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Rundgang mit Immobilienmakler

Darum gibt es immer längere Leerstände in Dortmunds City

Dortmund Müller, Rossmann, Mister Spex: Das sind nur einige der Unternehmen, denen Andreas Grüß zu einer Filiale am Westenhellweg verholfen hat. Der Makler kennt die Dortmunder City. Uns hat er bei einem Rundgang verraten, wie es um den Ruf des Standorts bestellt ist - und warum sich die Dortmunder an längere Leerstände gewöhnen müssen.

Darum gibt es immer längere Leerstände in Dortmunds City

Andreas Grüß arbeitet für das Maklerunternehmen Lührmann und kennt den Westenhellweg gut. Zuletzt hat sein Unternehmen die Drogeriekette Müller (links im Hintergrund) mit dem Eigentümer Alte Leipziger zusammengebracht. Foto: Michael Schnitzler

Mittwochvormittag steht Andreas Grüß vor der Thier-Galerie, es geht los zu einem Gang durch die City. Viele Passanten tragen dicke Jacken, Schals, Mützen. Grüß hingegen hat den Mantel weit geöffnet, er redet sich warm, so viel kann er über den Handel erzählen. Der 35-Jährige ist Geschäftsführer von Lührmann Osnabrück – das auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierte Maklerunternehmen hat sechs Standorte und ist in 150 deutschen Städten aktiv.

"Dortmund genießt einen sehr guten Ruf"

Stets in 1A-Lagen wie dem Westenhellweg, den Grüß einmal pro Woche besucht. Zuletzt hat Lührmann die Drogeriemarktkette Müller mit der Alten Leipziger Versicherung zusammengebracht: Der gehört die Immobilie, in der Müller vor einer Woche eröffnet hat. Grüß weist auf dem Westenhellweg ständig nach links und rechts. Rossmann haben die Lührmann-Experten vor Jahren einen Laden vermittelt, der Alten Leipziger verhalfen sie zu Mietern wie Calzedonia (Strümpfe) und dem Brezelbäcker Ditsch. Dort gegenüber hat unlängst der Online-Optiker Mister Spex eröffnet – auch hier vermittelte Lührmann.

Grüß kennt sich also aus, kann die Situation des Handels in der City beurteilen. „Dortmund genießt einen sehr guten Ruf bei Einzelhändlern bundesweit“, sagt er, die meisten Ketten hätten die Stadt und insbesondere den besucherstarken Westenhellweg auf dem Schirm. Aber: Dortmund sei in den Augen mancher Marken eben kein „niveaubehafteter“ Standort wie Hamburg oder München. Apple, erzählt Grüß, habe einmal die Eröffnung eines Ladens auf dem Westenhellweg geprüft – eine Ansiedlung aber verworfen. Auch bei Luxusmarken wie Prada und Gucci stehe Dortmund bisher „überhaupt nicht auf der Agenda“.

DORTMUND Müller ist von Hause aus eine Drogeriemarktkette. Wer die am Donnerstag (30. November) eröffnende erste Filiale in Dortmund besucht, steht allerdings in einem stattlichen Kaufhaus. Auf drei Etagen gibt‘s auch Bücher, Spielwaren, Wein, und, und, und. Das könnte manchem Händler in Dortmund wehtun. mehr...

Leerstände bleiben länger leer

Einen Trend sieht Grüß seit zwei, drei Jahren darin, dass Einzelhändler Ladenlokale – Zuschnitt und Lage – viel kritischer beäugen als früher. Mehr und mehr würden Läden künftig als „Showrooms“ dienen, „die Händler wollen mit ihren Läden einen Wow-Effekt erzielen“. Dazu müsse es überall strahlen und glänzen, Glasfassaden bis in die zweite Etage seien gefragt. So, wie bei Müller. Und so, wie neuerdings auch bei Karstadt.

Dass die Händler penibel auswählen, führt laut Grüß auch dazu, dass Leerstände länger bestehen bleiben als früher. Eher sechs bis neun als drei bis vier Monate. Die Händler wollen das passende Ladenlokal finden und keinen Fehler machen. Und weil die Online-Konkurrenz an ihren Umsätzen knapst, wollen sie bei der Miete sparen. Viele Händler „sind nicht mehr bereit, Spitzenmieten zu bezahlen“, hatte schon vor einem Jahr auch Frank Emmerich, Einzelhandels-Chef für Deutschland beim weltweit tätigen Gewerbeimmobilienmakler CBRE, für Dortmund festgestellt.

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Das Problem, sagt Grüß: „Wir Makler haben die Eigentümer über Jahre verrückt gemacht, welche hohen Mieten sie erzielen können.“ Umzudenken sei nun schwer: „Vor allem der private Vermieter will noch nicht wahrhaben, dass die Miete sinkt.“ Teils erheblich, um Tausende Euro.

Überhaupt, die Eigentümer. Die könnten, sagt Grüß, heute kaum mehr Zehn-Jahres-Mietverträge aushandeln, schon eher Fünf-Jahres-Verträge. Ketten wie H&M und Zara pochten gar auf Mietlaufzeiten von nur drei Jahren. „Das ist für die Eigentümer natürlich ärgerlich“, sagt Grüß. Zumal sie mehr in die Läden investieren müssten, um eben bei den wählerischen Händlern Anklang zu finden.

Weitere Veränderungen kündigen sich an

Wo Eigentümer nicht das Interesse von Mietern wecken oder man sich nicht über die Miete einig wird, bleiben Läden lange leer – so zum Beispiel seit einem Jahr die frühere McDonald‘s-Filiale am Ostenhellweg. In anderen Läden ziehen lediglich Interimsmieter ein, zum Beispiel „Projekt 11“ an der Ecke Ostenhellweg/Kleppingstraße, ein Laden für einfache Textilien.

Andreas Grüß berichtet auch von Läden, die bald schließen („Ist noch nicht offiziell“) und anderen, die einen Standort in Dortmund suchen. Als solche nennt der Experte etwa die Modeketten Bershka und Pull & Bear (beide zählen zum Zara-Mutterkonzern Inditex), CCC Schuhe (vergleichbar mit Deichmann) und die H&M-Marke COS.

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