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Gotteshaus als Modell

Die Dortmunder Reinoldikirche zum Anfassen

Dortmund Modellbauer Felix Florian hat viel Zeit investiert. In der Modellbauwerkstatt der TU Dortmund hat er die Reinoldikirche im Maßstab 1:100 nachgebaut. Das Modell ist aber nicht nur etwas fürs Auge.

Die Dortmunder Reinoldikirche zum Anfassen

Dirk von Kölln (r.), Leiter der Modellbauwerkstatt der TU, unterstützt das Projekt von Anschauungsmodellbauer Felix Florian. Das sogenannte Massenmodell und der Grundriss sind schon fertig. Foto: Dominik Gumprich

Felix Florian blickt auf sein Werkstück. Er kommt ins Grübeln. Zählt innerlich Tage, Stunden. Dann meint er leise: „Wie viele Arbeitsstunden ich da rein gesteckt habe, kann ich gar nicht sagen.“ Sein Ausbilder Dirk von Kölln springt ihm zur Seite: „250 dürften es gewesen sein.“ Und diesen enormen Aufwand sieht man.

Felix Florian (25) ist seit Juli angestellter Geselle in der Modellbauwerkstatt der TU Dortmund. Seine genaue Berufsbezeichnung lautet Anschauungsmodellbauer. Sein erstes großes Projekt ist die Reinoldikirche. Mitten in der großen Holzwerkstatt steht sie. Aus hellem Birkenkolz, im Maßstab 1:100. Man sieht das Modell schon von Weitem. Es ist beeindruckend. Auch wenn das Filigrane fehlt. Aber das soll so sein. Das Modell ist für Blinde. Sie können am Modell die Umrisse der Kirche ertasten – wenn es denn dann einmal in der Kirche ausgestellt wird.

Vereinfachte Details

„Wir haben im Vorfeld mit einem Blinden verschiedene Formen und Größen getestet, so sind wir dann auch auf den Maßstab 1:100 gekommen. Das Modell durfte nicht zu groß, aber auch nicht zu klein sein. Details sollten so vereinfacht wie möglich dargestellt werden“, erklärt Werkstattleiter Dirk von Kölln.

Wann das Modell in der Reinoldikirche – die derzeit renoviert wird – ausgestellt werden kann, steht noch nicht fest. Das gesamte Reinoldi-Projekt von Felix Florian ist ja auch noch gar nicht fertig. Es umfasst insgesamt fünf Modelle. Dazu gehören der reine Baukörper und der Grundriss. Diese beiden Modelle sind fertig, müssen nur noch mit einer schützenden Lackierung überzogen werden. Es folgt noch ein Modell vom Querschnitt des Kirchenschiffs. „Dabei geht es um das Gewölbe“, sagt Florian. Hinzu kommen noch eine Nachbildung der verzierten Spitzbogenfenster sowie ein Schnittmodell des Chors. „Dazu gibt es aber noch keine genauen Pläne“, sagt der 25-Jährige.

Teil einer Doktorarbeit

Die Modelle sind Teil der Doktorarbeit von Andrea Klotz. Sie untersucht, wie man örtliche Begebenheiten für Blinde sichtbar machen kann. „Das Projekt hat mir gut gefallen. Und auch die Kirche war sofort begeistert. Und für Felix ist es eine tolle Sache, seine Fähigkeiten zu erweitern“, sagt Werkstattleiter Dirk von Kölln, der deshalb das Projekt bereitwillig in das Werkstattbudget aufgenommen hat. „Ansonsten wäre so etwas kaum zu bezahlen, für eine Doktorandin erst recht nicht.“

Das liebe Geld ist auch dafür verantwortlich, dass das Berufsbild des Anschauungsmodellbauers ausstirbt. „Viele scheuen die Kosten. Handarbeit ist eben teuer. Virtuelle Programme und die Digitalisierung tun ihr übriges“, erzählt Dirk von Kölln. Auftraggeber für Anschauungsmodellbauer sind zum Beispiel Architekten und Stadtverwaltungen.

Nur noch eine Klasse

Von Köllns Schützling Felix Florian hatte schon immer das Bastel-Gen, studierte zunächst aber Maschinenbau. „Das habe ich abgebrochen und mir etwas praktischeres ausgesucht“, sagt der 25-Jährige. Und man merkt, er hat es nicht bereut. Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung. Der theoretische Teil findet in einer Berufsschule in Hagen statt. Im letzten Ausbildungsjahr geht es zum Blockunterricht ins hessische Biedenkopf. In Deutschland gibt es nur noch diese eine Klasse für Anschauungsmodellbauer.

Für sein Gesellenstück hat Florian einen Preis bekommen. Aus Kunststoff und Plexiglas fertigte er eine überdimensionierte LED an. Damit wurde er Landessieger im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks Technischer Modellbau, Fachrichtung Anschauung. „Wir sind richtig stolz auf Felix und froh, dass er bei uns arbeitet“, lobt von Kölln.

In 40 Stunden zum Sieg

Für sein prämiertes Werk hatte Florian nur 40 Stunden Zeit. Bei der Reinoldikirche ist er jetzt schon bei 250 – laut seinem Werkstattleiter. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

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