auch in einem abgetrennten Bereich auf einem kleineren Bildschirm. Warum? „Sonst müsste ich GEMA-Gebühren zahlen“, sagt Cudia und ärgert sich ein bisschen über die deutsche Gründlichkeit. „In Italien ist man etwas kulanter.“

Fußball gucken im Ratssaal

Im Schermbecker Rathaus gibt es am Mittwochnachmittag kein Problem: „16 Uhr ist das Ende der Kernarbeitszeit, danach kann jeder gucken, wie er möchte“, sagt Bürgermeister Mike Rexorth: „Wer die Vorberichterstattung sehen möchte, muss sehen, dass sein Fachbereich vertreten ist. Dann müssen Überstunden abgebaut werden oder Urlaub genommen.“ Und was ist mit denen, die etwas weiter weg wohnen und die so die erste Halbzeit verpassen würden. „Für die wird im Ratssaal ein Bildschirm aufgebaut“, sagt Rexforth. „Allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.“ Denn in Schermbeck gebe es viele Möglichkeiten, Fußball öffentlich zu schauen, „etwa in der Selecao oder bei den Kilianern. Denen wollen wir keine Konkurrenz machen“. Und was ist bei anderen Spielen mit Live-Streams während der Arbeit? Rexforth: „Wer gucken will, soll sich freinehmen.“ Fast hätte es ein kleines Debakel gegeben, weil die Ratssitzung vom Dienstag ursprünglich am Mittwoch um 16 Uhr geplant war. Diese sei nach einem Hinweis verlegt worden, sagt Rexforth.

Schalter und Kundenberatung bleiben besetzt

Wie sieht es in den örtlichen Banken aus? Eileen Boyer, Assistentin des Volksbank-Vorstands sagt: „Der Vertrieb muss gewährleistet sein.“ Heißt: Schalter und Kundenberatung sind auch während des Deutschland-Spiels besetzt. „Es wird nicht unendlich viel los sein“, prognostiziert Boyer lachend. Die Arbeitszeit für die Bankangestellten gehe bis 16.30 Uhr. In den Gemeinschaftsräumen gebe es Bildschirme, auf denen das Spiel gezeigt wird. „Dann kann man beim Kaffeeholen da mal vorbeigehen und gucken, wie es steht“, sagt Boyer. Während der Arbeitszeit werde ansonsten kein WM-Spiel geschaut: „Es gab natürlich die 14-Uhr-Spiele, aber auch die 17- und 20-Uhr-Spiele“, glaubt sie, dass man auch so noch genügend Fußball schauen könne.

Die einen dürfen gucken, die anderen nicht

In den Deutschland-Farben geschmückt ist die Schermbecker Kundencenter der Niederrheinischen Sparkasse RheinLippe. Zum Deutschland-Spiel am Mittwoch dürfen die fußball-affinen Kollegen wie Norbert Besten (M.) und Raphael Roth etwas früher gehen, während die nicht so fußballinteressierten Kolleginnen wie Claudia Schulze in der Bank die Stellung halten. © Foto: Berthold Fehmer

Schwarz-rot-gold geschmückt ist das Kunden-Center der Niederrheinischen Sparkasse RheinLippe. Dort werden am Mittwochnachmittag Kolleginnen wie Claudia Schulze und Stefanie Müller, die sich nicht so sehr für Fußball interessieren, die Stellung halten, während Kollege Norbert Besten sagt: „Ich hau hier um Viertel vor vier ab.“ Er und Raphael Roth sind ihren Kolleginnen zutiefst dankbar. „Ansonsten hätte ich auf dem Smartphone geguckt“, sagt Roth.

Bei Heizung Sanitär Beck wird jeder Angestellte das Spiel sehen können. „Seit 34 Jahren haben wir mittwochs zu“, so Gaby Beck. Das Telefon sei aber für Kunden weiterhin besetzt. Die Gesellen würden an dem Tag früher beginnen, „damit sie ihre Stunden vollkriegen“.

Gearbeitet wird während des Deutschland-Spiels in der Bäckerei Kleinespel & Imping. Christa Maas hat auch nicht wirklich das Gefühl, an dem Nachmittag etwas verpassen zu können. Ob sie mit vielen Kunden rechne: „Wer kommt, der kommt.“

Die einen dürfen gucken, die anderen nicht

Vera Meyer vom gleichnamigen Wäschegeschäft macht sich nichts aus Fußball. Sie glaubt, dass ihr Umsatz am Mittwochnachmittag genau so hoch sein wird, wie zu Zeiten, wenn Deutschland nicht spielt. © Foto: Berthold Fehmer

Vera Meyer vom gleichnamigen Wäschegeschäft rechnet sogar damit, dass der Umsatz an diesem Nachmittag nicht einbrechen wird. Sie ärgert sich schon an normalen Mittwochnachmittagen darüber, dass so viele Geschäfte auf der Mittelstraße geschlossen hätten. Und wie stehts mit Fußball: „Aus Höflichkeit, wenn mein Mann guckt, gucke ich mit.“ Bereits bei der EM vor zwei Jahren habe sie während eines Deutschland-Spiels eine kleine Veranstaltung organisiert. „Da haben mir alle gesagt, das bringt nichts. Aber ich habe vergleichbar viel Umsatz wie bei anderen Events gemacht.“

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