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Missbrauch oder falsche Aussage?

Dorsten Hat der 50-Jährige ein damals 13-jähriges Nachbars-Kind sexuell belästigt oder sind die Vorwürfe nur der Phantasie des Mädchens entsprungen?

Mit dieser Frage muss sich das erweiterte Dorstener Schöffengericht beschäftigen. Auf der Anklagebank: ein arbeitsloser Dorstener, den das Mädchen des öfteren besuchte, um in seiner Wohnung im Internet zu chatten oder sich Filme und Musik herunterzuladen.

Dabei hat die inzwischen 14-Jährige auch ein paar Filmchen gesehen, die überhaupt nicht jugendfrei waren: Porno-Streifen auf dem PC. "Die Dateien hat das Mädchen selbst geöffnet, als ich eine halbe Stunde draußen war", sagte der Angeklagte aus, der auch den zweiten Tatvorwurf abstritt: Er soll, so steht es in der Anklageschrift, die damals 13-Jährige an der Brust gestreichelt haben, während diese eine Video-Kassette habe anschauen müssen.

"Nur ein Versehen"

Der Polizei-Beamte, der das Beweisstück später beschlagnahmte, schilderte dem Gericht, was darauf zu sehen war: Privataufnahmen, auf der die Ex-Ehefrau des Angeklagten unbekleidet an sich herumspielte und anschließend ihren damaligen Mann oral befriedigte. "Das mit der Video-Cassette war ein Versehen, ich wollte eigentlich nur den Fernseher anmachen", so der 50-Jährige, der vehement bestritt, das Mädchen berührt zu haben. Auch sei das Mädchen damals nicht aus der Wohnung geflüchtet, sondern anschließend noch mehrfach wieder freiwillig bei ihm gewesen. Die Mutter der 14-Jährigen hatte von den schwerwiegenden Gerüchten nur gehört, das Mädchen hatte sich ihr gegenüber zunächst gar nicht offenbart. Auch hatte die Mutter keine Kenntnisse, ob ihre Tochter den Angeklagten nach dem Vorfall weiter besucht hat.

Seltsame Umstände

"Seltsame Umstände", attestierte Richterin Regine Heinz, auch deswegen, weil sich im Verlauf des Verfahrens herausstellte, dass beide Protagonisten ihre Vorgeschichte haben: Der 50-Jährige war vor vielen Jahren wegen eines ähnlichen Deliktes verurteilt worden, das Mädchen hatte schon einmal einen Mann beschuldigt, sich ihr sexuell genähert zu haben - wohl eine Falschaussage, denn zu einem Verfahren kam es erst gar nicht. Nachdem das Mädchen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt hatte, entschied das Gericht, ein Sachverständigen-Gutachten zur Prüfung der Glaubwürdigkeit der 14-Jährigen in Auftrag zu geben. MK

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