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Foto aus Bulgarien diskreditiert die Nordstadt

Dieses Bild stammt nicht aus Dortmund

Dortmund Ein 2011 im bulgarischen Plovdiv aufgenommenes Bild der Ruhr Nachrichten wird im Internet für Propaganda und Populismus missbraucht. Die Dortmunder Nordstadt gerät damit immer wieder in Verruf.

Dieses Bild stammt nicht aus Dortmund

Aus Plovdiv wird die Nordstadt: Dieses Foto der Ruhr Nachrichten, das vor sieben Jahren in Bulgarien aufgenommen wurde, wird von Usern auf Twitter und Facebook missbraucht. Foto: Peter Bandermann (Archiv)

Im Februar 2011 besuchten Gaby Kolle und Peter Bandermann aus der Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten die bulgarische Stadt Plovdiv, um in dem Armutsbezirk Stolipinovo zu ergründen, warum so viele Bürger aus dem Stadtteil in die Dortmunder Nordstadt auswandern. Dabei entstand ein Foto: eine defekte gelbe Rutsche vor einer heruntergekommenen Hochhaus-Kulisse inmitten von viel Müll.

Das Foto hatte damals Symbolcharakter für die Armut der Roma in dem Bezirk und wurde seitdem immer wieder von Rechtspopulisten und Rechtsextremisten im Internet kopiert und missbraucht. Urheberrechte interessierten die Verursacher nicht. Die Anonymität im Internet erleichterte die Urheberrechtsverletzungen. Der „Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch“ mit Sitz in Wien erhielt aktuell wieder „etliche Anfragen“ zu dem Bild. Der Verein geht gegen Desinformation im Internet vor.

Missbrauchs-Beispiele:

  • Im „Allmystery“-Forum schreibt ein Verfasser, dass er sich in der Nordstadt eine Wohnung angesehen habe – und fragt, ob jemand in ein „Großstadt-Ghetto“ wie die Nordstadt ziehen würde – er veröffentlichte das Rutschen-Bild aus Plovdiv, um so die Nordstadt zu illustrieren.
    Dieses Bild stammt nicht aus Dortmund

  • Benutzt wird das Foto auch, um die Diskussion um Diesel-Fahrverbote zu bebildern. Unter der Überschrift „Dortmund Nord 2018“ berichtet im Internet ein Autor über die „Inquisition gegen den Diesel“. Sein Fazit unter dem Foto: „Aber Gott sei Dank fährt hier bald kein dreckiger Diesel mehr durch! Danke Deutschland!“ Ein Essener Autohaus kopierte das.
    Dieses Bild stammt nicht aus Dortmund

  • „Hartes Geld“ ist der Name eines Autors beim Kurznachrichtendienst Twitter. Er veröffentlichte das Foto von der Rutsche ebenfalls, um es in der Nordstadt zu verorten. Er merkt an, dass deutsche Städte („wie etwa Dortmund, siehe Bild“) durch ein Diesel-Fahrverbot „endlich wieder lebenswert“ würden.
    Dieses Bild stammt nicht aus Dortmund

Suche bei Facebook

Die Verwendung des Fotos in Kombination mit dem Namen Nordstadt führt inzwischen dazu, dass sogar die Suchmaschinen bei Google das Foto der Nordstadt zuweisen. Wer „Nordstadt Ghetto“ eingibt, erhält bei der Bildersuche die gelbe Rutsche.

Dieses Bild stammt nicht aus Dortmund

In keinem Fall baten die Autoren bei unserer Redaktion um Einverständnis für die Verwendung. Strafrechtlich ein Verstoß gegen Paragraf 106 des Urheberrechtsgesetzes, der mit Geld- und Freiheitsstrafen bedroht ist.

Zivilrechtlich kann ein Verstoß ebenfalls ins Geld gehen: „Der Inhaber der Bildrechte kann Anspruch auf eine Verpflichtungs- und Unterlassungserklärung und Schadensersatz durchsetzen“, sagt der Dortmunder Jurist Sebastian Fricke aus der Rechtsanwaltskanzlei Schaefermeyer – dazu kommen Anwaltskosten, die dem Verursacher aufs Auge gedrückt werden können.

Auskunftsrecht des Bild-Besitzers

Ein Foto zu kopieren und zu verbreiten, ohne vorher den Eigentümer zu fragen und bei der Veröffentlichung zu nennen – Sebastian Fricke rät davon ab und legt Internet-Nutzern nahe, sich auf der „Null-Risiko-Linie“ zu bewegen. „Unbedingt die Bildrechte prüfen“, sagt der Anwalt. Wer ein nicht selbst aufgenommenes Foto veröffentlichen wolle, sollte vorher den Urheber um Erlaubnis fragen.

Der Bild-Besitzer kann ein Auskunftsrecht in Anspruch nehmen: Wer gegen das Urheberrecht verstoßen hat, muss weitere Informationen offen legen, zum Beispiel darüber, wo das Bild noch verwendet worden ist.

Dienste wie Facebook, Twitter oder Google sind verpflichtet, Hinweise auf Urheberrechtsverstöße zu prüfen. Im Fall „Hartes Geld“ reagierte Twitter am Donnerstag schnell: Nach dem Hinweis um 18.18 Uhr erhielten wir 13 Minuten später die Information, dass die Veröffentlichung „gesperrt“ worden sei. Der Internet-Riese Google hält ebenfalls ein Formular bereit, mit dem Verstöße an Bildrechten gemeldet werden können, bebildert die Nordstadt aber weiter mit der gelben Rutsche aus Stolipinovo.

Folgen können teuer sein

- Schadensersatz kann schnell einen dreistelligen Euro-Betrag kosten.

- Wer dann auch noch den Namen des Bildautors nicht genannt hat, muss das Doppelte zahlen – das nennt sich 100-prozentiger Verletzerzuschlag.

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