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Die Schönauerin Joanna Henning ist gepilgert

Portugiesischer Jakobsweg

Die Schönauerin Joanna Henning war im Mai auf dem portugiesischen Jakobsweg unterwegs. Alleine wollte sie allerdings nicht gehen.

Schönau

01.07.2018
Die Schönauerin Joanna Henning ist gepilgert

Joanna Henning ist im Mai den portugiesischen Jakobsweg gegangen. Auf ihrem Pilgerausweis (Credencial del Pelegrino), mit dem sie am Ende eine Pilgerurkunde erhielt, wurden die Stationen auf dem Weg abgestempelt. © Carolin West

Die Pilgersaison auf den verschiedenen Routen des Jakobsweges ist in vollem Gange. Jedes Jahr machen sich bereits einige wenige im März auf den Weg, ab Mai werden es immer mehr, bevor die Anzahl der Pilger im Monat August ihren Höhepunkt erreicht.

Für Joanna Henning ging es an Pfingsten los. Ihr Ziel: an Fronleichnam in Santiago de Compostela ankommen. „Ich hatte nur zehn Tage Zeit, mit den Flügen 12“, erklärt sie. Und die Dauer der Reise entschied dann auch über die Route. „Ich habe im Internet und in Reiseführern nachgelesen, welche Route zu schaffen wäre“, sagt Joanna Henning. Der portugiesische Weg sei die beste Option gewesen. Die Route habe sie dann aber selbst geplant, aus verschiedenen Reiseführern „zusammengebastelt“.

Ihre Motivation, den Jakobsweg zu gehen, sei nicht unbedingt religiös gewesen, obwohl Joanna Henning katholisch erzogen wurde. Sie habe einfach schon immer den Wunsch danach verspürt. Doch ganz allein zu gehen, kam für sie nicht infrage. „Ich habe mich einfach nicht getraut“, sagt Joanna Henning. „Ich habe mich gefragt, ob man als Frau überhaupt gut alleine gehen kann oder, ob man Angst haben muss.“

265-Kilometer-Strecke

Eine Freundin aus Köln entschied sich schließlich, Joanna Henning zu begleiten. „Sie hat das vor allem für mich gemacht, aber am Ende fand sie die Reise auch faszinierend.“ Die Route der beiden Frauen war etwa 265 Kilometer lang. Täglich sind sie bis zu 30 Kilometer gelaufen. Zu Beginn seien es auch manchmal mehr gewesen, weil sie den Weg nicht fanden. „Wir haben uns anfangs immer verlaufen“, erzählt Joanna Henning und lacht.

Andere Pilger schenkten ihnen Armbänder, auf denen die Muschel aufgedruckt war, die auch auf den Hinweisschildern des Jakobsweges zu sehen ist. „Dann sind wir immer der Muschel gefolgt.“ Die Unterkünfte auf dem Weg hatten Joanna Henning und ihre Freundin bereits von Deutschland aus gebucht. „Wir waren deshalb so oder so gezwungen, immer bis zur nächsten Pension zu laufen.“

Die Schönauerin Joanna Henning ist gepilgert

Die Schuhe ließ Joanna an einem von vielen Ablageorten auf dem Jakobsweg zurück. © Privat

Im Gepäck hatten die beiden sechs Kilogramm Kleidung, Schlafsäcke und Schuhe. Und selbst das sei noch zu viel gewesen, erzählt Joanna Henning. Ihre Turnschuhe ließ sie deshalb an einem von vielen Ablageorten, an denen Pilger Ballast abwerfen, zurück. „Die besten Schuhe taugen nichts.“ Am bequemsten seien am Ende ihre Sandalen gewesen. Auch, weil sie Blasen an den Füßen hatte.

Alle sind hilfsbereit

Eine andere Pilgerin habe ihr dann den Tipp gegeben, die Blasen mit Nadel und Faden zu durchstechen und den Faden drin zu lassen. „So konnte die Blase nicht wieder zu wachsen und das Wundwasser ablaufen“, erklärt Joanna Henning. „Das war ein toller Tipp, dafür hätte ich mich gerne bedankt – leider habe ich sie nicht wiedergesehen.“ Die Pilgerin sei nur ein Beispiel für die Hilfsbereitschaft der Menschen, die sie auf dem Weg trafen.

Und so ging der Plan, an Fronleichnam am Ziel zu sein, schließlich auf. Erleichterung, Euphorie und Glück seien ihre ersten Gefühle bei der Ankunft in Santiago de Compostela gewesen, so Joanna Henning. Darunter mischte sich jedoch auch Nachdenklichkeit. „Auf dem Weg sieht man viel Armut und in der Kathedrale ist dann alles aus Gold“, sagt sie. „Da fragt man sich doch: Muss das so sein, ist das so richtig?“

Die Schönauerin Joanna Henning ist gepilgert

Die Landschaft entlang des Jakobsweges hat Joanna Henning mit am besten gefallen. © Privat

Trotzdem sei die Reise an sich eine tolle Erfahrung gewesen. Ihre anfängliche Sorge, alleine zu gehen, habe sich in Luft aufgelöst. Und deshalb plant Joanna Henning bereits die nächste Pilgerreise – allein. „Dann möchte ich den französischen Weg gehen“, erzählt sie. „Und vor allem möchte ich mir mehr Zeit nehmen, um mich mehr vertiefen und kennenlernen zu können.“

Circa neun Prozent der Pilger entscheiden sich für den Camino Portugues, also den portugiesischen Jakobsweg – Tendenz steigend. Die meisten Pilger (78 Prozent) kommen über den Camino Francés, der durch Spanien nach Santiago de Compostela führt. Weitere Infos im Internet unter www.jakobsweg.de
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