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Ungewöhnlicher Zugang zum Rap

Das ist der Dortmunder Musiker Goldroger

DORTMUND Es gibt heute so viele Wege neue Musik zu entdecken. In der digitalen Empfehlungskultur bestimmen oft Algorithmen den Geschmack. Umso erfrischender ist der Weg, auf dem Redakteur Felix Guth auf Goldroger, einen jungen Hip-Hop-Musiker mit Dortmunder Wurzeln und einer verheißungsvollen Zukunft, gestoßen ist. Im Vorbeigehen.

Das ist der Dortmunder Musiker Goldroger

Sebastian Goldstein ist Goldroger.

Juicy-Beats-Festival, Ende Juli 2016: Auf der „Bring Your Own Beats“-Bühne des Dortmunder Jugendamts steht ein Kerl mit halblanger Matte und Schlapphut und rappt mit einer ansteckenden Gelassenheit irrwitzige Geschichten zu live gespielter Jazz-Gitarre und cleveren Beats. Es sind nur wenige Minuten, doch sie hinterlassen Wirkung. Da macht jemand etwas anders in diesem Hip-Kosmos, in dem oft alles seine feste Konstellation hat. Sebastian Goldstein, der Kerl mit dem Schlapphut, benannt nach einem Piraten-Bösewicht aus einem Manga-Comic, macht es offenbar richtig.

„Avrakadavra“ ist erschienen

Drei Monate nach dieser Zufallsbegegnung strahlt er immer noch Gelassenheit aus. Aber er steckt auch im Stress. Am vergangenen Freitag (14. Oktober) ist „Avrakadavra“ erschienen, das zweite Album nach „Räuberleiter“ von 2015 und das erste, das mit Promotion, einer Tour und der berechtigten Hoffnung auf ein wenig Ruhm verbunden ist. „Das Live-Set macht gerade eine Menge Arbeit. Es steckt hinter allem etwas mehr dahinter als bisher“, sagt Goldroger. Hip-Hop-Magazine und Nachwuchs-Scouts der Musikbranche sprechen gerne über den gebürtigen Dortmunder. Zwei Touren stehen bevor, die Fangemeinde wächst, die Besprechungen von „Avrakadavra“ sind positiv. Alles noch nicht das übergroße Pop-Geschäft. Aber für den Dortmunder so intensiv, „dass ich jetzt schon Angst habe, dass es von Heute auf Morgen wieder weg ist“.

Der 25-Jährige lebt seit einigen Jahren in Köln. Dort traf er auf das Produzenten-Duo „Dienst & Schulter“, das den Sound auf dem Album prägt. „Wir haben es irgendwie geschafft unsere eigene Schublade aufzumachen“, sagt Sebastian Goldstein.

Hineingepackt hat er neben klassischen Beat-Bausteinen und einer wellenauftürmender Rhythmik auch vieles, was andere Hip-Hop-Musiker gerne aussortieren. Die jazzigen Gitarren, gespielt von einem Teil von „Dienst & Schulter“, auf einem technischen Niveau, das Goldroger „übergut“ nennt. Dazu Songstrukturen, die sphärischen Soul mit Indie-Rock, Elektro-Einflüssen und vielen Effekt-Spielereien vermischen. „Bis vor wenigen Jahren“, sagt der Rapper offen, „konnte ich mit Rap nichts anfangen“. Schuld daran sei das Bild gewesen, das deutscher Rap in den 2000er-Jahren in der Öffentlichkeit transportiert hatte. Statt „Chauvi-Zeug mit einem komischen Frauenbild“ hörte Goldstein lieber Gitarren-Musik. „Bis ich meinen eigenen Zugang zum Rap gefunden habe.“

Anekdotische Erlebnisse eines Mitte 20-Jährigen

Der besteht aus oft klugen Kurzgeschichten, mit untypischer Akzentuierung und Phonetik. Der Inhalt: Anekdotische Erlebnisse eines Mitte 20-Jährigen, die Erinnerungen an Jugend, Party und den ersten Lebensschmerz mit Verlust und Verzweiflung. Dazwischen Verweise auf Gesellschaftstheorien und Literatur. „Es geht ums Zuhören, nicht nur ums Kopfnicken.“

Vieles von dem, was Goldroger insbesondere in seinen älteren Texten erzählt, hat sich in Dortmund abgespielt. Hier ist er aufgewachsen, hier hat sich seine Jugend zwischen Skater-Rampen im Stadtgarten und Hombruch abgespielt. „Hier hatte ich vor zwei Jahren das erste Mal eine Basis für meine eigene Musik. Ohne Dortmund hätte ich niemals gerappt“, sagt er. Das Hip-Hop-Kollektiv „SBK Basement“ ließ ihn beim „Adler-Jam“ in einem Hinterhof an der Adlerstraße erstmals öffentlich ans Mikrofon. Weitere Dortmunder Kreative, wie die Illustratorinnen von „Yawn“ oder die Videomacher von „Oh My“, sind Teil des spannenden Musik-Projekts.

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