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Islamist in Nordstadt

Dortmunder Polizei hat Bombenattentäter im Visier

DORTMUND Seit einem Jahr wohnt ein verurteilter Bombenattentäter in der Dortmunder Nordstadt. Im Internet unterstützt er offen radikale Islamisten. Die Dortmunder Polizei hat ihn im Visier.

Dortmunder Polizei hat Bombenattentäter im Visier

Ein mutmaßlicher radikaler Salafist betreibt von Dortmund aus Propaganda.

Ein verurteilter Bombenattentäter lebt seit einem Jahr in der Dortmunder Nordstadt. Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass Reinhard S. (Name von der Redaktion geändert) von hier aus Beziehungen in die Salafisten-Szene unterhält. Seine Gesinnung verbirgt der zum Islam konvertierte Linksradikale nicht. Auf einem Internetportal ruft er unter dem Namen „Muntasir bi-lla“ zum „islamischen Widerstand gegen die Imperialisten, USA und BRD“ sowie zur „Errichtung eines internationalen Kalifatstaats“ auf. Als mögliches Ziel des Widerstands benennt er hier die US-Militär-Basis „Ramstein“ in Rheinland-Pfalz.

S. pflegt ein „Facebook“-Profil, in dem er offen radikale Islamisten unterstützt. Mehrfach besuchte er Veranstaltungen von Salafisten, etwa Anfang Mai in Bonn, wo es zu Gewalt gegen Polizisten kam. S. wurde unter anderem wegen vierfachen versuchten Mordes durch Brand- und Sprengstoffanschläge zu 13 Jahren Haft verurteilt.Das Bundesinnenministerium spricht von einer „abstrakten Gefährlichkeit wegen der terroristischen Vergangenheit und seiner belegten Kontakte in das islamistische Umfeld“. Die Dortmunder Polizei teilt mit, sie habe S. und seine Aktivitäten „im Visier“, äußere sich aber nicht zu Einzelheiten der Ermittlungen. Alle Sicherheitsbehörden bestätigen eine enge Zusammenarbeit in diesem Fall. Bei den bundesweiten Razzien gegen Salafisten am Donnerstagmorgen war S. Wohnung kein Ziel der Ermittler.  Nach Einschätzung des Terrorismus-Forschers Kai Hirschmann vom Essener „Institut für Krisenprävention“ müssten S. Äußerungen ernst genommen werden. „Aber dass jemand ein konkretes Anschlagsziel benennt und das dann ausführt, wäre eine ungewöhnliche Vorgehensweise für islamistischen Terror.“  

 Zu Beginn der 90er Jahre war S. einer von zwei Köpfen hinter der linksradikalen „Anti Imperialistischen Zelle“ (AIZ), die als Nachfolge der „Roten Armee Fraktion“ auftrat. Zwischen 1992 und 1995 verübte die AIZ zehn Attentate auf staatliche Institutionen und Politiker in Deutschland. 1996 wurden S. und ein Mittäter verhaftet. Das Oberlandesgericht Düsseldorf urteilte damals nicht auf „Bildung einer terroristischen Vereinigung“, weil es keinen dritten Täter gab.  In der JVA Werl konvertierte S. zum Islam. Er pflegte nach Ermittlererkenntnissen Kontakte zur seit 2001 verbotenen Kalifatstaat-Bewegung und bezeichnete sich selbst als „politischen Gefangenen“. Nach seiner vorzeitigen Haftentlassung 2008 wechselte S. mehrfach Wohnsitz und Bundesland.

Vor einem Jahr führte sein Weg nach Dortmund, in ein unscheinbares Mehrfamilien-Haus nahe des Nordmarkts. Hier empfinden ihn Vermieter und Nachbarn als „ruhigen, unauffälligen Menschen“. Unauffällig, aber offen radikal in seiner politischen Haltung. 

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