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Philipp Weber im Cabaret Queue

Der Kabarettist sagt: „Dortmund: Das lachen wir uns schön!“

Dortmund Gegen Manipulation, gegen Marketing und sinnlose Bedürfnisse richtet sich das neue Programm des Kabarettisten Philipp Weber. Am Samstag, 10. Januar, tritt er im Cabaret Queue auf. Auch er selbst ist in einer Sache ein Marketing-Opfer.

Der Kabarettist sagt: „Dortmund: Das lachen wir uns schön!“

Philipp Weber steht am 10. Februar im Cabaret Queue auf der Bühne. Foto: Pressefoto WortLaut Kulturbüro

Er will die Dinge in seinem Leben so konsumieren, wie er will. Ohne, dass er dabei manipuliert wird. Ganz bewusst. „Weber No.5: Ich liebe ihn“ ist der Titel von Philipp Webers neuem Kabarettprogramm. Am Samstag, 10. Februar, tritt er damit im Cabaret Queue auf. Im Interview erzählt er, welchem Marketing er selbst zum Opfer fällt.

Steht Ihnen gut, das weiße Tutu auf den Pressefotos. Konnten Sie sich einen Kindheitstraum erfüllen? Oder war das eine lästige PR-Idee?

Es war Liebe auf den ersten Blick. Nicht du trägst das Kleid, das Kleid trägt dich. Man zieht es an und tanzt. Ein Mann, der noch nie ein Tutu getragen hat, hat nicht gelebt.

Streng gesehen ist das Kleid ja Marketing für ihre Show. Was wollen Sie uns damit verkaufen?

Ich bin Kabarettist und Komiker. Manchmal mache ich Dinge aus nur einem Grund, weil es komisch ist. Ein sehr guter Grund übrigens.

Welches Image soll Ihnen das Kleidchen geben?

Das Motiv meines Plakates will natürlich die bizarre Scheinwelt der Marketingwelt parodieren. Die verzuckerten, rosaroten Versprechen von Schönheit, Erfolg, Sicherheit und Glück. Die sich natürlich mit der Realität beißen.

Der Kabarettist sagt: „Dortmund: Das lachen wir uns schön!“

Für die Pressefotos seines Kabarettprogramms „Weber No.5: Ich liebe ihn“ ist Philipp Weber in ein weißes Tutu geschlüpft. Foto: Pressefoto WortLaut Kulturbüro

Konsum ist klasse und Besitz macht glücklich – warum haben Menschen mit dieser Denkweise ein Problem?

Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich. Deswegen ist schon die Aufklärung im Besitz eine große Gefahr für die menschliche Freiheit. Außerdem macht die Angst vor dem Verlust von Besitz oft unglücklicher als das Besitzen selbst. Doch ich bin kein Asket. Es geht nicht um die Reinigung von Leidenschaften, sondern um die Reinigung der Leidenschaften. Kaufen und genießen, aber bewusst. Das heißt, konsumieren wie ich es will und nicht wie andere wollen, dass ich es will.

Wieso haben Sie ausgerechnet Konsum und Marketing zum Thema Ihres neuen Programms gemacht?

Da muss ich etwas richtig stellen. Es geht um Manipulation. Und das am Beispiel des Marketings. Aber alle machen Marketing. Alle versuchen, dir etwas anzudrehen. Ein Produkt. Eine Wahrheit. Eine Lebensweise. Und Sie wollen etwas dafür. Egal, ob Konzernchef, Politiker. Religionen. Der eigene Ehepartner.

Werbung schafft Bedürfnisse, die wir ohne sie nicht hätten. Sehen Sie das so?

Exakter formuliert: Marketing lenkt die Aufmerksamkeit des Menschen von befriedigten auf unbefriedigte Bedürfnisse. Aber: Das ist ganz, ganz wichtig! Die Leute setzten heute Marketing und Werbung gleich. Doch Werbung ist heute nur ein Teil des modernen Marketings. Und bei weitem der am wenigsten manipulative Teil. Heute wird mit ganz anderen Tricks gearbeitet.

Welche Bedürfnisse haben wir denn nicht?

Bedürfnislos zu sein. Denn ohne Bedürfnisse keine Gefühle und ohne Gefühle kein gelungenes Leben.

Welcher Werbung sind Sie schon mal verfallen?

Küchengeräte. Ich liebe Küchengeräte. Ich habe alles: von der Kartoffelpresse bis zur Saucenpipette. Vom Marinade-Injektor bis zum Ofen-Barometer. Ich habe ein 54 teiliges Klingenset. Mit zwei verschiedenen Lardier-Messern!

