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Am 11. Juli wird das Urteil gegen Beate Zschäpe verkündet

NSU-Prozess

Am 11. Juli soll das Urteil gegen die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, verkündet werden. Doch Opfer-Angehörige wollen das nicht als Schlussstrich hinnehmen.

Dortmund/München

von Bastian Pietsch

, 03.07.2018
Am 11. Juli wird das Urteil gegen Beate Zschäpe verkündet

Angehörige von Mehmet Kubasik bei einer Gedenkveranstaltung in Dortmund im April. © Oliver Schaper (Archiv)

Nach mehr als 430 Prozesstagen wird am 11. Juli ein historischer Prozess sein Ende finden: Mit der Urteilsverkündung im Prozess um den selbsternannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU), finden fünf Jahre Aufarbeitung von deutschem Rechtsterrorismus einen Abschluss. Doch nicht für alle.

Angehörige stellen weiter Fragen

Die Bundesanwaltschaft hat die Höchststrafe für Beate Zschäpe, die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, gefordert: lebenslange Haft, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sowie anschließende Sicherungsverwahrung.

Die Anklage sieht die heute 43-Jährige als Mittäterin an allen Verbrechen des NSU: den neun Morden an türkisch- und griechischstämmigen Gewerbetreibenden, dem Mord an einer deutschen Polizistin, zwei Bombenschlägen mit Dutzenden Verletzten sowie an insgesamt 15 Raubüberfällen. Zschäpes zwei Verteidiger-Teams haben dagegen den Freispruch von allen Morden und Anschlägen gefordert.

Am 4. April 2006 wurde der Dortmunder Mehmet Kubasik in seinem Kiosk an der Mallinckrodtstraße 190 erschossen – mutmaßlich vom selbst ernannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU).

Für viele Angehörige der Opfer ist ein Urteil jedoch nicht ausreichend, um die Hintergründe des NSU aufzuarbeiten. „Den Angehörigen wurde Aufklärung versprochen. Aufklärung darüber, wie und warum die Opfer ausgewählt wurden, aber auch über die Rolle von Polizei und Geheimdienst, die trotz zahlreicher Zuträger aus dem NSU-Umfeld nichts verhindert haben“, sagt Marie Kemper vom Dortmunder Bündnis „Kein Schlussstrich“. „Der Prozess hat viele Fragen offen gelassen, auch weil die Bundesanwaltschaft sich nicht dafür interessierte.“

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Bereits bei einer Veranstaltung zum Gedenken an Mehmet Kubasik im April wurden Demonstrationen zum Tag der Urteilsverkündung angekündigt. Für den 11. Juli – oder „Tag X“, wie es im April hieß – sind nun tatsächlich in mehreren Städten Kundgebungen angekündigt. In Dortmund startet die Demonstration um 19 Uhr an der Reinoldikirche.

Beate Zschäpe distanzierte sich von den Vorwürfen

Beate Zschäpe, die sich im Prozess bisher fast ausschließlich schriftlich geäußert hatte, distanzierte sich in ihrem Schlusswort am Dienstag noch mal von den Morden und Anschlägen des NSU. Sie betonte, von den Morden erst im Nachhinein erfahren zu haben und keinerlei Kenntnis zu haben warum „gerade diese Menschen“ getötet worden sein.

Mit Material von DPA

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