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Zur HMKV-Ausstellung "Böse Clowns"

Der Künstler Abner Preis im Interview: "Ich will, dass sie fühlen"

DORTMUND Eine sehr beängstigende Kurzgeschichte hat der Künstler Abner Preis verfilmt: mit 40 Menschen aus Dortmund und Umgebung, von Kopf bis Fuß als Clowns kostümiert, und mit einem neuen - weniger beängstigenden - Ende. Am Freitag hat der Film in der Ausstellung „Böse Clowns“ im Hartware-Medienkunstverein Premiere.

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Gegen eine Clownsnase hat er nichts: Abner Preis hat die Film-Installation »The Village's Biggest Loser« in der HMKV-Schau »Böse Clowns« mit 40 Dortmundern gefilmt.

Dies ist ein Foto vom Filmdreh mit den maskierten Dortmundern.

Abner Preis‘ Film basiert auf der Kurzgeschichte „Die Lotterie“ der Amerikanerin Shirley Jackson: Einmal im Jahr nehmen die Bewohner eines Dorfs an einer Verlosung teil – und der Ausgeloste wird von allen anderen gesteinigt, als eine Art Opfer für gute Ernte. Im Gespräch mit Tilman Abegg erzählt Preis von seinem Film mit einem neuen Ende und davon, wie der entstanden ist.

Ganz wunderbare. Es haben von einem sechs Monate alten Baby bis zu einer 80-jährigen Dame alle Altersgruppen aus vielen verschiedenen Berufen mitgemacht, das war ein großes Glück. Das ergibt ein gutes Bild nicht nur von Dortmund, sondern von der Gesellschaft in Deutschland und Europa.

Genau. Wir hatten hier ein richtiges Dorf.

Nein.

Das ist interessant. Ich bin ein Vater, die Choreografin ist eine Mutter, also haben wir uns gefragt: Wie weit wollen wir mit den Kindern gehen? Ich wusste, dass mein Film besser endet als in der Kurzgeschichte. Aber wenn ich ein brutales Ende gewollt hätte, hätte ich vielleicht auch Kinder mitspielen lassen. Wir leben in einer brutalen Welt. Filme und Nachrichten transportieren immer mehr Brutalität. Meine Arbeit basiert nicht auf Brutalität, sondern auf Happy Ends. Aber ich glaube nicht, dass ein Erwachsener besser mit Horror umgehen als ein Kind. Ein Kind kann besser loslassen. (Überlegt) Ich werde meine Arbeit nicht ändern aus Angst davor, was ein Kind fühlen könnte.

Sicher. Aber ich möchte gerne glauben, dass ich alle Menschen gleich behandle. In so einem Fall haben die Eltern die Verantwortung für ihr Kind, nicht der Künstler. In diesem Film haben alle Eltern gewusst, was passieren wird, bevor sie ihre Kinder haben mitmachen lassen.

Ich glaube, sie hatten viel Spaß. Es gibt eine sehr gruselige Szene, aber gruselig auf Clown-Art.

Wenn Sie in einem Clowns-Kostüm etwas Beängstigendes tun, dann wird es lustig – zumindest fast.

Vielleicht für den Zuschauer, aber nicht unbedingt für den Kostümierten selbst. In dem Moment, in ich die Maske aufsetze, fühle ich mich frei und erlöst, bereit, loszulassen und Dinge zu tun, die ich sonst niemals tun würde.

An den ersten beiden Tagen waren einige skeptisch...

Ich glaube, weil sie sich nicht vorstellen konnten, dass man in zwei Tagen etwas wirklich Schönes erschaffen kann. Wir haben Spiele gemacht, sind rumgesprungen, haben uns wie Clowns aufgeführt – das ist albern, aber es macht Spaß. Trotzdem dachten einige vielleicht: Mache ich mich hier lächerlich? Nutzt der Künstler mich aus? Aber dieser Wahnsinn hatte Methode, nicht ohne Grund haben wir uns zwei Stunden am Freitag, drei Stunden am Samstag und sieben Stunden am Sonntag getroffen. Man muss Vertrauen aufbauen. Am Ende trugen sie das Make-Up auf – und wir waren wie eine Familie. Und das ist die Magie: Wir haben ein Stück gemacht, ein wirklich gutes Stück in drei Tagen. Schwer zu glauben. Die Leute sagten hinterher: Ich hätte das nie gedacht. Das liebe ich.

Leuten zu helfen, an die Einfachheit einer Geschichte zu glauben. Kindergeschichten sind so einfach. Mit ihnen fängt jeder an. Die Katze ging spazieren. Die Katze sah einen Vogel. Und so weiter. Wenn du daran glaubst, eine Geschichte ganz einfach und klar zu erzählen, dann kannst du das auch. Ich musste bei dem Filmdreh niemandem beibringen, sich wie ein Clown zu benehmen – denn das hat jeder Mensch in sich. Dieses Lustige, Alberne, Tingelnde.

Inke (Arns, Leiterin des HMKV, Anm.d.Red.) fragte mich, ob ich bei dieser Ausstellung mitmache. Ich hatte schon seit Jahren daran gearbeitet, die Geschichte von Shirley Jackson neu zu interpretieren. Und diese Idee mit den Clowns passte perfekt in die Idee von diesem Dorf. Das Clown-Kostüm machte die Geschichte besser. Tiefer, dichter, gruseliger. Jeder ist menschlich und jeder ist ein Clown. Die Clownskostüme betonen die Tatsache, dass wir alle menschlich sind.

Stellen Sie sich vor, Sie kommen aus dem Weltraum und landen auf einem neuen Planeten, wo alle wie Clowns aussehen – das wäre ein gewaltiges Erlebnis. Ich möchte, dass die Zuschauer das erleben. Das Clown-Element hilft dabei, sich wie an einem völlig unbekannten Ort zu fühlen. Und es hilft, etwas Bekanntes neu zu betrachten.

Der Film ist zehn Minuten lang, eine einzige Szene ohne Schnitt. Alle wussten, es gibt keine zweite Chance, es wird nichts nachträglich geändert. Ich habe ihnen erklärt: Ihr könnt nichts falsch machen. Ihr sollt nicht meine Vorstellung umsetzen. Das ist Realität, und da passieren unvorhergesehen Dinge. Das Baby schreit. Jemand macht ein Geräusch. Das soll auch so sein. Das ist wunderbar, und man fühlt das.

Und die Zuschauer sitzen in der Mitte der Installation und sind damit Teil des Films, Teil dessen, was passiert.

Vielleicht, aber wenn Sie die Filme sehen, denken Sie das nicht mehr. Meine Happy Ends sind nicht kitschig, sondern eher ironisch. Nicht wirklich happy.

Ich boxe, daher vergleiche ich es mal so: Heutzutage werden wir bombardiert mit viel zu vielen Informationen. Wir haben uns angewöhnt, permanent die Deckung hochzuhalten und unseren Kopf davor zu schützen. Aber unser Herz schützen wir nicht. Wenn ich aufs Herz ziele, kann ich die Zuschauer noch erreichen. Ich mache Kunst seit den 80ern, und die Menschen sind heute so empfänglich wie nie zuvor für emotionale Dinge. Mit meiner Happy-Art möchte ich nicht, dass die Menschen denken, sondern dass sie fühlen.

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