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Lohnenswerte historische Stadtführung

SCHERMBECK Das Heimatmuseum in Schermbeck stößt allseits auf großes Interesse. Der Vorsitzende des Heimatvereins Hans Zelle leitet ehrenamtlich den zweistündigen historischen Rundgang durch Schermbeck, der alle sechs Wochen sogar kostenlos angeboten wird.

Lohnenswerte historische Stadtführung

Ausgangspunkt der Zeitreise durch Schermbeck ist das Heimathaus.

 „Dieses Fachwerkhaus ist das älteste erhaltene Wohngebäude in Schermbeck“, erzählt Hans Zelle stolz seinen Zuhörern, „und das obwohl es schon mindestens fünf Mal beinahe abgebrannt wäre.“ In diesem alten Fachwerkhaus, dem Heimatmuseum, werden neben den Rundgängen auch aktuelle Ausstellungen angeboten, wie z. B. „Die Napoleonstraße zwischen Wesel und Wulfen“, dessen Vorbereitungen in vollem Gange seien, wie Hans Zelle versicherte. Herr und Frau Schneider, die an dem historischen Rundgang teilnahmen, gestanden, weder gebürtige Schermbecker zu sein noch in Schermbeck zu wohnen, sondern aus geschichtlichem Interesse und durch die begeisterten Berichte ihrer Freunde Herr und Frau Buchheit an dieser Reise durch die Vergangenheit teilnehmen. „Wir hingegen wohnen schon sehr lange in Schermbeck, werden aber wohl noch was dazu lernen.“, bestätigt Frau Buchheit. Die ehemalige Geschichtslehrerin Frau Abou El-Hassan aus Wesel erwartet mit Spannung ein Stück weit Neues aus der Heimatgeschichte zu erfahren.

Der Rundgang beginnt im Heimatmuseum selbst, dem 1566 begründeten Fachwerkhaus, wo Herr Zelle über Römerfunde, die Entwicklung Schermbecks und vieles mehr berichtet. Es gibt ein altes und ein direkt vor der ehemaligen Stadtgrenze gebautes neues Schermbeck, was zur Folge hatte, dass die eine Kirche dem Bistum Münster und die nur 200 Meter weiter gelegene andere Kirche dem Bistum Köln angehörte. Die Stadt wurde befestigt. Vermutlich ist die Kommunalgrenze noch darauf zurück zu führen. Schermbeck hatte ursprünglich ein westliches Mühlentor und ein östliches Steintor. „Die Volksbank würde mitten im Stadtgraben stehen.“, meint Herr Zelle lachend. Schermbeck ist durch seine Tonvorkommen und Tonbearbeitung bekannt, so dass dieses kleine Städtchen ideale Bahnanbindungen brauchte und hatte, wobei jedes Werk seinen eigenen Bahnanschluss hatte. Fahrten von Berlin nach Paris, Hamburg nach Fliessingen und natürlich Haltern nach Wesel waren keine Seltenheit. „Der Bahnhof lag praktisch gegenüber vom Ramirez.“, erklärt Herr Zelle um seinen gespannten Zuhörern eine Orientierungshilfe zu geben.

Ein weiterer wichtiger geschichtlicher Aspekt ist das Judentum in Schermbeck. Viele Gegenstände aus der Synagoge sind glücklicherweise erhalten geblieben. „Die Nazis konnten die Synagoge nicht direkt verbrennen“, erklärt der Experte, „die Häuser standen zu eng. Das Feuer wäre auf die Nachbarbauten übergegangen und hätten alles andere ebenfalls zerstört.“ Viele Ausstellungsstücke aus dem jüdischen Museum in Dorsten stammen aus Schermbeck. Herr Zelle führt seine Gruppe aus dem Haus die Straße entlang bis zu einem der ehemals elf Brunnen in Schermbeck und über den Bleichwall bis zu den Resten der alten Stadtmauer. Von dort aus hat man einen schönen Blick auf die obere Mühle. Über den Bösenberg, der heute ironischer Weise ein schönes friedliches Wohngebiet ist, erreicht die Gruppe den Judenfriedhof auf dem Galgenberg. „In der damaligen Zeit waren immerhin ca. zehn Prozent der Bevölkerung Juden.“, erklärt Herr Zelle und deutet auf die 33 Grabsteine und das Denkmal für die in KZs umgekommenen Juden.

Der Rundgang führt weiter in die Burgstraße, wo eine achteckige ehemalige reformierte Kirche steht. Sie ist 1786 eingeweiht worden und dient heute kulturellen Veranstaltungen und Konzerten. Die Gruppe folgt der Burgstraße und gelangt zum ehemaligen Wasserschloss Schermbeck, die als klevische Landesburg um 1300 erbaut, mehrfach zerstört bzw. beschädigt und umgebaut wurde. Seit 1662 ist sie in Privatbesitz und ist unter anderem bei Hochzeiten sehr beliebt. Von dort hat man einen Blick auf die obere Mühle. An der Mühle vorbei passieren die Zeitreisenden das ehemalige Mühlentor in der Mittelstraße und betrachten den Kupferstich Schermbecks. Die Mittelstraße entlang gehend erklärt Herr Zelle, dass die Häuser mit der Rückwand an der Stadtmauer standen, wo auch heute noch Häuser stehen. Weiter auf der Mittelstraße, am ehemaligen Pfarrhaus vorbei erreicht die Gruppe die Kirchstraße und die Evangelische Kirche, ein spätgotischer Bau mit einem Westturm aus dem 12. Jahrhundert. Auf der Straße Hinter der Mauer, die wirklich direkt hinter der ehemaligen Stadtmauer liegt, befand sich die Jüdische Synagoge, die Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut und um 1938 zerstört wurde.

Die Kreuzung Mittelstraße Gerorgstraße wird das Steintor passiert und der Marsch führt weiter zur Kirche St. Ludgerus, die in neuromanischem Stil 1914/15 erbaut wurde. Die Brunnenstraße entlang entdeckt man immer wieder kleine ältere Häuschen, die die zahlreichen Brände überstanden haben. Der letzte Punkt der Zeitreise ist die Bronzestatue, die einen Mann mit Schubkarre voller Dachziegel bei der Arbeit zeigt. Damals wie heute ist Schermbeck für die Dachziegelherstellung bekannt. Die begeisterte Gruppe betitelt diesen historischen Rundgang als informativ sowie empfehlenswert. Altes in Neuem entdecken, Neues in Altem. Eine spannende Zeitreise durch ein Stück Heimat. „Es lohnt sich auf jeden Fall, denn man lernt immer noch was Neues dazu und es wird nie langweilig.“ 

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