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Janis Joplin

Blumenkinder im Hansa-Theater

HÖRDE Einem Engel das letzte Interview zu geben und noch einmal das ganze, aber sehr kurze Leben Revue passieren zu lassen, das hätte wohl auch Trash-Diva Janis Joplin gefallen.

Blumenkinder im Hansa-Theater

Christoph Nitz, Inga Strothmüller und Katja Kutz (von links) begeisterten das Premieren-Publikum in Hansa-Theater.

Es ist der 4. Oktober 1970. Janis Joplin setzt sich die letzte Heroinspritze, der Engel kommt, mit nur 27 Jahren stirbt eine Ikone der Hippie-Zeit, eine Sängerin, die den Blues gelebt hat wie keine zweite weiße Sängerin. Regisseur und Autor Jost Krüger hat dieser „Janis im Wunderland“ im Hansa-Theater in Hörde ein Denkmal gesetzt. Und das Premieren-Publikum feierte die neue Revue am Freitagabend beinahe mit Woodstock-Euphorie. Texte, kleine Schauspielszenen, die klug ausgewählte Spots auf das kurze, intensive Leben werfen, und Musik haben genau die richtige Mischung.

Und Katja Kutz lebt diese Janis mit jeder Faser ihrer Stimmbänder und ihres Körpers, ist eine großartige Sängerin, die sich die Posen der extravaganten, alkohol- und drogenabhängigen Frau ganz genau abgeschaut hat und das „Für-immer-jung-Gefühl“ der Blumenkinder wunderbar auf die Bühne bringt.

Dabei versucht sie nicht die kratzige, rauhe Stimme des „Crying Babe“ zu imitieren, sondern singt die großen Joplin-Hits auf ihre Art, aber mit immer mehr Ekstase. Spätestens bei den ersten großen Club-Erfolgen von Janis Joplin 1961 hat Katja Kutz, etwas blond-gelockter als das Original, den Saal gerockt und das Publikum ins Wunderland geführt.

Christoph Nitz steuert in vielen kleinen Rollen und als Bühnenpartner der Joplin die Country-Stimme bei; Inga Strothmüller verwandelt sich von Janis‘ schüchterner, kleiner Schwester Laura in Freundin Linda und den Engel. Musikalisch sind die drei vor der Live-Band und der Video-Wand, über die Bilder von Janis Joplin flimmern, ein Traum-Trio mit gewaltiger Bühnenpräsenz. Am Schluss summte und sang der ganze Saal – noch auf dem Heimweg auf der Straße. Janis hat alle Zuschauer lang zu Blumenkindern gemacht. Eine Revue, die das Zeug hat, Kult zu werden wie die Sinatra- oder Johnny-Cash-Revue.

 www.hansa-theater-hoerde.de

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