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"Das war wirklich Horror"

DORTMUND Seine Tochter hatte Tee gekocht. „Ich fahre eben Zucker kaufen“, sagte Mustapha Rabai. Doch an diesem Abend kam er nicht mehr nach Hause – ein Räuber schoss den 59-Jährigen nieder.

"Das war wirklich Horror"

Mustapha Rabai, 59, wurde Anfang Februar von einem Räuber niedergeschossen.

Knapp einen Monat nach dem brutalen Überfall an der Plus-Filiale in Brechten besuchen wir den Mann, der dabei lebensgefährlich verletzt worden war. Behutsam setzt er seine Schritte, lässt sich im Wohnzimmer auf das schwarze Ledersofa sinken. „Es geht mir ein wenig besser, aber die Wunden schmerzen noch sehr“, sagt Mustapha Rabai, knöpft sein Hemd auf und zeigt eine lange Narbe, die von der Brust zum Rücken reicht.

Albträume in der Nacht

Erst schoss mir der Täter dreimal ins Bein, dann in den Arm. Die letzte Kugel war fast tödlich, sie glitt an den Knochen entlang, durchschlug die Lunge.“ Der verwitwete Vater von vier Töchtern und einem Sohn schließt für einen Moment die Augen.Dann beugt er sich langsam nach vorne.

„Wissen Sie“, sagt er, „das Schlimmste sind die Nächte. Ich kann kaum noch schlafen, wenn, dann habe ich Albträume.“ Immer wieder blitzten die Szenen durch sein Unterbewusstsein. Der dunkle Freitagabend. Rabai war der letzte Kunde. „Als ich das Geschäft verlassen wollte, drängte mich der maskierte Täter wieder rein. Die Angestellten hatten sich in Sicherheit gebracht. Die Kasse ließ sich nicht öffnen, da wollte er mein Portemonnaie. Aber das war bis auf vier Euro leer.“

Der große Räuber wirkt nervös, zielt ständig mit der Waffe auf Rabais Kopf. Die Situation dauert schier endlos. „Das war wirklich Horror, ich hatte ja keine Ahnung, was er noch vorhat, wusste nicht, was ich machen soll.“ Plötzlich fällt der Ersatzschlüssel aus der Geldbörse, der Verbrecher blickt zu Boden. Mustapha Rabai handelt. „Ich habe ihn zur Seite geschubst, riss seine Sturmhaube herunter. Dann fielen die Schüsse.“ Der Täter flüchtet, es wird still.

Notoperation rettet Leben

Tatsächlich sind die ersten Polizisten nach vier Minuten am Tatort. „Obwohl ich kaum mehr atmen konnte, habe ich ihnen den Räuber beschrieben, aus Angst, in Ohnmacht zu fallen und nicht mehr dazu zu kommen.“ Nach einer Viertelstunde trifft der Notarzt ein. Ein Rettungswagen fährt den 59-Jährigen ins Krankenhaus nach Brambauer – wegen der schweren Verletzungen wird er später noch zu Spezialisten in die Unfallklinik und zur Herzchirurgie in die Beurhausstraße gebracht. Eine Notoperation rettet sein Leben.

„Aber mein Leben hat sich geändert, nichts ist mehr wie früher.“ Rabai wiegt das Gerät, mit dem er seine Lunge trainieren soll, in den Händen. „Ich war nie ängstlich, doch jetzt traue ich mich allein nicht mehr aus dem Haus.“ Eine neue Arbeitsstelle habe er in Aussicht gehabt, daran sei nicht mehr zu denken. Zum Glück sei der Verbrecher wenigstens verhaftet worden – das Opfer hatte ihn auf Polizeifotos identifizieren können. „Vor Gericht werde ich ihn wiedersehen. Ich würde ihn gerne fragen: ‚Warum?‘ Ich hatte doch getan, was er wollte.“

Weißer Ring half

Die Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ habe ihm schnell und unbürokratisch geholfen, jetzt auch eine Psychotherapeutin empfohlen. „Da gehe ich morgen hin. So kann ich jedenfalls nicht weiterleben.“

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