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Trotz Protests in Salzgitter

Aus von HSP besiegelt - "Schließung unausweichlich"

DORTMUND Sie haben gehofft und gebangt. Doch ihr Protest war vergeblich. 300 Mitarbeiter und Unterstützer der Hoesch Spundwand und Profil GmbH (HSP) waren am Dienstag nach Salzgitter aufgebrochen. Sie protestierten dort vor der Verwaltung des Mutterkonzerns Salzgitter AG. Doch dessen Vorstand beschloss am Nachmittag das Aus des HSP-Werkes.

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Rund 1500 Kundgebungsteilnehmer machen sich nach der Ankunft vom Parkplatz zum Verwaltungsgebäude von Salzgitter auf.

Treffpunkt für die Reise der HSP-Mitarbeiter nach Salzgitter war der Union-Gewerbehof.

Überblick:

  • Unternehmen bestätigt: HSP-Werk wird geschlossen
  • 300 Dortmunder sind am Dienstag nach Salzgitter gereist
  • Sie protestierten gegen die mögliche Schließung des HSP-Werks
  • Vorstand des Mutterkonzerns Salzgitter AG tagte am Dienstag
  • Insgesamt nahmen 1500 Menschen an Kundgebung in Salzgitter teil

Aktualisierung 14.53 Uhr:

Nun ist es amtlich. In seiner Sitzung hat der Vorstand der Salzgitter AG am Dienstag beschlossen, den Geschäftsbetrieb der HSP Hoesch Spundwand und Profil GmbH (HSP), einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Salzgitter AG, stillzulegen. Das teilte das Unternehmen vor wenigen Minuten per Pressemitteilung mit. 

"Das Unternehmen produziert Stahlprofile, die vornehmlich im Wasserbau, Verkehrswegebau, Tiefbau und Umweltschutz eingesetzt werden. Eine seit Jahren rückläufige Nachfrage für diese Produkte führte trotz hoher Investitionen und Restrukturierungsanstrengungen immer wieder zu erheblichen Verlusten. Nachdem auch die Bemühungen um einen Verkauf an einen Erwerber mit einer kostengünstigeren Vormaterialversorgung nicht erfolgreich waren, war die Schließung zur Vermeidung weiterer negativer Folgen für den Konzern unausweichlich", heißt es in der Mitteilung.

Von der Maßnahme seien etwa 350 Mitarbeiter betroffen. Der Konzern setze sich für eine sozialverträgliche Regelung ein. 

Aktualisierung 13.27 Uhr:

Die Rückfahrt der sechs Busse nach Dortmund läuft. Nachdem Salzgitter-Vorstandschef Fuhrmann gesprochen hatte, meldete sich noch einmal Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, zu Wort. "Wir akzeptieren keinen Schließungbeschluss und fordern die Aufrechterhaltung der Produktion bis Ende des Jahres", rief er. 

Danach war die Kundgebung zu Ende, der Platz vor dem Verwaltungsgebäude leerte sich schnell. Schließlich standen in Grüppchen nur noch die HSP-Leute herum - viele von ihnen schockiert und fassungslos. "Es war klar, dass die nicht anders entscheiden, nur weil wir hier stehen", sagte Christian Görlich, der seit 2008 im HSP-Walzwerk arbeitet.

"Man hat damit gerechnet, trotzdem sitzt der Schock jetzt tief", sagte Betriebsratsmitglied Klaus Röhr, der nach Worten ringen musste. Trotz allem, so Röhr, müsse man sich jetzt einen Funken Hoffnung bewahren. 

Zurück in Dortmund, wollen die HSP-Beschäftigten am Nachmittag erneut eine Belegschaftsversammlung abhalten, um das weitere Vorgehen abzustimmen. 

Aktualisierung 12.28 Uhr:

Schlechte Nachrichten aus Salzgitter: Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann hat vor wenigen Minuten zu den Mitarbeitern gesprochen. Seine Aussagen lassen nichts Gutes verhoffen, so die Einschätzung unseres Redakteurs Michael Schnitzler. Zu einer Schließung gebe es keine Alternative, erklärte Fuhrmann gegenüber den lautstark protestierenden Mitarbeitern.

"Der Vorstand bespricht das Thema heute noch einmal. Möglicherweise geht es in Richtung eines auslaufenden Betriebs", sagte Fuhrmann wenige Minuten später zu wartenden Journalisten. Es laufe auf eine Schließung in Kürze hinaus. Auf die Nachfrage, was in Kürze bedeutet, antwortete Fuhrmann sinngemäß: Man werde das Werk innerhalb dieses Jahres schließen. Offiziell ist das Aus noch nicht.

Aktualisierung 11.26 Uhr:

Die rund 1500 Kundgebungsteilnehmer sind vom Parkplatz zum Verwaltungsgebäude gelaufen. Nicht nur Dortmunder Beschäftigte, sondern Mitarbeiter, Betriebsräte, Vertrauensleute von vielen Salzgitter AG Töchtern sind gekommen, um ihre Solidarität zu bekunden. Auch Delegationen unter anderem von VW sind dabei. 

