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Dorstener Schüler: So reagieren unsere Eltern

Schulzeugnisse

Maya van der Weiden ist 14 Jahre alt und Praktikantin bei unserer Zeitung. Sie erzählt, wie ihre Eltern auf ihre Schulzeugnisse reagiert haben und wie es bei ihren Freundinnen läuft.

Dorsten

von Maya van der Weiden

, 06.07.2018
Dorstener Schüler: So reagieren unsere Eltern

Maya van der Weiden ist 14 Jahre alt. Über die Leistungen in der Schule spricht sie während des ganzen Schuljahres mit ihren Eltern - nicht erst vor der Zeugnisausgabe. © Habersack

Bei mir zu Hause ist das so: Da ich noch nie ein wirklich schlechtes Zeugnis hatte, habe ich auch noch nie Ärger dafür bekommen. Aber so sind meine Eltern auch nicht: Sie belohnen mich eher für gute Noten anstatt mich für schlechte zu bestrafen.

Häufig reden wir aber auch schon nach Klassenarbeiten oder nachdem ich meine Zeugnisnoten mündlich vom Lehrer mitgeteilt bekommen habe über meine Leistungen und das Zeugnis ist gar kein Diskussionsgrund mehr. Einerseits gefällt mir das echt gut, weil es dann gar nicht erst zu Verheimlichungen kommen kann. Anderseits ist es manchmal aber auch ziemlich nervig, wenn Eltern immer nachfragen. Mittlerweile hat sich dies allerdings gebessert und sie sagen selbst, dass meine Noten nur mich betreffen und ich selbst für sie verantwortlich bin.

Schule an erster Stelle

Allerdings versuchen meine Eltern schon dafür zu sorgen, dass meine Noten gut sind. Sie sagen oft: „Deine Noten öffnen dir den Weg in die Zukunft, weil sie bestimmen welchen Beruf du später einmal ausüben wirst“, um mich zu motivieren. Außerdem versichern sie mir sie würden mir jederzeit als Unterstützung zur Verfügung stehen. Eltern zu haben, die man immer um Rat bitten kann und die einen bei allen Entscheidungen unterstützen, finde ich sehr gut, da ich so weiß, dass ich immer einen Ansprechpartner habe.

Meine Eltern versuchen mir auch sonst vieles zu ermöglichen, aber für sie steht die Schule verständlicherweise an erster Stelle. Zum Beispiel bekomme ich bald ein eigenes Pferd, was zur Folge hat, dass ich weniger Zeit für die Schule habe und was deshalb eine gute Organisation erfordert. Meine Eltern haben mir deshalb schon angekündigt: „Solltest du dein Pferd der Schule vorziehen oder dein Leben nach dem Pferd richten und deshalb nicht das tun, was du möchtest, werden wir es wieder abgeben.“

Ganz allein meine Entscheidung

Ich bin dankar dafür, dass meine Eltern sich um mich und meine Zukunft sorgen und mir alles ermöglichen wollen, was sie früher nicht haben konnten. Allerdings sollten sie verstehen, dass es mein Leben ist und ich tun werde, was ich möchte. Natürlich verstehe ich den Einwand, die Schule nicht vernachlässigen zu dürfen. Im Gegensatz dazu ist es aber ganz allein meine Entscheidung ob ich nach der Schule ins Ausland gehe oder bei meinem Pferd bleibe.

Bei meiner Cousine ist das anders: Sie ist eine sehr fleißige Schülerin und dementsprechend sind ihre Noten auch besser als meine. Ich freue mich natürlich für sie, habe aber auch die Befürchtung meine Verwandten und Eltern könnten meine Noten im Vergleich zu ihren schlecht finden. Eine solche Reaktion habe ich in meinem Verwandtenkreis glücklicherweise noch nicht bemerkt.

Meine Eltern reagieren „eher gereizt“

Von Freundinnen weiß ich, dass Eltern aber auch anders reagieren können: „Meine Eltern reagieren eher gereizt auf schlechte Noten. Außerdem sind sie oft der Meinung, dass meine Noten besser sein könnten. Vielleicht sind sie da aber auch die viel besseren Noten meiner älteren Schwester gewohnt und denken deshalb, dass auch ich so gut sein könnte oder müsste“, erzählt Julia (13).

Im Gegensatz dazu steht die Reaktion von den Eltern meiner 15 Jahre alten Freundin Judith. „Meine Eltern reagieren gelassen, was mein Zeugnis angeht. Auch weil sie wissen, dass die Notenvergabe sehr lehrerabhängig geworden ist und nicht mehr nur nach Leistungen benotet wird. Bei schlechten Noten sind sie zwar enttäuscht, freuen sich dafür aber umso mehr, wenn ich mich in anderen Fächern verbessert habe“, erzählt sie.

Vergleiche sind unfair

Auch Malina kann dies nur bestätigen. Die 14-Jährige berichtet: „Noch an dem Tag, an dem wir unsere Noten mündlich in der Schule gesagt bekommen, teile ich sie meinen Eltern mit. Dann erkläre ich ihnen auch gleichzeitig welche Noten ich in den Arbeiten hatte, sodass sie die Note nachvollziehen können. Selbst wenn ich dann mal eine nicht ganz so gute Note auf dem Zeugnis habe, sind meine Eltern zwar enttäuscht, wissen aber schon Bescheid.“

Es gibt aber auch Eltern, denen die schulischen Leistungen ihrer Kinder vollkommen egal sind und die diese Einstellung im schlimmsten Fall auch an ihre Kinder weitergeben. Eine Reaktion, die ich besonders unfair finde ist, wenn Eltern die Leistungen ihrer Kinder mit denen von anderen vergleichen, da sie doch wissen sollten, dass jeder Schüler andere Stärken und Interessen hat.

Wieder andere bestrafen ihre Kinder für schlechte Noten, indem sie ihnen Handy-Verbot oder Hausarrest erteilen. Da bin ich dann besonders froh, dass meine Eltern mich noch nie für meine Noten bestraft haben, unter anderem auch, weil sie wissen, dass ich mich am meisten selbst über schlechte Noten ärgere.

Das sagen andere Dorstener Schüler

„Meine Eltern gehen gechillt damit um, wenn ich schlechte Noten mit nach Hause bringe“, sagt der zwölfjährige Jonas aus Dorsten und sorgt sich wenig um ein schlechtes Zeugnis. Auch der 14-jährige Mika sagt: „Sie motivieren mich eher und schimpfen nicht.“ Bei Isabella (13) ist das ähnlich, ihre Eltern seien zwar enttäuscht bei schlechten Noten, „trotzdem motivieren sie mich für das nächste Mal und schimpfen nicht.“

Doch es gibt auch andere Fälle, weiß Leon (14): „Meine Eltern fragen zwar, woran es gelegen hat, trotzdem motivieren sie mich und helfen mir. Ich kenne aber auch Mitschüler, die richtig Ärger bekommen. Zum Beispiel Playstation-Verbot oder Hausarrest für die ganzen Sommerferien.“

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