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Die schnellste Taube Dortmunds

Sieger des Regionalflugs der Taubenzüchter

Mit über 107 km/h hat eine Taube des Züchters Ralf Kämpf beim Regionalflug NRW alle anderen hinter sich gelassen. Der Sieger eines der hochrangigsten Wettbewerbe der Taubenzüchter kommt aus Bodelschwingh. Hier verrät Kämpf seine Geheimnisse.

Bodelschwingh

von Holger Bergmann

, 11.06.2018
Die schnellste Taube Dortmunds

Schlank und leicht: Nummer 32 hat Ralf Kämpfs bislang größten Erfolg geflogen. © Holger Bergmann

Das hat Ralf Kämpf noch nie erlebt, seit er vor 53 Jahren in die Zaubenzucht seines Vaters einstieg: Eine seiner Tauben war vor zwei Wochen die Schnellste bei einem Regionalflug, einem der hochrangigsten Wettbewerbe dieses Sports in NRW. Mit einer überdurchschnittlich hohen Geschwindigkeit von 107,3 km/h erreichte die Taube bereits nach drei Stunden und 32 Minuten von Neumarkt ihren Heimatschlag in Bodelschwingh.

„Einfach der perfekte Seitenwind“

Das lässt den ehemaligen Elektriker im Kraftwerk Knepper aber erstaunlich ruhig: „Zufall“, sagt er zu dem Erfolg. Auf dem Niveau fänden sich bei der Zeitnahme rund 500 Vögel innerhalb einer Minute. „Wenn man da gewinnt, hatte die Taube einfach den perfekten Seitenwind.“

Obwohl der Zufall gar nicht so groß ist. Immerhin hat die Taube mit dem wenig romantischen Namen „Nr. 32“ in diesem Jahr bereits fünf von sechs Flügen der Reisevereinigung Dortmund-West gewonnen. Im vergangenen Jahr waren es 10 von 13 Flügen. Und Messfehler können es auch nicht sein. Die Heimkehr einer Taube wird dank eines Chips digital erfasst und die Entfernung des Schlages zum Auflassort ist ebenfalls genau erfasst. Nr. 32 muss dann doch eine richtig gute Taube sein.

Der Sieg liegt Nr. 32 in den Genen

Sie stammt aus einem Gelege von 2015. Als einziges ihrer Geschwister hat sie es zur Spitzentaube geschafft. Ihre Eltern waren ebenfalls erfolgreiche Reisende. Warum nicht alle Nachkommen die Talente zeigen, ist für Ralf Kämpf ein Rätsel. Doch seine Tauben bringen regelmäßig schnelle Exemplare hervor und so ist er zufrieden.

Momentan wohnen in Kämpfs Schlag, der von Generation zu Generation seiner Familie umgebaut und erweitert wurde, 110 Vögel. Davon sind 50 Jungvögel, 15 Brutpaare und 30 Wettkampf-Tauben. Besser gesagt es waren 30 Wettkampf-Tauben. Nach sechs Flügen kamen zwei Vögel verletzt wieder zurück, vermutlich nach Falken-Attacken. Ein Vogel kehrte nicht wieder.

Mit gebrochenem Flügel nach Hause gefunden

Die zwei verletzten Tiere erholen sich im Schlag. Sie haben Ralf Kämpf sehr beeindruckt. „Mit schweren Verletzungen, gebrochenem Flügel und zwei gebrochenen Beinen, trotzdem den Falken abschütteln und den Weg nach Hause finden, das ist eine starke Leistung, Tauben haben einen eisernen Willen.“

Raubvögel sind eine ständige Bedrohung für Taubenzüchter wie Ralf Kämpf, mit der er ebenso gelassen umgeht, wie mit seinen Siegen: „Das passiert eben“. Und dabei ist er besonders stark betroffen. Von der Wiese vor seinem Schlag kann man direkt auf den Schornstein des ehemaligen Kraftwerks Knepper blicken. Dort hängt ein Nistkasten für Wanderfalken. Doch die Wanderfalken und andere Räuber bleiben nicht in Kraftwerksnähe. Oft sitzen sie einfach in den Bäumen über dem Schlag und lassen sich auf die Tauben fallen, meistens beim Training. Aber nicht immer mit Erfolg. Tauben sind zäh.

Ralf Kämpf trainiert seine Tauben täglich. Die würden viel lieber am Schlag bleiben und rumsitzen. Doch ihr Trainer scheucht sie mit einer bunten Fahne in die Luft und lässt sie eine Stunde nicht landen.

Warum die Tauben dann nicht einfach wegfliegen und woanders landen? „Die Tauben sind auf den Schlag fixiert“, sagt Ralf Kämpf. „Manche Tauben auch auf den Züchter oder den Nist-Partner.“ So einen wird Nr. 32 vermutlich bereits nächstes Jahr bekommen, dann wird das Weibchen aus dem Wettbewerb abgezogen und soll die nächsten Generationen von Champions ausbrüten.

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