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20 Pumpwerke halten Dortmund trocken

DORTMUND Das Unwetter vor 14 Tagen rückte das Thema Entwässerung ins Blickfeld. Dass wir uns in manchen Stadtgebieten überhaupt trockenen Fußes bewegen können, liegt an ca. 20 Dortmunder Pumpwerken. Sie fangen die Folgen massiv geänderter Fließrichtungen auf, die der Bergbau verursacht hat. Durch den Kohleabbau veränderte sich ab Ende des 19. Jahrhunderts die Landschaft dramatisch. Und mit ihr die natürlichen Gewässer. Würden alle Pumpen abgeschaltet, glichen Teile Dortmunds einer Seen-Landschaft

20 Pumpwerke halten Dortmund trocken

Arrnd Osterkemper (41), Betriebsleiter im Pumpwerk Scharnhorst, muss sich nicht ständig um die mehreren Pumpen kümmern. Alles automatisch.

Mit 21 aufwändigen Pumpwerken verhindert die Emschergenossenschaft/Lippeverband, dass Dortmund absäuft. Wann würde das passieren, wenn der Hebel umgelegt würde? „Vielleicht schon in einigen Tagen, vielleicht erst in zwei Monaten.“ Dr. Steffen Bold (34) steht mit Kollegen im Pumpwerk Scharnhost. Ihm ist sichtlich nicht ganz wohl bei der Frage nach den Folgen, sollten sämtliche Pumpwerke ihren Dienst quittieren. Besagte Zeiträume hält er, je nach Niederschlägen, für realistisch. Danach verwandelten sich bestimmte Areale der Stadt in Seen-Platten.   „Welche Gebiete das wären, wissen wir wirklich nicht genau“, sagt Bold. Es ist dem Leiter der Hydrologie bei Emschergenossenschaft/Lippeverband (EG/LV) anzumerken, dass er jeden Hauch von Panik vermeiden will. Aber immerhin. 38 % der EG/LV-Fläche klassifiziert er als „Polder“: Sie bedürfen ständig künstlicher Entwässerung.

Warum eigentlich? Weil der Steinkohlebergbau seit dem 19. Jahrhundert die Landschaft des Ruhrgebietes massiv verändert hat. Flöz für Flöz klaubten die Kumpel das Schwarze Gold aus der Tiefe. Die Hohlräume verfüllten sie entweder gar nicht oder nur unzureichend. Der gefürchtete Soufflé-Effekt trat ein: Der durchlöcherte Berg sackte nach, bis die Abwärtsbewegung an der Oberfläche ankam. Beispiel Lanstroper See. Vor dem Bergbau gab‘s den gar nicht. „Allein bis 1967 sackte das Gebiet dort um zehn Meter ab“, sagt Helmut Lategahn vom Vermessungs- und Katasteramt der Stadt. In den nächsten vier Jahren ging‘s weitere fünf Meter abwärts. Und so fort. Manche Gegenden der Stadt legte der Bergbau bis 20 m tiefer. „Etwa fünf Jahre nach Ende des Kohleabbaus hören die Senkungen auf“, weiß Lategahn. Danach spielen sich Bewegungen nur noch im Zenti- oder Millimeter-Bereich ab. Die letzte Dortmunder Zeche, Minister Stein, machte 1986 Schicht.

Die Lanstroper Senke füllte sich mit Wasser und verwandelte sich sogar in ein Naturschutzgebiet. Weniger erfreuliche Erdverschiebungs-Folgen sind schiefe Häuser oder Risse in Fassaden. Und als ständige Last bleibt die Wasserhaltung. Nicht nur oben, wo EG/LV pumpen, was das Zeug hält. Auch in den Tiefen des Berges bleiben die Elektro-Motoren eingeschaltet. Wie lange noch? Johann Hüben zuckt die Schultern. „Wissen wir einfach nicht“, sagt der Hauptdezernent der Abteilung Bergbau bei der Bezirksregierung (ehemals Landesoberbergamt). Die genauen Folgen eines Ende der zentralen Dortmunder Wasserhaltung auf der ehemaligen Zeche Hansa Huckarde sind laut Hüben ebenfalls nicht ganz klar. Aber die Angst, dass steigendes Tiefenwasser irgendwo in andere, noch aktive Bergwerke dringen würde, hält die Wasser-Beweger in Schwung.  

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