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Den Ausgleich gestalten

Die Evangelische Kirche begeht am heutigen 21. November den Buß- und Bettag. Darüber sprach RN-Redakteur Andreas Wegener mit Pfarrer Friedrich Stiller, Mitglied der Armutskonferenz.

Den Ausgleich gestalten

<p>Pfarrer Friedrich Stiller: Kinder sind besonders von Armut betroffen. Wegener</p>

Welche Bedeutung hat der Tag heute noch für die Christen?

S tiller : Gemeinsame Bußtage in Krisen- und Notzeiten gab es schon immer. Auch wenn der Staat diesen Feiertag aufgegeben hat, feiern wir ihn weiter. Als Gelegenheit zur Besinnung: Was läuft falsch in meinem Leben, in unserem Zusammenleben? Soziale Probleme spielen eine wichtige Rolle.

Und wie versucht die Ev. Kirche, die Menschen an diesem Tag zu erreichen?

Stiller: In allen Gemeinden werden Gottesdienste angeboten. In St. Reinoldi gestalten wir wieder einen sozialpolitischen Gottesdienst. Es geht um den neuen Bericht zur sozialen Lage in Dortmund.

Das klingt nach trockener Materie...

Stiller: Es geht nicht um Zahlen, es geht um Schicksale. Kinder sind besonders von Armut betroffen. Ihre Bildungschancen sind schlecht. Etliche Stadtteile drohen auf Dauer abgehängt zu werden. Wir haben Fachleute eingeladen: Ulrike Kletezka von der IG Metall, Peter Seger, Sprecher der Gesamtschulen, Ulrich Spangenberg von der Bezirksverwaltung Hörde und der Journalist Erdmann Linde. Er wird das Verhältnis von arm und reich beleuchten.

Wie wird der Gottesdienst denn ablaufen?

Stiller: Es wird ein besonderer Gottesdienst werden. Meine Kollegin Judith Palm leitet die Liturgie mit Gebeten und Liedern, die Experten informieren und ich halte eine Kurzpredigt. Sogar diskutieren können die Besucher - nach der Predigt laden wir zum Gespräch bei Brot und Wein. Und zwischendurch sorgt Kantor Klaus Müller mit der Reinoldi-Schola für Musik.

Für eine gerechtere Verteilung zwischen Arm und Reich lässt sich trefflich beten, aber wer muss deswegen Buße tun?

Stiller: Es geht nicht um Schuldzuweisungen. Es gibt eine Form des Gebets, die heißt Klage. Da trägt man Gott das vor, womit man nicht fertig wird. Und dazu gehört, wie es in einem so reichen Land soviel Armut geben kann - und soviel Reichtum. Wie übernehmen wir Verantwortung füreinander, gestalten den sozialen Ausgleich - eine Frage, die schon die ersten Christen beschäftigte.

Der Gottesdienst beginnt heute um 19.30 Uhr in der Reinoldikirche. Dazu sind alle Interessierten unabhängig von ihrer Konfession eingeladen. Anschließend gibt es im Turmraum eine kurze Einführung in den Sozialbericht.

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