Was machen Sie damit?

Damit könnte ich lardieren, wenn ich wüsste, was lardieren eigentlich ist. Ich habe einen Sandwich-Maker, Muffin-Maker, einen Shake-Maker. Ich habe festgestellt, allein mit meinem Mayonnaise-Maker kann ich 53 Partygäste gleichzeitig mit Salmonellen infizieren! Ich habe eine elektrische Salatschleuder. 800 Watt. Ein Knopfdruck und mein Feldsalat ist ein Smoothie. Bei Küchengeräten bin ich ein vollkommenes Marketing-Opfer!

In Ihrem Programm geben Sie auch einige eigens erdachte Werbesprüche zum Besten. Zum Beispiel „Uli Hoeneß: Ohne Advocard würde ich heute noch sitzen.“ In welchen Situationen fällt Ihnen so etwas ein?

Sehr unspektakulär. Am Schreibtisch. Komik ist harte Arbeit. Je lustiger der Text ist, desto mehr Schweiß steckt meistens dahinter. Und ich schwitze beim Arbeiten sehr viel.

Der Kabarettist sagt: „Dortmund: Das lachen wir uns schön!“

Marketing vernebelt den Verstand des Menschen und regt seine wichtigsten Sinne an: den Blödsinn, Wahnsinn und Irrsinn, sagt Philipp Weber. Foto: Pressefoto WortLaut Kulturbüro

Sie sagen, Marketing spielt nicht nur beim Shoppen eine Rolle. Welche Rolle spielt es in einer Beziehung?

Auch in einer Beziehung wird manipuliert, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Wir kennen das alle: Wenn die Argumente nicht ausreichen, helfen Tränen sicher weiter. Wenn ich an meine Freundin denke: Es funktioniert. Auf die Art und Weise habe ich mir im Baumarkt schon einen Laubbläser erflennt!

Und welche Rolle hat es in der Politik?

Unterschätzen Sie nie die Macht der Emotionen. Wir treten gerade politisch wieder in ein Zeitalter der Irrationalität ein. Und das hat einen Grund. Die Menschen folgen in ihren Entscheidungen lieber ihren Gefühlen als rationalen Erwägungen. Und man kann nichts leichter manipulieren als den Gefühlshaushalt der Menschen. Das werde ich sehr komisch aufzeigen.

„Frenetisch brabbelnd und atemlos“ hat eine Lokalzeitung aus Franken sie beschrieben. Passt das auf Sie?

Nein. Ich „brabbel“ nicht. Ich habe ein zügiges Tempo beim Sprechen, das ist richtig. Aber ich muss schließlich sehr, sehr viele Pointen in einem begrenzten Zeitrahmen unterbringen. Eine andere Zeitung hat mich mal das „Maschinengewehr des deutschen Kabaretts“ genannt. Das gefällt mir besser.

Am 10 Februar nun Dortmund. Welches Image hat Dortmund für Sie?

Ich hatte immer viel Freude mit den Dortmundern. Und nur sehr lustige Abende mit ihnen. Ich bin hier schon mit wildfremden Menschen in der Kneipe versackt, wenn ich nach der Show noch irgendwo ein Bier trinken wollte. Man kommt schnell ins Gespräch. Deswegen habe ich Dortmund als sehr offene und freundliche Stadt erlebt. Aber ich bin auch kein Schalke- oder gar Bayern-Fan!

Und welches Image versucht die Stadt aktuell mit „Darum Dortmund“, zu verkaufen?

Das weiß ich nicht. Und das weiß wohl auch nicht mal Dortmund. Das lässt der Slogan „Darum Dortmund“ ja auch geflissentlich offen.

Ich habe Ihnen die Motive der Imagekampagne gezeigt. Ihre Meinung dazu?

Ja, das ist vielleicht gendertechnisch etwas diskutabel. Um es mal vorsichtig auszudrücken. Doch es ist auch nicht besonders originell, was die schlimmere Sünde ist.

Wie würde Ihr Werbeslogan für Dortmund lauten?

Dortmund: Das lachen wir uns schön!

Philipp Weber ist am Samstag (10. 2.) im Cabaret Queue

Philipp Weber kommt ursprünglich aus dem Odenwald und ist 43 Jahre alt. Er hat 2008 den Deutschen Kabarettpreis gewonnen.

Am Samstag (10.2.) steht er im Cabaret Queue auf der Bühne, ab 20 Uhr.

Karten im Vorverkauf (z.B. Online beim Cabaret Queue) zwischen 17 und 24 Euro, an der Abendkasse ab 19 bis 26 Euro.

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