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Das Leben in einer fremden Welt

Aplerbeck Arm, karg, vom Krieg zerstört - so sehen die meisten Menschen Afghanistan. Karla Schefter aber, die seit 18 Jahren in Afghanistan lebt und half, dort ein Krankenhaus aufzubauen, kennt auch die schönen Seiten des Landes.

Das Leben in einer fremden Welt

Rund 50 Gäste waren in das Aplerbecker Gemeindezentrum St. Ewaldi gekommen, um der ehemaligen leitenden OP-Schwester des Dortmunder Klinikums zuzuhören. Eingeladen hatte dazu die Kolpingfamilie. Karla Schefter (Foto) hatte 1989 auf eine Annonce in einer medizinischen Fachzeitschrift reagiert, die Ärzte und Pflegepersonal für Einsätze in Afghanistan suchte.

"Ursprünglich hatte ich mich nur für ein Jahr beurlauben lassen. Mit der Grundsteinlegung für das Krankenhaus im August 1989 begann dann aber meine seit 18 Jahren andauernde Arbeit." Das 65 Kilometer südlich von Kabul gelegene Krankenhaus wurde in den Folgejahren immer weiter ausgebaut.

"Heute haben wir 64 Mitarbeiter, 60 Betten und behandeln im Monat bis zu 7000 Patienten", berichtete die Projektleiterin stolz.

Verschleierte Frauen

Doch welche Eindrücke sammelt sie vor Ort? "In den Provinzen sind alle Frauen verschleiert. Die Burka ist dort Tradition, deshalb tragen die Frauen sie aus freien Stücken." Auch Karla Schefter trägt eine solche Burka: "Aus Respekt und weil ich mich nicht selbst ausgrenzen möchte."

Das Leben und die Arbeit in Afghanistan sind nicht mit den Verhältnissen im Westen zu vergleichen. "Alles ist dort am Existenzminimum. Man muss sich eben zu helfen wissen und das Beste aus den Möglichkeiten machen", so die praktisch veranlagte Krankenschwester.

Dass Afghanistan von einem Krieg nach dem anderen heimgesucht wird, wirkt sich selbstverständlich auch auf die Bevölkerung aus. "Alle sind vom Krieg betroffen und gezeichnet, deshalb leiden viele Menschen unter Depressionen", berichtete sie der Gemeinde. Da es in Afghanistan aber kaum Therapiemöglichkeiten gibt, versuchen die Menschen ihre negativen Erfahrungen durch "Schönes" zu kompensieren und erfreuen sich am Geruch von Blumen und Äpfeln.

Nicht nur Medikamente

"Für mich ist es wichtig, den Menschen neben Medikamenten vor allem Freude mitzubringen", erklärte die 65-Jährige. Kraft schöpft Karla Schefter aus der Schönheit des Landes und den Menschen vor Ort. "Das Schöne dort ist, dass jung und alt noch zusammen gehören, und dass das Alter als weise gilt", erzählt sie weiter.

Im Winter kehrt sie immer für drei Monate nach Deutschland zurück. "Ohne Heizung ist es in Afghanistan dann einfach zu kalt. Außerdem mache ich Vortragsreisen, besuche Konzerte und genieße einfach den Frieden hier." Die Zuhörer zeigten sich von dem Vortrag durchweg begeistert: "Es war sehr informativ, mal Eindrücke von jemanden zu bekommen, der vor Ort lebt", so die Organisatorin des Abends, Elsbeth Schäfer. Günter Rekos kann sich nur anschließen: "Ein interessanter Abend mit völlig neuen Einblicken." Julia Schemmer

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