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Krankheitswelle sorgt für Zugausfälle in Dorsten

Nordwestbahn

Berufspendler aus Dorsten sind sauer: Derzeit fallen immer wieder Züge der Nordwestbahn aus. Es gibt einen Personalengpass bei den Triebfahrzeugführen – aus einem bestimmten Grund.

Dorsten

von Von Michael Klein

, 11.07.2018
Krankheitswelle sorgt für Zugausfälle in Dorsten

Eine Nordwestbahn vor dem Bahnhof in Dorsten: Diesen Anblick hätten Kunden gerne täglich, regelmäßig und pünktlich. Die Wirklichkeit sieht zurzeit anders aus.Luftbild Blossey © www.blossey.eu

Pendler Bernd G. beschwert sich: „Die Anzahl der Zugausfälle bei der Nordwestbahn ist schon echt krass.“ Anita H. schreibt: „Habe mittlerweile Angst, mit Euch zu fahren, entweder kommt man nicht hin oder nicht mehr zurück.“ Auch Anja W. ist sauer: „Ehrlich, die Nordwestbahn sollte einpacken“. Und Bernie G. fordert das Unternehmen in seinem Kommentar auf: „Konzentriert Euch auf die Linien, für die ihr genug Personal habt und gebt die anderen ab.“

Dies sind nur einige der kritischen Beiträge, mit denen verärgerte Bahnnutzer in den vergangenen Tagen auf der Nordwestbahn-Facebook-Seite die Nachrichten des Verkehrsunternehmens kommentiert haben, dass mal wieder Züge ab Dorsten aus „betrieblichen Gründen“ ausfallen.

Und das passiert seit mehr als zwei Wochen fast jeden Tag. Beispiel Dienstag (10. Juli): Vier Verbindungen entfielen auf der Gesamtstrecke der RB 45 zwischen Coesfeld und Dorsten, die Fahrgäste mussten mit dem Bus fahren. Am Tag zuvor betraf es wieder den „Coesfelder“, diesmal aber ohne Busangebot. Auch mehrere Züge der RB 44 („Der Dorstener“) und des RE 14 nach Essen fuhren nicht. Gleiches in der vergangenen Woche am Freitag und am Donnerstag und auch am 23. und 25. Juni.

„Betriebliche Gründe“ bedeutet im Klartext: Es ist nicht genug Personal da. „Bei uns sind derzeit leider deutlich mehr Triebfahrzeugführer erkrankt, als es sonst im Sommer üblich ist“, erklärt Stephanie Nölke, für Nordrhein-Westfalen zuständige Pressesprecherin der Nordwestbahn (NWB) auf Anfrage unserer Zeitung.

Sommergrippe greift um sich

„Da gibt es die unterschiedlichsten Krankmeldungen, angefangen von der Sommergrippe über Bindehautentzündungen bis hin zu Rückenproblemen, die es den Kollegen unmöglich machen, im Führerstand zu sitzen.“

Hinzu komme die Urlaubszeit und es seien Mitarbeiter langfristig krankgeschrieben, denen man eine längere Genesungszeit zugestehen wolle: Da sie beispielsweise psychologische Unterstützung brauchen, weil sich ein Selbstmörder vor den Zug geworfen habe.

Bei der Nordwestbahn gebe es zwar Dispositionsschichten und eine Rufbereitschaft, zum Teil würden Triebwagenführer eigens ihren Urlaub abbrechen. „Aber wir können derzeit leider nicht für hundertprozentigen Ersatz sorgen. Und bemühen uns dann, einen Busersatzverkehr anzubieten.“ Ein „strukturelles Personalproblem“ bestehe bei der Nordwestbahn nicht, betont die Pressesprecherin: „Aber es ist schon so, dass die gesamte Branche einen Fachkräftemangel beklagt und mittelfristig Triebwagenführer-Nachwuchs sucht.“

„Wir entschuldigen uns in aller Form“

Stephanie Nölke kann nicht versprechen, dass sich die Situation in Dorsten in dieser Woche entspannt. „Unsere Leitstelle und die Kommunikationsabteilung sind rund um die Uhr besetzt, um die Fahrgäste möglichst kurzfristig informieren zu können.“ Sie empfiehlt den Bahnnutzern, zumindest noch in dieser Woche und auch über das Wochenende hinaus regelmäßig im Internet auf die Nordwestbahn-Homepage, den DB-Navigator und den VRR-Fahrplaner zu schauen.

„Wir möchten uns in aller Form bei den Fahrgästen entschuldigen“, so die Pressesprecherin. „Man kann uns glauben, dass wir lieber Züge als Busse anbieten.“ Zumal die Zug-Ausfälle für die Nordwestbahn einen großen finanziellen Schaden bedeuten: „Wir müssen den Busersatzverkehr selbst bezahlen und bekommen weniger Geld vom Auftraggeber VRR, wenn wir das Angebot reduzieren.“

Außerdem: Hat ein Zug eine gewisse Mindest-Verspätung oder fällt er aus, muss das ausführende Bahnunternehmen dem betroffenen Fahrgast eine Entschädigung zahlen beziehungsweise die Taxikosten zurückerstatten. Mehr Infos zu den Entgeltansprüchen www.vrr.de

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