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Transplantationsbeauftragte

Organspendebereitschaft verträgt sich nicht mit Patientenverfügung

DORSTEN Immer mehr schwer erkrankte Menschen hoffen täglich auf eine Organspende, die ihnen die Chance auf ein Weiterleben ermöglicht. Doch verträgt sich die Bereitschaft zur Organspende mit der Patientenverfügung?

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Eine Spenderniere wird für den Transport zum Organempfänger präpariert.

"Die Bereitschaft zur Organspende ist da." Prof. Dr. Gertrud Haeseler, Transplantationsbeauftragte im St. Elisabeth-Krankenhaus, plädiert dafür, dass sich jeder Mensch frei und ohne Druck mit diesem Angst besetzten Thema auseinandersetzen sollte.

„Nein“, konstatiert Prof. Dr. Gertrud Haeseler. Konflikte für Ärzte und Angehörige seien programmiert. Die Chefärztin für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie ist Transplantationsbeauftragte am St. Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten. 2009 hat Dr. Tönnies dieses für jedes Krankenhaus verpflichtende Amt an die intensivmedizinisch erfahrene Ärztin weitergegeben. „Ich habe zuvor 16 Jahre lang als Oberärztin an der medizinischen Hochschule Hannover gearbeitet und dabei den Bereich Transplantationen mit betreut“, ist der Chefärztin die komplexe, hochsensible Thematik bestens bekannt. Transplantationsbeauftragte müssen die Fälle prüfen, die für eine Organspende in Frage kommen, sprich: Die Menschen müssen hirntot sein, aber ihre Organe müssen noch funktionieren. Tumor- und infektionsgeschädigte Organe scheiden per se aus. Oft sind es verunglückte Motorrad- oder Autofahrer, die sich als Organspender eignen – seltene Fälle im Dorstener Krankenhaus, denn diese schwer Verletzten werden sofort in die Neurochirurgie verlegt. Aber auch ältere Menschen, die einen plötzlichen Herzstillstand erleiden, kommen als Organspender in Frage. Eine Altersgrenze ist nicht vorgeschrieben – das ist vielen nicht bekannt.


Im Falle einer möglichen Organspende ist es Aufgabe der Transplantationsbeauftragten, das vorgeschriebene Prozedere zügig zu organisieren: „Der Hirntod muss von zwei unabhängigen, nicht in die Behandlung involvierten Ärzten bestätigt werden. Außerdem verständigen wir die Deutsche Stiftung Organtransplantation, die uns ihren Support zur Verfügung stellt“, erklärt Gertrud Haeseler. Erst nach Feststellung des Todes von Großhirn, Kleinhirn und Stammhirn, als sicheres Kriterium des unumkehrbaren Sterbeprozesses, darf die Organentnahme erfolgen.

Die größte Herausforderung steht den Ärzten aber noch bevor: das Gespräch mit den Angehörigen, das oft mit psychologischer Unterstützung geführt wird. „Die Angehörigen stehen unter Schock, sind emotional aufgewühlt, müssen das Unfassbare begreifen. Und in diesem Moment müssen wir sie fragen, ob sie einer Organspende zustimmen. Das ist schwer zu verkraften“, weiß die Chefärztin, die dennoch eine extrem hohe Spendenbereitschaft konstatiert.

„Jeder sollte sich frei und ohne Druck entscheiden können, ob er Organe spenden will oder nicht“, hält die Chefärztin die aktuellen Bemühungen der Krankenkassen, die Bereitschaft zur Organspende durch regelmäßige Anschreiben an die Versicherten anzukurbeln, für unangemessen. „Das bewirkt eher das Gegenteil“, vermutet sie. Liegt ein Organspendeausweis des Betroffenen vor, sind die Angehörigen von der Last der Entscheidung befreit. Die Einwilligung würde allerdings bei einer gleichzeitig vorliegenden Patientenverfügung ad absurdum geführt, legt doch der Unterzeichner darin seinen Willen fest, in der Sterbephase alle lebenserhaltende Maßnahmen zu unterlassen. Doch damit die Organe funktionstüchtig erhalten und für andere Menschen lebensrettend entnommen werden können, muss der Körper des Hirntoten künstlich beatmet und die Blutzirkulation aufrecht erhalten werden. Ein Konflikt, der Ärzte und Angehörige stark belastet und vielleicht verhindert, dass ein auf ein Spenderorgan angewiesenes Leben gerettet werden kann. 

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