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Eine Landärztin aus Leidenschaft

Dr. Hille Ammenwerth

Dr. Hille Ammenwerth (75), Schermbecks dienstälteste Ärztin, geht nach 41 Jahren im Beruf zum Monatsende in den Ruhestand.

Schermbeck

25.06.2018
Eine Landärztin aus Leidenschaft

In den zurückliegenden 41 Jahren ihrer Tätigkeit als Schermbecker Allgemeinmedizinerin ist Dr. Hille Ammenwerth (l.) in die Rolle der Landärztin fest hineingewachsen. Hausbesuche hielt sie immer für sehr wichtig. © Foto: (A) Helmut Scheffler

In den letzten Tagen muss Dr. Hille Ammenwerth in der Arztpraxis in der Burgstraße 4 viele Hände drücken. Umarmungen und gute Wünsche gibt es in Massen. Für Donnerstag hat sich Bürgermeister Mike Rexforth angekündigt, um ihr für ihre Arbeit zu danken. Mit Helmut Scheffler sprach sie über ihre Arbeit, ihre weiteren Pläne und was sich die Politik ändern muss, damit es weiterhin Landärzte gibt.

Was sie bewogen habe, Ärztin zu werden? „Ganz sicher war meine Großmutter Vorbild für mich seit meiner Kindheit durch ihr Pflichtbewusstsein und ihren bedingungslosen Einsatz als Hebamme. Mit dem Fahrrad bei Wind und Wetter, oftmals auch bei Nacht, leistete sie fast täglich Geburtshilfe, da in ländlichen Gegenden damals Hausgeburten die Regel waren.“

Nach Schermbeck zog es Ammenwerth, die im Studium 1963 ihren späteren Mann Wilhelm Ammenwerth kennenlernte, als sie 1977 als praktische Ärztin in Schermbeck in seine Praxis einstieg. Als ihr Mann starb, sie war 65 Jahre alt, ging sie nicht in den Ruhestand: „Ich wollte gerne, dass die mittlerweile 33 Jahre bestehende, renommierte Schermbecker Praxis mit vielen Stammpatienten von unserer Familie weitergeführt wird. Unser Sohn Helge befand sich Ende 2008 allerdings noch in der Weiterbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin. Da auch seine Frau Philine Ärztin in Weiterbildung war, konnte ich die Praxis natürlich noch nicht verlassen.“ Jetzt sieht sie die Praxis in guten Händen, wobei sie zugibt, dass ihr der Abschied von den Patienten schwer falle.

Politik im Zugzwang

Dass immer weniger junge Ärzte bereit sind, als Landarzt tätig zu werden, hat für sie Gründe. „Wer will denn schon als junger Arzt aufs Land ziehen mit mäßiger Infrastruktur, mit schwierig zu praktizierendem Familienleben? Wer will schon die täglichen, erforderlichen Hausbesuche machen, für 22 Euro? Wer will schon 40 oder mehr Stunden pro Woche verantwortungsvoll arbeiten? Wer will schon nächtliche Bereitschaftsdienste leisten ohne Freizeitausgleich? Wer will schon in seiner Praxis zusätzlich zu seinen erlernten Beruf auch noch Unternehmer, Arbeitgeber und Datenschutzüberwacher sein? Wer will trotz all dieser miserablen Rahmenbedingungen, trotz steigender Regressgefahr bei Überschreitungen der vorgegebenen Höchstbeträge für viele ärztliche Leistungen diese Bürde auf sich nehmen? Hier muss die Politik rasch handeln, um den Trend zu immer weniger Landärzten zu stoppen. Auch für heutige junge Ärzte muss es allgemein übliche Arbeitsbedingungen geben. Große Entlastungen von allen nicht-ärztlichen Tätigkeiten könnte beispielsweise ein Praxismanager übernehmen. Die heutigen Landarztpraxen wären allerdings kaum in der Lage, seine Kosten zu erwirtschaften. Dann könnten seine Honorare aus dem Gesundheitsfonds bezahlt werden.

Im Ruhestand kann sie sich vorstellen noch eine Zeit Patienten des Marienheims zu betreuen und bei Bedarf noch ab und zu Vertretungen zu übernehmen.

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