 

Kämpferische Reden und tosender Beifall für HSP aus Dortmund in Salzgitter.

Ein von Michael Schnitzler (@schnitzlerm) gepostetes Video am 16. Jun 2015 um 2:47 Uhr

Bei der Kundgebung hat zunächst der hiesige zweite Bevollmächtigte der IG Metall Salzgitter gesprochen, danach der Salzgitter-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Hasan Cakir. Derzeit redet ein Mitarbeiter von HSP aus Dortmund, Michael Richter. Er hatte schon zuletzt bei der Belegschaftsversammlung gesprochen. Nicht nur HSP-Geschäftsführer Roger Schlim ist vor die Tür gekommen, auch Salzgitter-Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann hört zu. 

Kundgebung für HSP in Dortmund vor der Verwaltung der Salzgitter AG. https://t.co/ktpR3roGUO

— Michael Schnitzler (@SchnitzlerM)

Aktualisierung, 10.33 Uhr:

In wenigen Kilometern ist Salzgitter erreicht. Draußen ist es bewölkt, das trifft irgendwie auch auf die Stimmung zu. Da ändert es nichts, dass leise fröhliche Schlager aus dem Busradio dudeln. Zwei ältere Mitarbeiter erinnern sich an ihre lange Geschichte bei HSP: an die Zeit, als es bei Hoesch noch Zulagen "wie im Schlaraffenland" gab, an die Zeit, als Thyssen den Betrieb übernahm, aber Investitionen unterlassen habe. Und wie es jetzt in Salzgitter weitergeht? Ob der heutige Tag hierauf eine Antwort bringt, weiß in den Bussen niemand.

 

Es ist laut vor der Verwaltung der Salzgitter AG.

Ein von Michael Schnitzler (@schnitzlerm) gepostetes Video am 16. Jun 2015 um 2:43 Uhr

Aktualisierung, 9.17 Uhr:

Als Lektüre im Bus dient einigen Mitfahrern der "Stahlkocher", eine vierseitige "Zeitung von Kollegen für Kollegen", die extra für den heutigen Tag zusammengestellt wurde. 

Die unbekannten Autoren appellieren an die Beschäftigten, nicht aufzugeben und um den Erhalt des Werkes zu kämpfen. Auch zu selbstständigen Streiks wird aufgerufen. 

In der Zeitung ist auch von einem Brief die Rede, den Mitarbeiter vergangene Woche an den Chef des HSP-Mutterkonzerns Salzgitter AG, Heinz Jörg Fuhrmann, geschrieben haben. Die Autoren des Briefes berechnen und begründen, wie Vorstand und Geschäftsführung durch bewusste Entscheidungen auf über 20 Millionen Euro Gewinne verzichtet hätten.

Zudem wird in dem Brief mit Zahlen belegt, dass es genügend Nachfrage auf dem Markt gebe. 

Aktualisierung, 8.47 Uhr:

Auf der A2 kommt der HSP-Tross gut voran, befindet sich derzeit zwischen Bielefeld und Hannover. Bei einer ersten Rast stehen die Mitarbeiter zusammen, unterhalten sich über das, was der Tag bringen mag. Es werden ein paar Witze gemacht, es wird auch gelacht. "Das ist aber viel Galgenhumor dabei", sagt ein älterer Mitarbeiter.

Kaum jemand aus der Belegschaft, sagt er, glaube noch wirklich daran, dass das Werk gerettet werde. Die Umstehenden nicken. "Der Ofen ist aus", sagt jemand.

Mit in einem der sechs Busse sitzt auch Ludwig Boenigk, 62: Er ist einer der 100 festen Mitarbeiter, die bei HSP Ende März gehen mussten. Boenigk war damals "stinksauer", sagt er; er wechselte nicht in die angebotene Transfergesellschaft, sondern entschied sich dafür, zu Hause zu bleiben. 

Inzwischen hat er sich mit dem unfreiwillig frühen Ruhestand arrangiert. Aus Solidarität mit seinen alten Kollegen fährt er mit nach Salzgitter, um dort den Erhalt des Werkes zu fordern. 

