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"Die Realität ist spannend genug"

Doris Meißner-Johannknecht hat 30 Kinder- und Jugendbücher geschrieben, die in renommierten Verlagen erschienen und in elf Sprachen übersetzt wurden. Einige wurden verfilmt, für andere erhielt sie Preise. Und doch bleibt der Dortmunder Autorin zum 60. Geburtstag, den sie heute feiert, noch ein Wunsch: "Ich will einen Bestseller schreiben."

"Die Realität ist spannend genug"

<p>Die Kinder- und Jugendbuchautorin Doris Meißner-Johannknecht wird heute 60 Jahre alt. Sie schreibt erst seit 17 Jahren - dies jedoch enorm erfolgreich. Ihr Bücher erschienen bei Carlsen, Beltz, Oetinger oder Ravensburger. Pinetzki</p>

Die Autorin trägt ein schwarzes Hemd zur schwarzen Lederhose, auf der Nase eine runde, schwarze Brille und in der Hand wahlweise ein Zigarillo oder einen Espresso. Liegt es an ihren lebendigen Augen und dem breiten, meist lachenden Mund, dass das viele Schwarz sie kein bisschen streng aussehen lässt?

Doris Meißner-Johannknecht schreibt seit erst 17 Jahren, vorher war sie Gymnasiallehrerin und verfasste Kritiken über Kinder- und Jugendbücher. So wie viele gute Kinderbuchautoren musste sie sich wohl erst viele Jahre von der Zielgruppe entfernen, um derart erfolgreich für sie schreiben zu können. "Dabei fühle ich mich meist wie 25", sagt sie lachend, "60 - das ist doch nur eine Zahl".

Ihre Protagonisten lernen, Probleme zu bewältigen, die das Großwerden heute mit sich bringt. Sonja darf ihre Wasserschildkröte nicht behalten. Beeke-Luise muss mit den wechselnden Männern ihrer Mutter klarkommen. Zeno ist als Schwuler ein Außenseiter. "Die Mädchen in meinen Romanen sind mutig und setzen sich durch. Die Jungs haben weibliche Anteile", sagt Doris Meißner-Johannknecht, "das habe ich gar nicht so geplant, das ist so passiert" - es ist wohl ihr Idealbild von der Gesellschaft, geprägt durch Pippi Langstrumpf, das erste Buch, das sie als Kind las.

Fantasy - nein danke

Konjunktur haben solche Kinder-Charaktere zurzeit nicht, weiß sie: "Viele Verlage wollen Serien nach dem Erfolg von Harry Potter, und in Jugendbüchern sind Girlies angesagt, die nur Jungs im Kopf haben. So etwas würde ich nie schreiben." Und Fantasy? "Die Realität und normale Menschen sind spannend genug."

Ein Buch beginnt für Doris Meißner-Johannknecht mit einer Idee, "von der ich besessen sein muss - ohne Leidenschaft kann ich nicht schreiben". Manchmal dauert es Jahre, bis daraus mehr wird.

Skizze auf Kellnerblock

Die Geschichte zu ihrem aktuellsten und bereits ausgezeichneten Kinder-Bilderbuch "Das Geschenk" um einen Jungen und seinen geistig behinderten Zwillingsbruder trug sie 13 Jahre mit sich herum, bis sie sie in einem Restaurant, beim Warten auf den Lammbraten, auf dem Kellnerblock niederschrieb.

Die Idee zum Roman, der ein Bestseller werden soll, ist 15 Jahre alt. Es geht um die Lebensgeschichte dreier hoch begabter Musiker. Die Ergebnisse vierjähriger Recherche für diesen Roman stehen auf ordentlich sortierten Karteikarten. Neun Seiten sind bereits fertig, "ich streiche immer wieder daran herum und verdichte. Ich ringe um jedes Wort", sagt sie. Breites, ausschweifendes Erzählen mag sie nicht, ihre Sprache ist direkt, klar und komprimiert - "leider ist das zurzeit nicht sehr angesagt. Ich habe Mühe, etwas zum Lesen zu finden, was mir gefällt" - zuletzt war das ,Tannöd' von Andrea M. Schenkel.

Dortmund statt Wien

Früher musste Doris Meißner-Johannknecht auf eine einsame Berghütte fahren, um ein Buch zu vollenden. Seitdem sie in ihrem efeubewachsenen Häuschen in Kirchhörde lebt, braucht sie das nicht mehr. Ihr Arbeitszimmer im Dachgeschoss erlaubt einen Blick in den Garten, in dem sie sich dann und wann eine Kaffee-, Rauch- und Denkpause gönnt. "Ich will hier gar nicht mehr weg, jede Lesereise ist schon hart. Dabei wollte ich immer raus aus Dortmund, nach Wien, Berlin oder Mallorca", sagt sie, "jetzt bin ich hier verwurzelt". Katrin Pinetzki

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