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Dortmund plant kommunales Literaturstipendium

Stadt sucht Stadtschreiber

Man muss es dem internationalen Autorenverband PEN zuschreiben, dass Dortmund einen Stadtschreiber oder eine Stadtschreiberin bekommen soll – wie 22 andere deutsche Städte. Dortmund hat allerdings eine buchstäbliche Besonderheit.

Dortmund

von Gaby Kolle

, 20.06.2018
Dortmund plant kommunales Literaturstipendium

Da hat der Stadtbeschreiber oder die Stadtbeschreiberin richtig viel zu schreiben: Der Phoenix-See an der Stelle des ehemaligen Stahlwerks ist ein tolles Beispiel für die „Transformation des Urbanen“ und für die Veränderungen der Lebensbedingungen, die auch mit dem Strukturwandel einhergehen. © Blossey

Die Idee war bei der PEN-Tagung vor einem Jahr im U-Turm geboren. Dortmund sei so spannend. Ob die Stadt nicht einen Stadtschreiber haben wolle, fragten die Literaten. Sie haben es nicht dabei belassen und noch mal nachgehakt. Mit Erfolg. Wenn der Rat dem entsprechenden Vorschlag der Verwaltungsspitze zustimmt, richtet die Stadt ab 2019 ein solches Literaturstipendium ein, das dann alljährlich vergeben wird. Allerdings soll es nicht einfach ein Stadtschreiber sein, der über irgendein Thema etwas zu Papier bringt, sondern ein Stadtbeschreiber oder -beschreiberin, erläutert Kulturdezernent Jörg Stüdemann.

In Dortmund als Stadt des Strukturwandels soll der Stadtschreiber die „Transformation des Urbanen“ beleuchten, die Konflikte, kulturellen Muster und Veränderungen beschreiben, die die Globalisierung und die Digitalisierung mit sich bringen und damit auch das persönliche Leben grundlegend verändern.

„Stadtschreiber“-Stipendien existieren in Deutschland seit 1974. Sie ermöglichen Schriftstellern ein wirtschaftlich abgesichertes literarisches Arbeiten.

Möblierte Wohnung und 1800 Euro Honorar


In Dortmund will man dem Autor oder der Autorin zwischen Mai und Oktober eine möblierte Wohnung in fußläufiger Nähe des Literaturhauses am Neuen Graben (Kreuzviertel) unentgeltlich zur Verfügung stellen. Damit er sich ganz dem literarischen Arbeiten widmen kann, bekommt er von der Stadt ein monatliches Pauschalhonorar von 1800 Euro.

Zudem können die Stadtbeschreiber andere Autoren zu drei Lesungen beziehungsweise Literaturveranstaltungen einladen. Sie sollen auch in den Programmen der Volkshochschule, der Stadt- und Landesbibliothek sowie von Kulturvereinigungen Berücksichtigung finden.

Das Literaturhaus Dortmund und das städtische Kulturbüro werden das Stipendium betreuen und den Stadtbeschreiber in die Öffentlichkeit und städtische Gesellschaft einführen.

Eine Voraussetzung

Der Stadtbeschreiber muss allerdings eine Voraussetzung erfüllen: Er muss bereits ein Buch veröffentlicht haben. Der Kulturausschuss wird jeweils im Vorjahr über die Vergabe des Stipendiums entscheiden. Ausgewählt wird der Bewerber von einer Jury. Ihr gehören Vertreter des PEN-Zentrums Deutschland an sowie eines Literaturfeuilletons, der Stadt- und Landesbibliothek, des Literaturhauses, der Hochschulen, der Kulturverwaltung und des Kulturausschusses.

Wenn der Rat zustimmt, wird die entsprechende Satzung nach der Sommerpause vorgestellt. Finanziert wird das Stipendium über die städtische Kulturförderung, die mit dem Haushalt 2018 bereits aufgestockt wurde.

Das erste Stadtschreiberamt als literarische Auszeichnung seit 1974 geht auf den Autor der legendären Gruppe 47, Franz Joseph Schneider zurück. In seiner Heimatstadt Bergen-Enkheim konnte der Autor Kommunalpolitiker für seine Idee des Stadtschreibers begeistern. Ebenso bedeutend ist das Stadtschreiberamt in Dresden und Mainz.
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