Protest der HSP-Mitarbeiter

Nach Gewerkschaftsangaben sollen 1500 Leute an der Kundgebung teilgenommen haben.
Nach Gewerkschaftsangaben sollen 1500 Leute an der Kundgebung teilgenommen haben.
Nach Gewerkschaftsangaben sollen 1500 Leute an der Kundgebung teilgenommen haben.
Nach Gewerkschaftsangaben sollen 1500 Leute an der Kundgebung teilgenommen haben.
Nach Gewerkschaftsangaben sollen 1500 Leute an der Kundgebung teilgenommen haben.
Nach Gewerkschaftsangaben sollen 1500 Leute an der Kundgebung teilgenommen haben.
Nach Gewerkschaftsangaben sollen 1500 Leute an der Kundgebung teilgenommen haben.
Nach Gewerkschaftsangaben sollen 1500 Leute an der Kundgebung teilgenommen haben.
Nach Gewerkschaftsangaben sollen 1500 Leute an der Kundgebung teilgenommen haben.
Nach Gewerkschaftsangaben sollen 1500 Leute an der Kundgebung teilgenommen haben.
Nach Gewerkschaftsangaben sollen 1500 Leute an der Kundgebung teilgenommen haben.
Nach Gewerkschaftsangaben sollen 1500 Leute an der Kundgebung teilgenommen haben.
Nach Gewerkschaftsangaben sollen 1500 Leute an der Kundgebung teilgenommen haben.
Rund 1500 Kundgebungsteilnehmer machen sich nach der Ankunft vom Parkplatz zum Verwaltungsgebäude von Salzgitter auf.
Rund 1500 Kundgebungsteilnehmer machen sich nach der Ankunft vom Parkplatz zum Verwaltungsgebäude von Salzgitter auf.
Nicht nur Dortmunder Beschäftigte, sondern Mitarbeiter, Betriebsräte, Vertrauensleute von vielen Salzgitter AG Töchtern sind gekommen, um ihre Solidarität zu bekunden. Auch Delegationen unter anderem von VW sind dabei.
Nicht nur Dortmunder Beschäftigte, sondern Mitarbeiter, Betriebsräte, Vertrauensleute von vielen Salzgitter AG Töchtern sind gekommen, um ihre Solidarität zu bekunden. Auch Delegationen unter anderem von VW sind dabei.
Rund 1500 Kundgebungsteilnehmer machen sich nach der Ankunft vom Parkplatz zum Verwaltungsgebäude von Salzgitter auf.
In sechs Bussen fahren rund 300 Mitarbeiter und Unterstützer von HSP Richtung Salzgitter.
Die Stimmung ist noch nicht wirklich angespannt, aber auch nicht wirklich ausgelassen.
Der Dortmunder HSP-Tross ist auf der Reise nach Salzgitter.
Treffpunkt für die Reise der HSP-Mitarbeiter nach Salzgitter war der Union-Gewerbehof.
"Auch wir sind HSP, auch wir fühlen uns verraten", steht auf diesem Plakat.
Unter den Demonstranten sind auch Unterstützer.
Ob jemand von Salzgitter mit den Dortmundern reden wird, steht noch nicht fest.
Abfahrt: 6.45 Uhr am Union-Gewerbehof.

Aktualisierung, Dienstag, 7.23 Uhr:

Wie geplant, hat sich der Tross am Dienstagmorgen gegen 6.45 Uhr vom HSP-Werk an der Alten Radstraße 27 in Bewegung gesetzt. In sechs Bussen fahren rund 300 Mitarbeiter und Unterstützer von HSP nun die etwa drei Stunden in Richtung Salzgitter.

Die Stimmung ist noch nicht wirklich angespannt, aber auch nicht wirklich ausgelassen. Der Grund ist einfach: "Es geht um Arbeitsplätze", sagt Betriebsrat Peter Nunhofer. 

Die Fahrt nutzen viele Mitarbeiter, um noch etwas zu schlafen und dann ausgeruht zu sein für die Kundgebung in Salzgitter. Die soll um 11 Uhr vor der Hauptverwaltung der Salzgitter AG stattfinden. Deren Vorstand beschäftigt sich zur gleichen Zeit mit der Zukunft des Dortmunder Spundwandherstellers.

HSP-Mitarbeiter produzieren voll weiter

Anfang Juni hatte die HSP-Geschäftsführung den verbliebenen 343 Beschäftigten mitgeteilt, dass es auf eine Schließung des Werks an der Alten Radstraße hinauslaufen könnte.

Dagegen wehren sich die Mitarbeiter, die derzeit voll weiter produzieren. Sie fordern den Erhalt des Standortes und, eine mögliche positive Geschäftsentwicklung abzuwarten, die im April mit der Umstellung vom Drei- auf den Zwei-Schicht-Betrieb eingeleitet worden war. Damals hatte HSP 100 feste Mitarbeiter und 63 Leiharbeiter entlassen.

Hoffen auf ein positives Signal

"Dienstag steht die Produktion komplett", kündigte am Montagnachmittag HSP-Betriebsrats-Chef Klaus Frerichs an. In Salzgitter hoffen er und seine Kollegen, vom Mutterkonzern ein positives Signal zu erhalten, dass es bei HSP noch eine Zeitlang weitergeht. „Damit könnte ich leben“, so Frerichs. Dann bliebe Zeit, um womöglich doch noch einen Investor für HSP zu finden.

Ob am Dienstag überhaupt jemand vom Salzgitter-Vorstand mit den HSP-Beschäftigten redet, war am Montag laut Frerichs noch unklar. Dafür sprechen bei der Kundgebung unter anderem der Salzgitter-Konzernbetriebsrats-Vorsitzende, Frerichs selbst sowie Hans-Jürgen Urban, Vorstandsmitglied der IG Metall und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates von Salzgitter.

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