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Nebulöses Tatgeschehen

Dorsten Mit anderen Richtern und einem neuen Verteidiger begann die zweite Auflage des Prozesses gegen eine 51-jährige Gladbeckerin, die Pfingsten 2005 auf dem Campingplatz am Tillessensee ihren Mann erstochen haben soll.

Totschlag im Zustand verminderter Schuldfähigkeit wird der Frau von der Anklage vorgeworfen.

Die Schilderung des Geschehens am Tag und Abend der Tat, wie sie von der Angeklagten dargelegt wird, ist - wie schon im ersten Prozess - lückenhaft. Die Frau soll in der Tatnacht mindestens 2,45 Promille Alkohol im Blut gehabt haben, als sie laut Anklage zum Messer griff und ihren Mann mit drei Stichen in die Brust tödlich verletzte.

Die Angeklagte kann sich daran erinnern, dass man am Sonntag eine Freundin zum Mittagessen eingeladen hatte, danach spülte und aufräumte. Ihr Mann habe dann die Idee gehabt, zum Kiosk zu gehen. Dort habe man kräftig dem Alkohol zugesprochen, ebenso in der Gaststätte, in die man später wechselte.

Ihr Mann habe die Wirtschaft vor ihr verlassen. Sie sei in der Nacht von einem Nachbarn zur Parzelle begleitet worden, weil sie nicht mehr "standfest" gewesen sei. "Es war alles ruhig. Ich versuchte meinen Sohn zu erreichen", erinnerte sich die Angeklagte. Dann sei ihr Mann ins Zelt gekommen. "Es gab sofort Streit, weil mein Sohn nicht da war. Mein Mann hat mir an den Hals gegriffen und ließ auch nicht los. Ich bekam keine Luft mehr, war in Panik", erklärte die Gladbeckerin.

Sie habe hinter sich gegriffen, einen Gegenstand genommen und ihn damit von sich weggeschubst. "Ich schrie ihn an: Geh raus und lass mich in Ruhe. Er ist dann auch gegangen." Mit dieser Darstellung bleiben viele Fragen ungeklärt. Richterin Jutta Wendrich-Rosch: "Wo kommt der Gegenstand her, den sie gegriffen haben, wenn alles so aufgeräumt ist?" "Das ist mir auch ein Rätsel", antwortete die Angeklagte. Aus der Schublade habe sie jedenfalls kein Messer nehmen können. Die 51-Jährige dazu: "Die Schublade klemmt, die muss man mit beiden Händen öffnen. Und ich stand ja auch davor." Dies ist nicht das einzige Rätsel, das die VI. Kammer an weiteren Verhandlungstagen lösen muss. Martina Ricken

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