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WM-Erinnerungen eines Fußballreisenden

Dorstener führte Tagebuch über WM-Reisen

Alfons Windbrake hat drei Weltmeisterschaften besucht. Kurz vor dem ersten Anpfiff in Russland sind die alten Fotoalben und Tagebücher wieder aktuell.

Dorsten

von Stefan Diebäcker

, 12.06.2018
WM-Erinnerungen eines Fußballreisenden

Die Eintrittskarte vom WM-Endspiel 1978 in Argentinien hat Alfons Windbrake natürlich behalten. „Eine tolle Atmosphäre“, erinnert sich der Rhader. (Foto: Stefan Diebäcker)

„Du bist doch der Stadionsprecher des FC Rhade!“ Alfons Windbrake fiel fast vom Glauben ab, als er auf der Zugfahrt von Córdoba nach Buenos Aires plötzlich von einem Deutschen angesprochen wurde. Sein Gegenüber, das erfuhr Alfons Windbrake in den folgenden Minuten, stammte aus Haltern. „Er hat damals die Lederbälle unseres Vereins repariert“, erinnert sich der Rhader mit einem Schmunzeln.

Die zufällige Begegnung zweier Fußballfans aus dem Kreis Recklinghausen vor 40 Jahren in Südamerika gehört zu den vielen Erlebnissen, die der heute 78-Jährige nie vergessen hat. Wie auch, Alfons Windbrake hat ja alles in Wort und Bild festgehalten, was auf den Reisen so passierte. Argentinien 1978, Mexiko 1986, USA 1994 – drei Fußball-Weltmeisterschaften hat Alfons Windbrake besucht. Davon erzählen die Fotoalben, in die er jeden Schnappschuss einsortiert hat, und die Tagebücher, die er mit großer Leidenschaft Tag für Tag führte. „Das habe ich aber bei jeder größeren Reise gemacht.“

Viel Geld geboten für Finalkarte

Windbrake sah den WM-Sieg Argentiniens, anschließend wurde der Mann aus Alemania zum Autokorso eingeladen. „Eine solche Stimmung habe ich nie wieder erlebt. Die Menschen waren so freundlich, das war mir schon fast unangenehm.“ Viel Geld hätte er bekommen, wenn er die Finalkarte verkauft hätte, „aber daran habe ich keinen Gedanken verschwendet“. So tief saß der WM-Frust nach dem peinlichen Aus der deutschen Mannschaft gegen Österreich dann doch nicht.

Diese Tour machte der Rhader noch auf eigene Faust, die folgenden mit Freunden von Grün-Weiß Paderborn. Und so saß Windbrake 1986 in Mexico-Stadt in der riesigen Schüssel namens Aztekenstadion, als Diego Maradona mit der „Hand Gottes“ gegen England ein irreguläres Tor erzielte. Der Rhader hat‘s sofort erkannt, Maradona brauchte fast 20 Jahre, um seinen Betrug zuzugeben. 1994 sah Windbrake vier WM-Spiele in den USA. „Die Atmosphäre war nicht so toll, und Ahnung von Fußball hatten die Amerikaner auch nicht.“ Das ließ sich verschmerzen, denn „ich habe in den 24 Tagen eine Menge von dem Land gesehen“.

Immer mal wieder kramt der frühere Hülswitt-Drucker die Alben und Tagebücher aus dem Schrank oder schaut sich die Souvenirs an, die er mitgebracht hat. Dann kommen sie wieder hoch, die Erinnerungen an aufregende Zeiten, an Fußball-Feste und Begegnungen mit fremden Menschen und Kulturen. Wenn sie nicht gerade aus Haltern kamen.

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